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Wirtschaft

Schuldenkrise bleibt Hauptrisiko

Die deutschen Banken sind robuster geworden, sagt die Deutsche Bundesbank. Aber die Schuldenkrise und der Kurs der Europäischen Zentralbank bleiben in ihren Augen eine große Gefahr für die Stabilität.

Wovor schon der Internationale Währungsfonds Mitte Oktober in seinem Global Fianancial Stability Report gewarnt hat, wiederholt die Deutsche Bundesbank jetzt in ihrem neuesten Finanzstabilitätsbericht: Die Schuldenkrise in der Eurozone ist und bleibt das Hauptrisiko für das gesamte Finanzsystem. "Sollte sich die Staatsschuldenkrise erheblich verschärfen, würde das auch das deutsche Finanzsystem in Mitleidenschaft ziehen, sagte Bundesbank-Vizepräsidentin Sabine Lautenschläger am Mittwoch (14.11.2012) in Frankfurt.

Natürlich haben die deutschen Banken ihre Bestände an Forderungen gegenüber den südeuropäischen Wackelkandidaten in den vergangenen Jahren erheblich abgebaut - aber die Risiken bleiben dennoch. "Das deutsche Bankensystem weist zur Jahresmitte 2012 nach wie vor erhebliche finanzielle Forderungen gegenüber Spanien und Italien auf, davon knapp 59 Milliarden Euro gegenüber den öffentlichen Haushalten beider Länder", heißt es in dem Bericht.

EZB kauft nur Zeit

"Das Staatenrisiko innerhalb der Währungsunion überträgt sich unmittelbar auf die großen europäischen Banken", warnten Lautenschläger und der für die Finanzstabilität zuständige Bundesbank-Vorstand Andreas Dombret. Es sei eine Illusion zu glauben, die Schritte der Europäischen Zentralbank (EZB) zur Krisenbekämpfung könnten auf Dauer für Beruhigung sorgen. Geldpolitik könne die Ursachen der Krise nicht beseitigen, sondern allenfalls Zeit kaufen, sagte Lautenschläger.

Dombret warnte: "Die Nebenwirkungen der kurzfristigen Stabilisierung können sich mittel- bis längerfristig als Hypothek für die Finanzstabilität erweisen." Die Bundsbank läuft seit Monaten Sturm gegen den Beschluss des EZB-Rats vom September, Euro-Problemländern im Zweifelsfall mit massiven Staatsanleihekäufen unter die Arme zu greifen.

Droht eine Immobilienblase?

Zu den gefürchteten Nebenwirkungen von niedrigen Zinsen und zu viel Liquidität könnte zum Beispiel eine Immobilienblase gehören, die auf das Finanzsystem überschwappen könnte. Zwar sei trotz des zum Teil deutlichen Immobilien-Preisanstiegs in einzelnen Ballungsgebieten noch kein rascher Aufbau von Risiken für die Finanzstabilität zu erkennen, sagte Dombret. "Erfahrungen aus anderen Ländern zeigen aber, dass es gerade im Umfeld niedriger Zinsen und hoher Liquidität zu Übertreibungen an den Immobilienmärkten kommen kann."

Insgesamt jedoch weise das deutsche Bankensystem heute eine "deutlich höhere Risikotragfähigkeit auf als vor dem Ausbruch der Finanz- und Staatsschuldenkrise", heißt es in dem Bundesbank-Bericht. "Fünf Jahre nach Ausbruch der globalen Finanzkrise ist das deutsche Finanzsystem robuster geworden." Die Banken verfügten über mehr und qualitativ hochwertigeres Kernkapital, weil sie unter anderem stabilere Quellen wie Kundeneinlagen zur Refinanzierung aufgetan hätten.

Fusionen kein Tabu?

Allerdings empfiehlt Bundesbank-Vizepräsidentin Lautenschläger angesichts des weiterhin unsicheren Umfelds den Banken, auch ruhig einmal über Fusionen nachzudenken. "Insgesamt stellt sich für die deutsche Kreditwirtschaft bei gestiegenen Kosten und härterem Wettbewerb die Frage, ob es in Deutschland ausreichend auskömmliches Geschäft für alle Banken gibt", sagte sie. "Einige Banken werden deshalb hart an ihrer Kostenstruktur arbeiten müssen. Und auch die Option einer Konsolidierung des deutschen Bankensektors sollte kein Tabu sein."

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