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Russland

Schuldsprüche im Mordfall Nemzow

Mehr als zwei Jahre nach dem Mord an dem prominenten russischen Oppositionellen Boris Nemzow hat ein Moskauer Gericht fünf Angeklagte schuldig gesprochen. Die Suche nach Hintermännern wird dennoch weitergehen.

Boris Nemzow, ehemaliger Vizeregierungschef und Kremlkritiker, war im Februar 2015 nachts auf einer Brücke in der Nähe des Kremls in Moskau erschossen worden. Im Mordprozess sind die fünf Angeklagten nun schuldig gesprochen worden. Die aus Tschetschenien stammenden Männer hätten die Tat ausgeführt, urteilten die zwölf Geschworenen. Sie hätten Nemzow für ein versprochenes Kopfgeld in Höhe von 15 Millionen Rubel (etwa 222.000 Euro) umgebracht, heißt es im Urteil. Der mutmaßliche Drahtzieher, ein tschetschenischer Ex-Offizier, sei weiterhin auf der Flucht und werde von der Polizei gesucht.

Das Strafmaß legt das Gericht am kommenden Dienstag fest. Der Hauptangeklagte, ein ehemaliger Tschetschenien-Kämpfer, soll den Schuss abgefeuert haben. Ein weiterer soll Fahrer des Fluchtwagens gewesen sein. Auch die anderen drei Männer sollen Komplizen gewesen sein. Alle fünf hatten sich für unschuldig erklärt. Die Angeklagten verdienten "keine Nachsicht", erklärten hingegen die Geschworenen. Sie hatten seit Dienstag über eine Liste mit 26 Fragen zu Schuld oder Unschuld der Angeklagten beraten.

Urteil im Prozess zu Nemzow-Mord erwartet (picture alliance/dpa/D. Tyrin)

Die Angeklagten vor dem Schuldspruch

Nemzows Tochter: Ungelöster Fall - Wir haben nichts anderes erwartet 

Nemzows Familie vermutet die Hintermänner in der Führung Tschetscheniens. Zhanna Nemzowa, die Tochter des Ermordeten und Mitarbeitern der Deutschen Welle, spricht von einem ungelösten Fall. "Nichts anderes haben die Russen von den Ermittlern und den Strafverfolgungsbehörden erwartet." 

Bislang sehe man nicht, dass das Untersuchungskomitee auch tatsächlich herausfinden wolle, wer die Tat organisiert und in Auftrag gegeben hat. Vielmehr warte man dort einfach nur darauf, dass der Fall vergessen werde.

"Mord nicht als politisch eingestuft"

Sie beklagte, Ermittler und das Gericht hätten auf unglaubliche Art und Weise darauf beharrt, den Mord nicht als politisch einzustufen. "Die Richter strichen Fragen meiner Anwälte, die direkt oder indirekt darauf hindeuteten, dass mein Vater Politiker und eine Persönlichkeit des öffentlichen Lebens war und dass diese Tatsache das Motiv für das Verbrechen war, zumindest auf der Ebene derer, die die Tat organisiert und in Auftrag gegeben haben", sagte Zhanna Nemzowa.

Viele Freunde des Ermordeten sehen als eigentlichen Auftraggeber den autoritären tschetschenischen Präsidenten Ramsan Kadyrow oder jemanden aus seinem Umfeld. Anfang Dezember hatte die russische Justiz die Forderung zurückgewiesen, Kadyrow als Zeugen vorzuladen.

Der Kreml räumte ein, dass die Suche nach den Drahtziehern noch lange dauern dürfte. Dieser Fall gehöre zu den schwierigsten, doch das heiße nicht, dass die Fahndung nach den Verbrechern aufgegeben werde, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow. "Dieser (Ermittlungs-)Prozess dauert manchmal Jahre", sagte er.

Die Ermordung des 55-jährigen Regierungsgegners hatte weltweit Bestürzung ausgelöst. Der frühere Vize-Ministerpräsident war einer der prominentesten Widersacher von Präsident Wladimir Putin und ein scharfer Kritiker von dessen Ukraine-Politik. Nemzow war der ranghöchste Politiker, der seit Beginn der ersten Amtszeit Putins als Präsident vor 17 Jahren ermordet wurde.

wo/se (dw, dpa, afp, rtr, ap)

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