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Kultur

Schutz der kulturellen Vielfalt

Musik spielen und hören bald nur noch per Gesetz? Musikexperten fordern besseren rechtlichen Schutz von Autoren und Komponisten - und diskutierten darüber bei der Deutschen Welle.

Ukrainische Sängerin Verka Serdyuchka bei nationalen Euovisionsentscheid. Quelle: dpa

Wie kann man Musik besser schützen?

Am 18.März 2007 trat eine Konvention der Kulturorganisation der Vereinten Nationen (UNESCO) in Kraft. Das Übereinkommen über den Schutz und die Förderung der Vielfalt kultureller Ausdrucksformen sieht vor, nichtmaterielle Werte und Werke wie traditionelle Tänze, Theater und Handwerksformen zu schützen und zu fördern. Gleichzeitig soll das Bewusstsein für Vielfalt geschärft werden - auf dass regionale Eigenheiten im Zeitalter der Globalisierung nicht in der Mainstreamkultur verloren gehen.

Welcher Maßnahmen bedarf es aber konkret, um Musik, Autoren und Künstler vor dem Hintergrund der UNESCO-Konvention wirksamer zu schützen? Darüber diskutierten am Donnerstag (10.5.) bei der Deutschen Welle in Bonn Juristen, Archivare und Autoren auf einer Tagung.

"Nicht unter kommerziellen Gesichtspunkten"

"Wir müssen es endlich lassen, Musik unter rein kommerziellen Gesichtspunkten zu sehen." Die Einschätzung, die der Geschäftsführer der Internationalen Vereinigung der Zentren für Musikinformation Stef Conninx über die Musikbranche von sich gab, klang wenig harmonisch. "Wir müssen als erstes den sozialen Aspekt von Musik betrachten. Musik ist dazu da, um ihr zu lauschen, oder selbst zu spielen, Musik ist ein ideales Mittel, um das Gemeinschaftsgefühl zu stärken.“

Bündel von Problemen

Auch die anderen Teilnehmer der Tagung stimmten in das Klagelied ein. Zweifellos steht der gesamte Musiksektor vor großen Herausforderungen. Es gebe dort, so Peter Rantasa, Direktor des Musikinformationszentrums Österreich, derzeit ein ganzes Bündel von Problemen. Der Musiksektor sei in einem Strukturwandel, der durch das Internet, Satellitenradio und Fernsehen bestimmt wird. Auf der anderen Seite führe die Globalisierung zu Veränderungen, die das gesamte Gefüge der kommerziellen, der nichtkommerziellen und der Kunstmusik durcheinander schüttle. Dies beginne bei Fragen der Verwertungsgesellschaften, wo es um die Rechtewahrnehmung für die Künstler gehe, über die Förderwürdigkeit von Pop und Rockmusik oder der Frage kultureller Vielfalt.

Zahnlos

Allerdings erweist sich die UNESCO-Konvention bislang noch als eher zahnloser Tiger. Vor allem, weil die kleinen Musikproduzenten, egal ob Komponisten oder Künstler nicht mit einer Stimme sprechen. Wer für seine Verwertungsrechte kämpft, wer Fördermittel beantragen will, tut dies meist als Einzelkämpfer. Selbst auf europäischer Ebene gibt es bislang keine Institution, die die Interessen aller im Musiksektor Tätigen bündelt und gegenüber den Musikverlagen und der Politik durchsetzt. Immerhin sammele und dokumentiere die Internationale Vereinigung der Zentren für Musikinformation alle Daten vorhandener und neuer Musikwerke, betonte Ruth Jakoby, Generalsekretärin beim Europäischen Musikrat. Nun aber gehe es darum, die UNESCO-Konvention auch umzusetzen und forderte auf nationaler Ebene eine entsprechende Gesetzgebung in Gang zu setzen.

Mit Tänzen zur Trommel-Musik präsentieren Mitglieder der Kompanie Akoma-Pa aus Ghana/Westafrika am Sonntag (22.09.2002) in der Kreuzkirche in Hannover während eines Gottesdienstes die Geschichte vom Geheimnis der sprechenden Trommel. Die Thaetergruppe gehört zu internationalen Solo-Künstlern und Gruppen, die bis zum kommenden Samstag (28.09.) in der niedersächsischen Landeshauptstadt in Kirchen und in der Innenstadt während des so genannten Szena-Festivals auftreten. dpa/lni

Unter Schutz der UNESCO: Traditionelle Musik

Recht still in punkto Musikdokumentation als ersten Schritt für die Wahrung von musikalischen Traditionen ist es dagegen noch in anderen Ländern außerhalb der EU. So erhoffte sich die Palästinenserin Samah Atut von dieser Tagung auch wichtige Impulse für den Schutz von Musikautoren und –künstlern im Nahen und Mittleren Osten. Der Bedarf an solchen Zentren für Musikdokumentation sei riesig. Es gebe in der arabischen Welt aber ein solches Zentrum nur in Ägypten und das arbeitete privat, sei also nicht einmal eine öffentliche Einrichtung. Und das sei schade weil das musikalische Erbe der arabischen Welt mehrere tausend Jahre alt sei und es umso wichtiger sei, dies alles zu dokumentieren, damit es nicht verloren gehe.

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