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Kultur

Schumachers Heimatstadt ehrt ihren Helden

Michael Schumacher hat am Sonntag seine außergewöhnliche Karriere beendet. Er ist ein Mann, über den die Meinungen auseinander gehen wie bei kaum einem anderen. Und so erzeugt auch sein Abschied gemischte Gefühle.

Michael Schumacher hält die Trophäe hoch bei der Siegerehrung in China am 1.10.2006

Michael Schumacher bei der Siegerehrung in China am 1.10.2006

Kerpen ist eine Kleinstadt wie jede andere. Sie liegt im Westen von Köln und hat wie viele andere Städte den wirtschaftlichen Aufschwung kommen und gehen sehen. Heute ist die ehemalige Bergbaugemeinde umringt von Gewerbegebieten. Läuft man allerdings einmal durch Kerpen und die umliegenden Randgemeinden hindurch, so stellt man schnell fest, dass die Stadt sich in einem Punkt von anderen Kleinstädten unterscheidet. Und dieser Punkt heißt Michael Schumacher.

Das Michael Schumacher Kart-Center in Kerpen

Das Michael Schumacher Kart-Center in Kerpen

In anderen Städten würde sich die unattraktive Landschaft in das dumpfe Licht eines grauen Oktobertages einfügen. Doch in Kerpen glitzern und blinken die Häuser wie kleine Leuchtfeuer. Mag auch das Herz des italienischen Motorsports um die 1000 Kilometer entfernt in Maranello angesiedelt sein, mehr Unterstützung könnte auch die Heimatstadt des Ferrari nicht zeigen. Selbst an Tagen, an denen keine Rennen stattfinden, schmücken die Farben von Schumachers Team die Fenster der Häuser und Geschäfte.

Der letzte Renntag

Am 22. Oktober war besonders viel los in der Stadt. Es war ein Renntag, aber kein ganz gewöhnlicher. Denn an diesem Sonntag fuhr der Rekorde brechende Weltmeister aus Kerpen das letzte Mal bei der Formel Eins mit. Und um Schumis Rückzug zu ehren, haben die Kerpener sprichwörtlich die ganze Stadt rot angemalt.

"Michael hat Kerpen auf die Weltkarte gesetzt," sagt Eva Berger im Informationszentrum der Stadt Kerpen. Normalerweise sei der Motorsport ein Sport für die Reichen, aber die Schumachers seien nicht wohlhabend gewesen und die ganze Familie habe hart gearbeitet, um Michael die Chance zu geben, seine Talente zu entwickeln. Dabei hätten sie Hilfe gehabt von Leuten, die Geld hatten und die seine spezielle Begabung gesehen haben. "Wir sind sehr stolz auf ihn."

Porträtfoto Schumacher: ist ihm der Erfolg zu Kopf gestiegen?

Phänomenaler Erfolg - ist er ihm zu Kopf gestiegen?

"Er war ein sehr bescheidener junger Mann und dabei immer sehr konzentriert", sagt Britta Heine, eine Ladenbesitzerin, deren Schaufenster bereits zwei Tage vor Schumachers 250. und letztem Rennen mit Ferraris schwarzem Hengst-Logo und Fotos von Kerpens berühmtestem Sohn geschmückt ist. "Manche hier fanden, dass er ein bisschen unhöflich war, aber ich glaube, seine Gedanken waren einfach immer beim Gewinnen."

Arrogant und gefühlskalt?

Der Sohn eines Maurers, geboren am 3. Januar 1969 in Hürth-Hermülheim, ist während seiner Karriere oft beschuldigt worden, arrogant und gefühlskalt zu sein. Und während die Mehrheit der Kerpener auf einer riesigen Party am Sonntag zusammenkam, um den statistisch großartigsten Fahrer aller Zeiten zu feiern, gibt es einige, die sich bewusst davon distanziert haben.

Der Taxifahrer Bernd Kässler beispielsweise stimmt der Bürgermeisterin Marlies Sieburg zu. Diese hatte angemerkt, dass einige Bürger es vorziehen würden, wenn Michael dem Vorbild seines Bruders Ralf folgen und mehr soziales Bewusstsein an den Tag legen würde. "Sein Bruder Ralf hat der Stadt etwas zurück gegeben", meint Kässler. "Aber Micha hat nur genommen und es in seiner Villa in der Schweiz versteckt."

Schumacher trinkt Champagner - manche Kritiker sagen, er hätte seiner Heimatstadt nicht genug zurück gegeben

Manche Kritiker sagen, Schumacher hätte seiner Heimatstadt nicht genug zurück gegeben

Auch viele im Motorsport glauben, dass Schumacher seinen Erfolg zwar durch sein Können erreichte, aber dass er es aufgrund seiner fehlenden Bescheidenheit und Menschlichkeit letztendlich nicht schaffen werde, eine Legende wie Alain Prost oder Ayrton Senna zu werden. Einige seiner Rivalen und Kritiker haben ihn sogar beschuldigt, auf der Piste über alle Maßen rücksichtslos und unsportlich zu sein. Andere beschreiben ihn als kalt und steif, als einen Mann mit einer Vision, für die er alles opfere.

Schwiegermutters Liebling

Die Besucher und Mitarbeiter der Go-Kart-Bahn, auf der Michaels Vater Rolf als Mechaniker gearbeitet hatte bevor er Teil des Management Teams wurde, würden dem allerdings nicht zustimmen.

Das Michael Schumacher Kart- and Event-Center mit seinen eindrucksvollen Außen- und Hallenbahnen, Restaurantbetrieb und öffentlichem Museum, zieht jedes Jahr tausende von Touristen und Motorsportfans an und versorgt die möglichen Schumis der Zukunft mit der Gelegenheit, ihre Fähigkeiten auf der Kartbahn zu verbessern - so wie es Michael und Ralf getan haben.

Zrück zu den Wurzeln - Schumi auf der Go-Kart-Bahn

Zrück zu den Wurzeln - Schumi auf der Go-Kart-Bahn

Sieben Weltmeisterschaften, der Rekord an Rennsiegen, viele erste Startpositionen und die meisten Saisonsiege. Mit diesem Vermächtnis gebe er doch etwas zurück an Kerpen, meint der Fan Karl Rüttger. "Wenn die Menschen zurückblicken auf den größten Rennfahrer aller Zeiten, glauben Sie, sie werden den Ort vergessen, aus dem er stammt?"

Auch Evelina Marini ist stolz auf Schumi. Sie kommt aus der Heimat des "Cavallino Rampante", des aufbäumenden Hengstes, der das Emblem des Autoherstellers ist. Schumacher habe alle anderen in diesem Sport blass aussehen lassen, sagt sie. Schumi sei das, was die Deutschen "Schwiegermutters Liebling" nennen, ein Familienmensch ohne Skandale, für den die Stadt Kerpen mehr tun sollte.

Die Stadt scheint dem zu folgen. Sie hat bereits eine Straße nach Schumacher benannt und im November wird Kerpen den ersten "Michael Schumacher-Tag" feiern, in der Hoffnung, dass er eine Tradition wird zu Ehren des Mannes, der den Namen Kerpen auf die Weltkarte gesetzt hat.

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