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Kultur

Schule der Superlative – Porto Seguro in Sao Paulo

10.900 Schüler besuchen die weltweit größte deutsche Auslandsschule in der Metropole Sao Paulo. Eine Schule mit eigenem Zoo, Fitnessraum und Kinosaal.

Stadtanischt von Sao Paulo (Foto: DW / Gaby Reucher)

Irgendwo da hinten ist die Deutsche Schule

Als die deutsche Schule in São Paulo 1878 gegründet wurde, unterrichteten genau zwei Lehrer insgesamt 52 Schüler. Heute sind es rund 560 Lehrer für 10.900 Schüler, verteilt auf mittlerweile drei Standorte im Großraum São Paulo. Alle Schüler lernen deutsch. Damit ist das Colégio Visconde de Porto Seguro die größte deutsche Auslandsschule weltweit. "Wir sind heute in São Paulo die einzige Schule, die immer noch Warteschlangen hat. Wir könnten immer noch expandieren", betont Alfried Plöger, Vorsitzender der Stiftung Visconde de Porto Seguro.

Die Schule als große Familie

Viele ehemalige Schüler schicken auch ihre Kinder wieder auf die Porto. So erklärt sich der rasante Schülerzuwachs über die letzten Jahrzehnte. Manch eine Familie ist schon in der vierten Generation mit der Schule verbunden, erzählt Verwaltungsdirektor Thomas Polisaitis: "Wir fühlen uns alle sehr wohl hier, wir sind wie eine große Familie".

Und die große Familie hat Geld. Das merkt man vor allen Dingen an der Ausstattung. Das Schulgelände der Einheit eins, dem ältesten Gebäudekomplex von 1974, bietet alles was das Schülerherz begehrt: Überdachte Sportplätze, Schwimmbäder, einen Fitnessraum, eine Schulbücherei mit eigener Bibliothekarin, ein Theater und ein Kino für die Kleinen. Nicht zu vergessen die schuleigene Kantine und der Imbissstand für den Hunger zwischendurch.

Innehof der Porto Seguro (Foto: DW / Reucher)

Verlängerung nach zwei Jahren

Die grauen Beton-Gebäude sind reine Zweckbauten, umgeben von tropischen Pflanzen, die der Schule einen freundlichen Anstrich geben. Während die Klassenräume der oberen Klassen etwas karg eingerichtet sind, lassen die Computer- und Laborräume keine Wünsche offen. Eigens angestellte Laborassistenten betreuen die umfangreiche Ausrüstung und helfen den Lehrern im Unterricht.

Von der Bundesregierung gibt es zwar keine finanzielle Unterstützung, aber sie bezahlt 20 Lehrer, die aus Deutschland an die Porto Seguro-Schule kommen. "Zu Beginn war die Größe der Schule für mich erschlagend", erzählt Deutschlehrer Stefan Kiefer. Mittlerweile findet er sich gut zurecht. Viele nette Kollegen und ein eigenes Pädagogisches Zentrum helfen Neuankömmlingen, sich mit dem fremden Schulsystem zurechtzufinden. Nach den üblichen zwei Jahren verlängern die meisten Lehrer aus Deutschland ihren Aufenthalt an der Porto Seguro, weil sie die Herzlichkeit der Schüler und Kollegen und die Annehmlichkeiten der Schule zu schätzen gelernt haben.

Das Problem mit dem Müll

Da sieht man auch schon einmal über Dinge hinweg, die in Deutschland für Aufregung sorgen würden. Etwa der Verkauf von Fastfood in Wegwerfbehältern am Imbissstand auf dem Schulgelände. "Das ökologische Bewußtsein ist in Brasilien nicht so groß. Wir kommen insofern damit klar, als wir es unter ‚kulturelle Unterschiede’ abhaken", meint Biologielehrer Jürgen Kräter schulterzuckend.

Deutsche Mülltrennung an der Porto Seguro (Foto: DW / Reucher)

Immerhin bringen die Lehrer den Schülern die Umweltproblematik im Unterricht näher und vor dem Imbiss stehen demonstrativ farbige Mülltonnen zur Mülltrennung.

Nur Affen gibt es keine mehr

Auch die Nähe zur Natur ist ein Anliegen der Schule. Ein kleines schuleigenes Stück Urwald wird gehegt und gepflegt und dient den Schülern als Anschauung. Tiere wie etwa Affen gibt es dort aber schon lange nicht mehr. "Wir stellen Pappfiguren auf, damit sich die Schüler die Artenvielfalt vorstellen können", erklärt Biologielehrer Klaus Ferreire. Echte Tiere leben dafür im Zoo der Schule. Eine "kleine Farm" mit Hühnern, Ziegen, Hasen und sogar einer Kuh.

Der Hang zur Natur sei schon etwas Besonderes und auch typisch Deutsches, meint Schulsekretärin Rute Kowalski. Das merkt man auch auf dem Spielplatz im Kindergartenbereich, der mit Holzgeräten ausgestattet ist. Das sei in Brasilien eher unüblich, erklärt Kowalski: "Auf den brasilianischen Spielplätzen gibt es viel zu viel Kunststoffe in den Spielgeräten. Holz ist typisch deutsch." Für die kleinen Kunden eben nur das Beste!

Der Kunde ist König

Walter Biedermann, Leiter der deutschen Sektion der Porto Seguro (Foto: DW / Reucher)

Walter Biedermann, Schulleiter für den deutschen Zweig

Das "Colégio de Visconde Porto Seguro" ist eine Privatschule, deshalb werden Schüler und Eltern als Kunden gesehen. Rund 600 Euro zahlt, wer sein Kind auf die Porto Seguro Schule schickt. Dafür erwarten die Eltern auch eine entsprechende Ausstattung und die besten Lehrkräfte. Anders als die Lehrer aus Deutschland, die Beamte sind und einen Kündigungsschutz genießen, können brasilianische Kollegen jederzeit entlassen werden.

Wer sich aber erst einmal etabliert hat, der bleibt, wie Monica Fischmann, die schon seit 30 Jahren an der Schule unterrichtet: "Vieles hat sich verändert", erzählt sie. "Früher war alles sehr strikt und das Wichtigste überhaupt an der Schule waren die Tradition und Regeln. Heutzutage ist es eine sehr weltoffene Schule." Eine Begegnungsschule deutscher und brasilianischer Kultur, aber das war nicht immer so.

Geschichte aus zwei Perspektiven

Die Porto Seguro-Schule ist in einen A- und eine B-Zug unterteilt. Die meisten der 10.900 Schüler besuchen den A-Zug, wo sie am Ende auf das Vestibular, die brasilianische Hochschuleingangsprüfung vorbereitet werden. Rund 900 Schüler sind im B-Zug, der es ermöglicht, nach zwölf Jahren das deutsche Abitur zu machen. Hier wird nicht nur deutsch gelehrt, sondern auch Fachunterricht bilingual abgehalten.

Matheus aus der achten Klasse schätzt das besonders: " So können wir Geschichtsunterricht aus zwei verschiedenen Perspektiven kennenlernen. Aus deutscher und aus brasilianischer Sicht." Seit 2003 nimmt die Porto Seguro auch die Kleinsten ab acht Monaten auf. Wer hier schon Deutsch lernt, hat gute Chancen, von Anfang an in den B-Zug zu kommen

Deutsch als Berufschance

Waren es früher meist deutsche Familien, die ihre Kinder auf die deutsche Schule schickten, so sind es heute fast ausschließlich brasilianische Schüler, die die Begegnung mit der deutschen Kultur und der deutschen Sprache suchen. Das bestätigt auch Victoria aus der zehnten Klasse: " Ich spreche schon französisch und englisch, das ist gut für den Beruf. Aber das sprechen viele, also sind die Chancen besser, wenn man auch noch deutsch kann."

Die Eltern wollen ihre Kinder mit möglichst vielen Fremdsprachen gut gerüstet wissen für den globalen Markt. Ein gutes Rüstzeug brauchen sie auch, denn so behütet, wie in der abgeschotteten "Porto-Seguro"-Welt werden sie es später kaum mehr irgendwo antreffen.

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