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Wirtschaft

Schuldenkrise erreicht langsam Arbeitsmarkt

Der Arbeitsmarkt in Deutschland hat sich im Herbst wieder belebt - allerdings längst nicht so stark wie in früheren Jahren. Der Konjunkturzug bremst - doch von einer Trendwende will keiner sprechen.

Ein Mann geht in Köln an der Agentur für Arbeit vorbei (Foto: dpa)

Arbeitslosenzahlen September 2010

Eine gute und eine schlechte Nachricht hatte die Bundesagentur für Arbeit (BA) am Donnerstag (27.09.2012) in Nürnberg parat: Zum Herbst habe sich der Arbeitsmarkt wieder belebt, die Zahl der Arbeitslosen sei im September um 117 000 gegenüber dem Vormonat zurückgegangen. Die schlechte Nachricht: Der Rückgang fiel geringer aus als für die im September einsetzende Herbstbelebung üblich. Insgesamt registrierte die BA knapp 2,9 Millionen Arbeitslose. Das waren nur noch 7000 weniger als vor einem Jahr. Und der Vorjahresabstand wird von Monat zu Monat geringer.

Holger Schäfer Institut der deutschen Wirtschaft Köln (Foto: iw)

Holger Schäfer, Arbeitsmarktexperte vom IW Köln

"Das sind die ersten Auswirkungen der konjunkturellen Abschwächung, die ja schon eine Weile läuft", sagt Holger Schäfer, Arbeitsmarktexperte beim Institut der deutschen Wirtschaft (IW). "Der Arbeitsmarkt hinkt ja der konjunkturellen Entwicklung immer ein wenig hinter her, man geht da von ungefähr einem halben Jahr aus. Und jetzt zeigen sich die Bremsspuren der Konjunktur, die schon so zu Beginn des Jahres sichtbar waren", so Schäfer im DW-Gespräch.

Einstellungsbereitschaft sinkt

Der Vorstandsvorsitzende der Bundesagentur fuer Arbeit (BA), Frank-Juergen Weise (Foto: dapd)

Frank-Jürgen Weise, Chef der Bundesagentur für Arbeit

Unter dem Eindruck der unsicheren Konjunkturaussichten legen immer mehr deutsche Firmen ihre geplanten Neueinstellungen erst einmal auf Eis. Die Zahl der offenen Stellen ist denn auch nach Abschwächungstendenzen in den Vormonaten im September weiter gesunken, berichtet die BA. Von nachlassender Dynamik auf dem Arbeitsmarkt spricht BA-Chef Frank-Jürgen Weise - von einer Trendwende will er aber ausdrücklich nicht sprechen. Denn noch immer entstehen momentan mehr neue Jobs als alte verloren gehen - in allen Branchen außer dem Bankgewerbe und dem Öffentlichen Dienst.

"Das war so nicht zu erwarten und ist eine gute Entwicklung", sagt BA-Chef Weise. 41,6 Millionen Erwerbstätige meldete das Statistische Bundesamt in Wiesbaden für den September - rund 423.000 oder ein Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Nachlassender Dynamik am Arbeitsmarkt trotz weiter steigender Beschäftigung - wie passt das zusammen?

Zahl der Arbeitsplätze steigt trotzdem

"Das Phänomen beobachten wir schon eine ganze Weile ", sagt IW-Arbeitsmarktexperte Holger Schäfer. "Es werden zum Beispiel viele Menschen erwerbstätig, die sich zuvor nie arbeitslos gemeldet haben. Wir nennen das stille Reserve." Zum anderen würden viele neue Arbeitsplätze mit Zuwanderern besetzt. "Das hat zur Folge, dass neue Arbeitsplätze besetzt werden, ohne dass es zu einem Rückgang der Arbeitslosigkeit im gleichen Ausmaß kommt."

Indes: Auch der Anstieg der Zahl der Erwerbstätigen, den die Statistiker in Wiesbaden registrieren, lässt seit Beginn des Jahres spürbar nach. Doch Hinweise auf eine drohende Jobkrise sieht keiner der Fachleute. "In den nächsten Monaten wird der Herbstaufschwung am Arbeitsmarkt weiter gehen, er wird nicht wesentlich beeinträchtigt durch diese konjunkturell bedingten Bremsmanöver", ist Holger Schäfer überzeugt. "Der Rückgang der Arbeitslosigkeit wird allerdings nicht mehr so stark ausfallen wie in den Jahren zuvor."

"Es ist keine Trendwende", betont auch BA-Chef Frank-Jürgen Weise. Den Warnzeichnen eines auf hohem Niveau nachlassenden Stellenangebots und einer saisonbereinigt steigenden Arbeitslosigkeit stehe eine weiter wachsende Beschäftigtenzahl gegenüber. Auch von der Kurzarbeit gingen keine Warnsignale aus. Firmen hätten zwar Beratungsbedarf. Aber die beantragte Kurzarbeit sei auf normalem Niveau. Für September hätten 1300 Betriebe für etwa 40.000 Beschäftigte Kurzarbeit angezeigt.

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