Schuldsprüche wegen anti-islamischer Ausschreitungen in Indien | Aktuell Asien | DW | 02.06.2016
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Aktuell Asien

Schuldsprüche wegen anti-islamischer Ausschreitungen in Indien

Mehr als 14 Jahre nach einem Massaker an Muslimen im Bundesstaat Gujarat hat ein Gericht 24 Angeklagte schuldig gesprochen. Ein hinduistischer Mob hatte Menschen aus ihren Häusern gezerrt und gelyncht.

Transport der Verurteilten in Gujarat in Richtung Gefängnis (Foto: picture-alliance/AP)

Transport der Verurteilten Richtung Gefängnis

Mehrere Tausend wütende Hindus waren im Februar 2002 auf die Menschen in einer vorwiegend von Moslems bewohnten Wohngegend in der Stadt Ahmedabad losgegangen und hatten die Siedlung Gulbarg in Brand gesteckt. Bei den Ausschreitungen wurden 69 Menschen getötet. Die gegen Muslime gerichtete Gewaltwelle war Teil eines wochenlangen Aufstands in Gujarat, bei dem im Februar und März 2002 mehr als 1000 Menschen ums Leben kamen. Auslöser der blutigen Unruhen waren Anschuldigungen, Muslime hätten einen Zug voller Hindu-Pilger in Gujarat in Brand gesetzt. 59 der Pilger waren bei dem Brand gestorben. Gerüchte, der Zug sein von Muslimen angezündet worden, stellten sich später als haltlos heraus.

Strafmaß folgt nächste Woche

Ein Sondergericht sprach jetzt 24 Angeklagte wegen ihrer Beteiligung an dem anti-islamischen Massaker schuldig. Das Strafmaß soll in der kommenden Woche verkündet werden. 36 Angeklagte wurden aus Mangel an Beweisen freigesprochen.

In dem jahrelangen Prozess in Ahmedabad wurden mehr als 300 Zeugen befragt. Die Staatsanwaltschaft forderte lebenslange Haft für die Angeklagten. Das Verfahren wurde durch Anträge und Einsprüche jahrelang in die Länge gezogen.

War Indiens Premier involviert?

Dem indischen Premierminister Narendra Modi, der damals Regierungschef von Gujarat war, und anderen Politikern seiner hindu-nationalistischen Bharatiya-Janata-Partei (BJP) war vorgeworfen worden, die anti-islamische Stimmung nach dem Zugbrand geschürt zu haben und erst spät gegen die Aufstände eingeschritten zu sein. Das Oberste Gericht Indiens sprach Modi 2012 allerdings von den Vorwürfen frei. Es gebe nicht genügend Beweise, um Modi in dieser Sache zu belangen, entschieden die Richter. Modi selbst hatte eine Beteiligung stets zurückgewiesen.

Regierungschef Narendra Modi (Foto: picture-alliance/Xinhua)

Etwas bleibt immer hängen - gilt das auch für Premier Marendra Modi?

Die blutigen Ausschreitungen in Gujarat waren ein Grund dafür, dass die USA und andere Staaten Modi jahrelang die Einreise verweigert und jeden offiziellen Kontakt zu ihm abgelehnt hatten. Erst Modis Wahl zum indischen Regierungschef im Mai 2014 zwang die USA und andere westliche Staaten, ihre Haltung zu ändern.

Etwa 80 Prozent der 1,2 Milliarden Inder sind Hindus. Daneben gibt es eine große muslimische Minderheit, die rund 13 Prozent der Bevölkerung umfasst. Darüber hinaus gibt es Christen, Buddhisten, Jainisten und Sikhs.

qu/uh (dpa, afp, APE, epd)