1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Alltagsdeutsch – Podcast

Schulbeginn

Die Schulferien sind vorbei, der erste Schultag ist gekommen. Das heißt: früh aufstehen, neuer Stundenplan und Hausaufgaben. Für manche ist der erste Schultag auch der Beginn eines neuen Lebensabschnitts.

Sprecherin:

Ein sonniger Morgen im September. Es ist Viertel vor zehn. Die Kinder der Grundschule am Manderscheider Platz haben Pause. Ein Riesenlärm. Jungen und Mädchen rennen johlend über den Schulhof. In der einen Ecke wird Ball gespielt, in einer anderen raufen zwei Jungen. Klassenkameraden stehen um die beiden herum und feuern die Kampfhähne an. Andere Kinder – meistens sind es Mädchen – schlendern ruhig über den Schulhof, einige gehen Hand in Hand. Sie verzehren ihr Pausenbrot, reden miteinander, tauschen Neuigkeiten aus.

O-Ton:

"Wir spielen oft lustige Sachen oder wir spielen Fangen oder so, oder manchmal mit anderen Kindern. Wir zanken uns auch meistens, oder manchmal sitzen wir auch nur langweilig rum. Fußball spielen die hier, ja und so. Eigentlich nicht viel mehr, so Ball hin- und herwerfen und so was. Und die bringen sich meistens auch Tennisbälle mit und werfen die vor die Hauswand oder so."

Sprecherin:

Die Lehrerin, die die Pausenaufsicht hat, sitzt mit zwei Schülerinnen auf einer der Bänke. Sie reden von den Ferien.

Pausenhof-Atmosphäre

Sprecherin:

Die Pause ist nach zwanzig Minuten zu Ende. Die Kinder gehen in ihre Klassenräume – die einen eilig, sie drängeln und schubsen, andere trödeln, sie lassen sich Zeit wieder auf die harten Schulstühle zu kommen. Langsam wird es ruhig auf dem Schulhof.

Sprecher:

Eine ganz alltägliche Szene, die so oder so ähnlich überall auf der Welt zu beobachten ist. Und sicher werden auch Sie sich daran erinnern, wie Sie ihre ersten Schuljahre erlebt haben. In Deutschland gehen Jungen und Mädchen in der Regel mit sechs Jahren zur Schule. Sie werden eingeschult. Nach vier Jahren – also wenn die Kinder zehn sind – verlassen sie die Grundschule und oft trennen sich dann ihre Wege wieder. In unserem Schulsystem warten Hauptschule, Realschule, Gesamtschule oder Gymnasium auf die Schülerinnen und Schüler, die die Grundschule erfolgreich hinter sich gebracht haben.

Sprecherin:

Puja, Yannick, Nina, Linda und Midori sind alle neun Jahre alt und gehen in dieselbe Klasse. Sie sind gerade ins vierte Schuljahr gekommen, also das letzte Jahr der Grundschule.

Sprecher:

Bis auf Puja, dessen Eltern aus Indien kommen, haben alle fünf Kinder deutsche Eltern. Viele Eltern hier in Deutschland geben ihren Kindern Namen, die aus anderen europäischen Ländern und auch aus außereuropäischen Kulturen stammen. Dies kann auch als Anzeichen dafür gewertet werden, dass eine große Zahl von Menschen hier aufgeschlossen für die multinationale Kultur eintritt, dass viele hier Fremdes nicht von vornherein ablehnen.

Sprecherin:

Puja, Yannick, Nina, Linda und Midori haben also das letzte Grundschuljahr vor sich. Aber nicht nur deshalb ist der Beginn des Schuljahres diesmal für sie besonders spannend.

O-Töne:

"Da sind viele neue Kinder gekommen, und es ist halt auf 'm Schulhof viel los und alle erzählen sich was. Was sie in den Ferien gemacht haben, und was sie jetzt machen wollen, ob sie sich mal treffen wollen und so was. / Man kriegt 'n neuen Stundenplan und ja, wenn man dann vom dritten aufs vierte kommt, dann hat man dann auf einmal viel mehr, viel mehr auf und so und hat viel mehr Stunden. / (Was war für dich los, als die Schule wieder angefangen hat, woran musstest du dich gewöhnen?) / Ja, am meisten an die Hausaufgaben, so. Also am ersten Tag da war ich gleich mit meinem Freund schwimmen und musste abends gleich alles noch machen, weil ich das vergessen hatte. / Da ist man dann gar nicht mehr dran gewöhnt, dass man Hausaufgaben machen muss. Ich war auch so ganz schlaff im Rechnen dann am ersten Tag. Ich hab' auch die Hausaufgaben abends vergessen. Da waren wir auch schwimmen gegangen."

Sprecher:

Kinder und auch Jugendliche reden wie ihnen der Schnabel gewachsen ist und kümmern sich dabei nicht immer um die Regeln der Grammatik. Sie kommen nicht vom dritten in das, sondern auf das vierte Schuljahr zum Beispiel, und sie benutzen oft auch eine eigene Sprache, einen eigenen Jargon, der den Erwachsenen nicht immer verständlich ist. Wenn einer ganz schlaff im Rechnen ist, dann hat er aufs Rechnen ganz und gar keinen Bock – das soll heißen überhaupt keine Lust auf Zahlen, Mathematik; Mathe macht ihn überhaupt nicht an. Dieser Schüler ist noch nicht bereit, sich mit den gestellten Rechenaufgaben zu beschäftigen.

Sprecherin:
Die Klassenlehrerin hat ihren Schülerinnen und Schülern aufmerksam und schmunzelnd zugehört. Sie hat manchmal überrascht den Kopf geschüttelt, aber im Großen und Ganzen schien sie mit den Schilderungen der Kinder einverstanden. So ein Schuljahresbeginn läuft eigentlich jedes Jahr gleich ab und ist für Jung und Alt gleich aufregend.

O-Ton Klassenlehrerin:

"Klar die Kinder müssen sich überhaupt wieder an so 'n Rahmen gewöhnen und das ist schwierig am Anfang, das ist richtig. Also Hausaufgaben hab' ich überhaupt nicht aufgegeben am ersten Tag, ne. Am zweiten Tag gab's Hausaufgaben, und die wurden auch gleich vergessen von sehr vielen Kindern, das stimmt. Ja dann so auch überhaupt wieder sich, sich an, an das Schreiben zu gewöhnen. Viele Kinder haben in den Ferien gar nichts geübt oder gar nicht geschrieben. Das ist schon wieder 'n Anfang, den se dann machen müssen."

Sprecher:

Die Schule bestimmt den Tagesablauf von Lehrerinnen und Lehrern, von Schülerinnen und Schülern und natürlich auch von deren Eltern. Wann morgens der Wecker klingelt, wann in den Familien gefrühstückt, gekocht und zu Mittag gegessen wird, wann Kinder abends zu Bett gehen – das hängt nicht zuletzt vom Stundenplan der Schule ab. Auch viele Redewendungen, die aus der Schule kommen, sind in der Alltagssprache geläufig. Wenn beispielsweise ein Politiker seine Hausaufgaben nicht gemacht hat, dann steckt da kein Lehrer dahinter, der sie ihm aufgegeben hätte. Es ist dann gemeint, dass der, der seine Hausaufgaben nicht gemacht hat, über einen Sachverhalt nicht genügend informiert ist, nicht richtig Bescheid weiß. Es kann dann geschehen, dass er in der Presse schlechte Noten bekommt. Seine Rolle als Musterschüler, als besonders ordentlicher und fleißiger Mensch, hat er dann ausgespielt. Ein paar Beispiele für viele.

Sprecherin:

Für Puja, Yannick, Nina, Linda und Midori geht ihre Grundschulzeit nach diesem Schuljahr zu Ende. Aber an ihren allerersten Schultag vor drei Jahren erinnern sie sich noch immer ganz genau. An das Fest in der Turnhalle der Schule, die dann als Festsaal diente, an die bunte Schultüte, randvoll mit Süßigkeiten und kleinen Geschenken – ein alter Brauch hier in Deutschland, wenn die so genannten i-Dötzchen oder Abc-Schützen zum ersten Mal zur Schule gehen. Sie erinnern sich aber auch noch genau daran, dass dieser allererste Schultag sehr aufregend war.

O-Töne:

"Spannend. Wir saßen auf den Schulbänken und die haben uns was aufgeführt. Danach sind wir aufgerufen worden und dann in die Klasse gegangen. Das war ganz schön spannend für mich. / Und ich kannte fast keinen und viele kannten sich da aus dem Kindergarten auch und ich kannte fast gar keinen. Deswegen war das auch sehr aufregend."

Sprecherin:

Dann kommen die Kinder an der Hand der Eltern zum ersten Mal in die Schule. Erwartungsvoll, die meisten aber auch ein bisschen ängstlich. Und jetzt nach den ersten Wochen Schulalltag können die Jungen und Mädchen die ersten Buchstaben lesen und schreiben und haben die ersten Übungen mit Zahlen hinter sich. Sie haben sich untereinander kennengelernt und sich an die Klassenlehrerin gewöhnt. Sie haben sich auch daran gewöhnt, dass Kinder in der Schule ungewohnt oft und lange still sitzen müssen und den Unterricht nicht stören dürfen. Das ist für einige von ihnen besonders schwer gewesen.

Sprecher:

In den vier Jahren der Grundschulzeit werden sie eine Menge dazugelernt haben. Unsere grundlegenden Kulturtechniken: Lesen, Schreiben, Rechnen werden sie zu beherrschen wissen. Auch das Sozialverhalten der Kinder will die Schule in dieser Zeit bilden. Das heißt, sie sollen miteinander umgehen lernen, lernen, sich zu helfen und zu unterstützen. Aber auch sich in die Gruppe einzuordnen, ihren Platz unter Gleichaltrigen zu finden und zu behaupten. Sie werden in der Grundschule aber auch lernen, wie wichtig die Leistungen sind, die die Lehrer von ihnen verlangen. Daran, ob sie diese erbringen, wird ihr Schulerfolg gemessen werden. Aus Kindern sind Schüler geworden.

Fragen zum Text

Wenn jemand redet wie ihm/ihr der Schnabel gewachsen ist, dann …

1. lügt jemand.

2. ist jemand ehrlich.

3. erzählt jemand Märchen.

Jemand, der Null Bock hat, …

1. will etwas tun.

2. hat seine Hausaufgaben gerne gemacht.

3. hängt schlaff herum.

Kein Musterbeispiel für gutes Benehmen sind …

1. höfliche Menschen.

2. Rüpel.

3. vornehme Engländer.


Arbeitsauftrag

Der erste Schultag ist im Leben jedes Schülers/jeder Schülerin etwas ganz Besonderes. Wie war Ihr erster Schultag? Bilden Sie Zweiergruppen. Befragen Sie Ihren Mitschüler/Ihre Mitschülerin, schreiben Sie auf, was er/sie Ihnen erzählt. Fassen Sie die Geschichte Ihres Mitschülers/Ihrer Mitschülerin zusammen und präsentieren Sie diese später vor der Gruppe.

Autor: Joachim Dany

Redaktion: Beatrice Warken

Die Redaktion empfiehlt

WWW-Links

Downloads