Schulkinder mit Chauffeur | Deutschlehrer-Info | DW | 25.01.2018
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Deutschlehrer-Info

Schulkinder mit Chauffeur

Weil es so bequem ist, weil die Zeit so knapp ist und weil die Eltern sowieso mit dem Auto zur Arbeit fahren: Immer mehr Kinder werden im Auto zur Schule gebracht. Doch das hat längst nicht nur Vorteile.

Von den Rückbänken der „Elterntaxis“ stolpern müde Kinder mit großen Schulranzen und trotten Richtung Klassenzimmer. Erst im Unterricht wachen viele richtig auf. Das müsste nicht so sein, meinen Psychologen – wenn die Kinder einfach alleine zur Schule kämen. Eltern, die ihre Kinder jeden Morgen mit dem Auto fahren, verursachen einer Studie zufolge nicht nur Chaos vor dem Schultor, sondern können den Kindern sogar schaden.  

Taxidienst fördert Unselbstständigkeit

„Wir müssen neu über die Schulwege unserer Kinder nachdenken“, fordert Psychologin Jessica Westman von der schwedischen Universität Karlstad. Sie hat Schüler verschiedener Altersgruppen beobachtet. Das Ergebnis: „Die Autofahrt macht sie müde und passiv. Am besten ist es, wenn sie mit Freunden zur Schule kommen, laufen, Rad fahren oder im Schulbus." Kinder, die gebracht würden, verlören die Chance, die Umgebung auszukundschaften und mit anderen zu interagieren. „Dadurch werden sie weniger selbstständig und weniger sicher in ihrer Umgebung“, sagt Westman.

Trend zu Bequemlichkeit und Überbehütung

In den 70er Jahren machten sich noch mehr als 90 Prozent der Grundschüler in Deutschland allein auf den Schulweg. Im Jahr 2012 war es einer Forsa-Umfrage zufolge nur noch jeder zweite, andere Umfragen sprechen inzwischen von nur noch jedem dritten Grundschüler. Dabei ist die nächstgelegene Schule in vielen Fällen gar nicht so weit entfernt.

Schulkinder auf dem Weg zur Schule

So geht's auch - und oft besser

Viele Eltern aber hätten Angst um ihre Kinder oder glaubten fälschlicherweise, ihnen einen Gefallen zu tun, meinen die Experten. „Ein Teil der Eltern kümmert sich zu viel um die Kinder und möchte jede Gefahr ausschließen“, sagt der Psychologe Klaus Seifried. Westman vermutet Bequemlichkeit als häufigen Grund für das Elterntaxi: So können morgens alle ein paar Minuten länger schlafen.

Zu wenig Freiheit

In einer Gruppe unterwegs zu sein, Geschichten zu erzählen und Geheimnisse zu haben, Umwege und Hinterhöfe zu erkunden, mal einen Abstecher zum Kiosk zu machen oder einen Klingelstreich zu spielen, all das können Kinder auf dem Autorücksitz nicht erleben.

Psychologe Seifried meint, dadurch nehme man ihnen Entwicklungsmöglichkeiten. „Es ist wichtig für Kinder, etwas selbst zu bewältigen", sagt er. „Gehen sie allein zur Schule, schaffen sie sich ihren eigenen kleinen Lebensraum, den sie mit ihren Freunden entdecken.“

(Kein) Schutz vor der bösen Welt da draußen

Taxi-Eltern dagegen sendeten ihren Kinder die gefährliche Botschaft: Das traue ich dir allein nicht zu. Dabei, so betont der Schulpsychologe, reifen Kinder, wenn sie Verantwortung übernehmen. „Man tut ihnen keinen Gefallen, wenn man ihnen alles abnimmt. Sie müssen auch lernen, dass man sich für etwas anstrengen muss.“

Auch der Automobilclub ADAC warnt vor dem Elterntaxi. Das Bewusstsein für Gefahrensituationen sei bei Kindern größer, die den kurzen Schulweg allein laufen dürften. Zugleich seien die Kids im Unterricht besser drauf und konzentrierter, fitter und sozial besser integriert.

Das Elternargument, Schulwege zu Fuß seien viel zu gefährlich,  widerlegt Hannelore Herlan von der Deutschen Verkehrswacht mit einer Statistik. Demnach verunglücken die meisten Kinder im elterlichen Auto, nicht als Fußgänger auf dem Schulweg.


mk/ip (dpa)

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