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Fokus Osteuropa

Schulbeginn in Mazedonien im Zeichen von Reformen

Jeder sechste Einwohner Mazedoniens geht seit dem 1. September in die Schule. Den diesjährigen Schulbeginn begleiten gemäß einer Schulreform drei Neuerungen.

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Nach der Schulreform gehen Schüler künftig neun Jahre zur Grundschule

Es beginnt der erste Jahrgang mit der nun neun- statt bislang achtjährigen Grundschule. Die Schulen fallen nach der Dezentralisierung in die Zuständigkeit der Kommunen. Und die dritte Neuerung wäre, dass erstmals Geschichte ohne ethnische Bezeichnungen – wie mazedonisch oder albanisch - unterrichtet wird und die mazedonischen Schüler mehr über die Geschichte der Albaner und herausragende albanische Persönlichkeiten lernen werden. Einige mazedonische Parteien opponieren dagegen und riefen dazu auf, die neuen Geschichtsbücher zu boykottieren und sie nicht zu kaufen. Neben der Politisierung der Schulreform plagen die Schüler in Mazedonien ganz andere Sorgen. Die Schulen in diesem Land haben noch keinen Internetanschluss, die Zahl der Computer ist unzureichend, ferner fehlen Sport- und Gymnastikräume. Außerdem sind zahlreiche Schulen heruntergekommen, verfügen nicht über angemessene hygienische Einrichtungen oder eine Heizung.

Schulboykott ehemaliger Krisenregion

Viele Schulen in Mazedonien sind ethnisch gemischt. Die Folgen des bewaffneten Konflikts von 2001 sind im mehrheitlich von Albanern bewohnten Dorf Semsevo bei Tetovo auch in der ethnisch gemischten Schule noch zu spüren. In der dortigen Grundschule weigern sich die mazedonischen Schüler bereits das dritte Jahr in Folge, mit ihren albanischen Altersgenossen gemeinsam zu lernen. Zudem protestieren die Eltern der mazedonischen Schüler, weil der Name der Schule umbenannt wurde. Zuvor trug sie den Namen des mazedonischen Nationalhelden Dame Gruev und nun heißt sie nach dem albanischen Nationalhelden Jumni Jonuzi. Auch wenn unterdessen eine Kompromisslösung gefunden wurde, nämlich dass die Schule einfach Semsevo Schule benannt wird, weiß der Schulleiter nicht, ob die mazedonischen Schüler dieses Jahr zum Unterricht erscheinen. Direktor Kazimi sagte indes, die Schulverwaltung und die Lehrer seien jederzeit bereit, die mazedonischen Schüler aufzunehmen, wenn ihre Eltern sich dazu einschließen sollten, sie wieder in die Schule in Semsevo zu schicken.

Direktorenposten doppelt besetzt

Die Kommunen haben bereits in etwa 30 Grund- und Mittelschulen die Direktoren ausgewechselt. Mindestens zehn Schulen in Mazedonien haben nun jedoch zwei Direktoren, weil die alten Amtsinhaber ihren Arbeitsplatz nicht räumen wollen. Denn sie vertreten die Meinung, die Umbesetzung sei ungesetzlich. Mazedoniens Bildungsminister Aziz Pollozhani bekräftigt dagegen, ein Schulleiterwechsel sei gesetzeskonform, wenn dieser nach den entsprechenden Vorschriften verlaufe und nicht von der Tagespolitik bestimmt sei. Denn das Hauptziel sei es, das Schulsystem im Land vollkommen von der Politik zu lösen.

Aleksandar Comovski, Skopje
DW-RADIO/Mazedonisch, 1.9.2005, Fokus Ost-Südost