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Top-Thema – Podcast

Schulbücher zur Versöhnung

Reibereien zwischen Deutschland und Polen sind in der Öffentlichkeit immer noch an der Tagesordnung. Da kann ein unaufgeregter Blick in die Vergangenheit hilfreich sein.

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Trotz Reibereien: beide Länder sind Teil der EU

Es hat schon sehr viel schwierigere Phasen in den deutsch-polnischen Beziehungen gegeben, etwa zurzeit des Kalten Krieges, als die beiden Länder nur ganz langsam zur Entspannung fanden. Richtungsweisend war damals eine Gruppe von Historikern, die zunächst nur Schulbücher reformieren wollte und damit entscheidend zur Aussöhnung beitrug.

1972 traf sich eine Kommission von Wissenschaftlern aus Deutschland und Polen zum ersten Mal in Warschau. Wladyslaw Markiewicz war damals Vorsitzender der polnischen Delegation: "Wir haben uns sofort gut verstanden. Und das war für uns eine unglaublich große Überraschung." Die Wissenschafter überprüften die Schulbücher in beiden Ländern und berieten darüber, wie man strittige Fragen sachlich richtig darstellen könne. Auf Grund der Arbeit der Kommission wurden die Geschichts- und Geographiebücher beider Länder nach und nach angepasst. Besonders wichtig für die deutsche Seite: in polnischen Geschichtsbüchern wird seitdem auch der innerdeutsche Widerstand gegen die Nationalsozialisten erwähnt. Nicht mehr alle Deutschen werden als willige Helfer der Nazis dargestellt.

Doch die Kommission hat mehr als nur Schulbücher verändert, sagt Marek Prawda, Polens Botschafter in Berlin: "Die Schulbuchkommission steht für eine Phase, wo wirklich ein Dialog zwischen Deutschland und Polen stattfinden konnte." So habe die Schulbuchkommission den Prozess der Aussöhnung zwischen Deutschland und Polen angestoßen. Die Geschichtsbücher seien mittlerweile frei von verzerrten Bildern des Nachbarn, sagt Wladyslaw Markiewicz. Sein Lebenswerk sei damit abgeschlossen. Nur die Darstellung polnischer Bauern in deutschen Geographiebüchern sehe er nicht so gerne. Denn die würden häufig immer noch mit einem Pferdefuhrwerk dargestellt, statt mit dem mittlerweile üblichen Diesel-Traktor.


GLOSSAR

Reiberei, die – die Auseinandersetzung, der Streit

unaufgeregt – ruhig; sachlich

richtungsweisend – ausschlaggebend; bestimmend

Aussöhnung, die – die Annäherung; die Versöhnung

unglaublich – unfassbar

etwas überprüfen – etwas kontrollieren

strittig – problematisch; ungeklärt

anpassen – angleichen

innerdeutsch – innerhalb Deutschlands

Widerstand, der – die Gegenbewegung; der Protest

willig – fügsam

Phase, die – der Zeitabschnitt

Dialog, der – das Gespräch

etwas anstoßen – hier: etwas beginnen

verzerrt – einseitig; falsch

Lebenswerk, das – eine sehr große Tat


Fragen zum Text

Wie trug eine Gruppe Historiker in den 70er Jahren zur Aussöhnung zwischen Polen und Deutschen bei?
1. durch eine Reformierung der Schulbücher
2. durch das Öffnen der Grenzen
3. durch eine Radiosendung

Wenn ein Ereignis strittig ist, dann ist es…
1. unproblematisch.
2. ungeklärt.
3. unaufgeregt.

Ein verzerrtes Bild, ist ein…..Bild.
1. richtiges
2. falsches
3. interessantes

Arbeitsauftrag
"Wladyslaw Markiewicz sieht die Darstellung polnischer Bauern in deutschen Geographiebüchern ungern. Denn die würden häufig immer noch mit einem Pferdefuhrwerk dargestellt, statt mit dem mittlerweile üblichen Diesel-Traktor." – Welche Darstellungen oder Stereotypen von Ihrem Land sehen Sie ungern? Schreiben Sie einen Aufsatz.

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