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Wirtschaft

Schuldzuweisungen nach Aus für Quelle

Die Gewerkschaft Verdi hat der Bundesregierung und Banken eine Mitschuld an dem endgültigen Aus für das traditionsreiche Versandhaus Quelle gegeben. Vielen Beschäftigten droht schon im November die Arbeitslosigkeit

Das Logo des Handelkonzerns Quelle auf dem gleichnamigen Turm in Nürnberg (Foto: dpa)

Das Logo des Handelkonzerns Quelle auf dem gleichnamigen Turm in Nürnberg (Archivbild)

Die Entscheidung, dem Quelle-Mutterkonzern Arcandor keinen Staatskredit zu gewähren, sei falsch gewesen, sagte der Verdi-Handelsexperte Johann Rösch am Mittwoch (21.10.2009) dem Inforadio des Rundfunks Berlin-Brandenburg. Im Vergleich zur staatlichen Unterstützung für Banken wäre ein solcher Kredit eine Kleinigkeit gewesen. Arcandor mit seinen Töchtern Karstadt und Quelle hatte im Juni Insolvenz angemeldet.

Kritik an Wirtschaftsminister Guttenberg

Wirtschaftsminister zu Guttenberg äußert sich am 3. Juni vor Journalisten zur Arcandor-Insolvenz (Bild: AP)

Wirtschaftsminister zu Guttenberg äußert sich am 3. Juni vor Journalisten zur Arcandor-Insolvenz

Zudem - so Rösch weiter - hätten Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) und der bayerische Wirtschaftsminister Martin Zeil (FDP) die Zukunft des Versandhauses öffentlich in Frage gestellt, bevor die Verhandlungen mit potentiellen Investoren beendet worden seien. Der Gewerkschafter forderte eine öffentlich finanzierte Auffanggesellschaft für die von Arbeitslosigkeit bedrohten Quelle-Beschäftigten.

Die stellvertretende Verdi-Chefin Margret Mönig-Raane sagte der "Passauer Neuen Presse", entscheidend für das Aus sei gewesen, dass ein Massekredit zum Druck des Winterkataloges nicht schnell genug vonstatten gegangen sei. Je mehr Berichte über Probleme es gegeben habe, desto mehr Kunden seien abgesprungen. "Das war zum Haare raufen. Diese Liquidation wäre nicht notwendig gewesen. Sie hätte verhindert werden können", erklärte Mönig-Raane. Auch nach ihrer Ansicht hätte eine Staatsbürgschaft für Quelle geholfen.

Kein Interesse von Investoren

Insolvenzverwalter Hubert Görg hatte am Dienstag das endgültige Ende für das Versandhaus verkündet. Es habe sich kein Investor gefunden, der Quelle habe weiterführen wollen. Er hätte sogar einen "negativen Kaufpreis akzeptiert" und den Investoren noch etwas draufgelegt, sagte Görg. Aber auch dies habe niemanden mehr gelockt. Der Verlust von Kunden sei zu groß gewesen. Außerdem hätten die Banken die für Quelle lebensnotwendige Vorfinanzierung von Ratenkäufen - das so genannte Factoring - über das Jahresende hinaus nicht mehr garantiert.

Deshalb gebe es keine Alternative zur Abwicklung. Jetzt gehe es nur noch darum, mit ordentlichen Rabatten die Lager zu räumen. Das werde noch vier bis sechs Wochen dauern, erläuterte Görg.

Bis zu 5000 Arbeitslose

Historisches Quelle-Plakat im Verwaltungsgebäude des Versandhauses in Fürth (Bild: AP)

Historisches Quelle-Plakat im Verwaltungsgebäude des Versandhauses in Fürth

Nochmals 4000 bis 5000 Beschäftigte würden ihre Stelle verlieren, viele schon zum 1. November, erklärten Mitarbeiter des Insolvenzverwalters. Im Rahmen eines früheren Sanierungskonzepts war bereits der Abbau von 3700 Stellen bis Januar 2010 geplant. Profitable Teile wie den Verkaufssender HSE24 und Spezialversender wie "Baby Walz" oder "Hess natur" mit insgesamt 3500 Beschäftigten will Görg jetzt separat verkaufen.

Autor: Michael Wehling (dpa, rtr, afp, ap)

Redaktion: Herbert Peckmann

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