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Asien

Schulterschluss mit den US-Soldaten

Zwei Jahre nach seinem letzten Besuch ist Präsident Obama wieder in Afghanistan. Die Reise zu den US-Soldaten soll ihm innenpolitisch helfen, denn der Abzug vom Hindukusch wird ihm zu Hause als Schwäche ausgelegt.

Wenige Tage vor einer Rede an der Militärakademie Westpoint ist Präsident Obamas nochmal nach Afghanistan gereist - unangekündigt, aber nicht ohne Hintergedanken: Der Besuch von Barack Obama sei "ein Signal, dass er hinter seinen Truppen steht", meint der Afghanistan-Experte Anand Gopal von der New America Foundation in Washington gegenüber der Deutschen Welle: Bilder vom händeschüttelnden Präsidenten inmitten seiner Soldaten sollen in aller Öffentlichkeit den Schulterschluss mit den Streitkräften demonstrieren.

Das ist besonders wichtig mit Blick auf die für Mittwoch angekündigte Rede in Westpoint, in der auch der Rückzug aus Afghanistan als Teil einer neuen Sicherheitsstrategie präzisiert werden soll. Die Erwartungen sind hoch. Präsidentenberater Ben Rhodes sprach laut Washington Post auf dem Flug nach Afghanistan bereits davon, dass "wir an einem Wendepunkt in unserer Außenpolitik" sind.

Vor dem Rückzug Schulterschluss mit den Streitkräften

Mit Sicherheit werden die oppositionellen Republikaner Obama den Rückzug aus dem weitgehend unbefriedeten Afghanistan als weiteren Beleg seiner Schwäche auslegen, meinen Beobachter in Washington. Hinzu kommt, dass der Präsident gerade innenpolitisch unter Druck der Veteranenverbände steht, die Obama und seiner Regierung eine mangelhafte medizinische Versorgung der Veteranen vorwerfen.

Zudem wird die Regierung verdächtigt, jahrelang mit gefälschten Statistiken gearbeitet zu haben. "Sicherlich, das ist ein großer Skandal", sagt Gopal. "Wir müssen sehen, dass wir diesen Skandal haben und eine wichtige Ankündigung, die Truppen stark zu reduzieren". Politisch kann es also wirklich eine risikoreiche Zeit für Obama sein, "vor allem mit Blick darauf, was die Rechten sagen", so Gopal.

Passende Begleitmusik zum Memorial Day

Und so klingt es gut in den Ohren des heimischen Publikums, dass der Präsident seinen Soldaten in Afghanistan ein "verantwortliches Ende" ihres Einsatzes verspricht und sich für ihr außerordentliches Engagement im bisher längsten Krieg der Vereinigten Staaten bedankt. Das ist die passende Begleitmusik zum Memorial Day, der am Montag in den USA begangen wird: Die Amerikaner gedenken dann der Frauen und Männer, die im Dienst an der Nation ums Leben gekommen sind.

Er spreche auch für die 300 Millionen Amerikaner, sagte Obama in seiner Rede vor den amerikanischen Soldaten auf dem afghanischen Stützpunkt Balgram. Die Bevölkerung würde die Truppen unterstützen und sei stolz auf ihre Arbeit. Details über den Rückzug, der bis Jahresende abgeschlossen sein soll, blieb Obama seinen Soldaten und der Öffentlichkeit allerdings schuldig. "Es werden wahrscheinlich weniger als 10.000 Soldaten in Afghanistan bleiben", vermutet Anand Gopal. "Das werden Spezialeinheiten sein sowie Ausbilder und Ratgeber." Zur Zeit sind 32.000 Amerikaner in Afghanistan stationiert.

Kein Treffen mit Karsai

Anders als bei seinem letzten Besuch vor zwei Jahren verzichtete Obama diesmal bewusst auf ein Treffen mit dem amtierenden Präsidenten Hamid Karsai, mit dem ihm eine gegenseitige Abneigung verbindet. "Uns ist bewusst, dass wir in der Mitte eines Wahlgangs sind", begründete Präsidentenberater Rhodes laut New York Times gegenüber Journalisten Obamas Abstinenz. Karsai hat den Zorn der Amerikaner auf sich gezogen, weil er sich weigerte, das hart ausgehandelte Sicherheitsabkommen mit den USA zu unterzeichnen, in dem die Grundlage für eine künftige amerikanische Präsenz gelegt werden sollte.

Die beiden aussichtsreichsten Präsidentschaftskandidaten allerdings haben versprochen, das Sicherheitsabkommen zu unterschreiben. "Man wird sehen, ob sie das tun, wenn sie erst im Amt sind. "Karsai war in einer anderen Situation", erklärt Gopal. "Er ist jemand, der von der CIA installiert wurde und er sorgte sich um seine Glaubwürdigkeit. Die anderen haben nicht diesen besonderen Hintergrund. Ich denke, sie werden es unterschreiben."

Korruption und Gewalt vor neuer Blüte

Nach 13 Jahren Krieg und vielen Opfern würden die Amerikaner Afghanistan sicherlich nicht "als einen perfekten Platz" zurücklassen, bereitete Präsidentenberater Rhodes die US-Öffentlichkeit schon einmal sachte auf die Details in Präsident Obamas kommender Rede vor den Rekruten in Westpoint vor.

Afghanistan werde nach dem Rückzug der amerikanischen europäischen Truppen ein Staat sein, der vor allem in den Städten existiert, sagt Anand Gopal voraus. Die ländlichen Gegenden würden von Warlords und den Taliban kontrolliert werden. Sie würden Korruption und Gewalt zu neuer Blüte bringen. "Es wird einer der schlimmsten Plätze auf Erden sein, auf denen man leben kann. Und sicherlich kein perfekter Platz."

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