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Europa

Schrotschüsse und Rippenbrüche: Pariser Jugendliche attackieren Polizei

Es waren Szenen wie im Krieg: Pariser Jugendliche zündeten Häuser an und schossen scharf auf Polizisten. Sie wollten sich rächen - in den Unfalltod zweier Teenager war die Polizei verwickelt.

Jugendlichkrawalle in Paris (26.11.2007, Quelle. AP)

Jugendliche zündeten in der Nacht Autos und Privathäuser an

Bei Jugendkrawallen in Pariser Einwandererorten haben Randalierer in der Nacht zum Dienstag (27.11.2007) auch scharf auf die Polizei geschossen. "Ein Polizist wurde von einer großkalibrigen Kugel an der Schulter verletzt", teilte die Direktion für öffentliche Sicherheit des Départements Val d'Oise am Dienstag mit. Mehrere andere Beamte - die Zeitung "Le Parisien" spricht von 25 - wurden von Schrotgeschossen verwundet. Augenzeugen berichteten, Randalierer hätten Jagdgewehre in der Hand gehalten.

Mehr als 60 Polizisten wurden bei den Krawallen verletzt (26.11.2007, Quelle. AP)

Mehr als 60 Polizisten wurden bei den Krawallen verletzt

Jugendliche hätten einen Beamten mit Eisenstangen geschlagen, selbst als dieser schon am Boden lag. Der Mann sei mit Verletzungen an der Lunge und im Gesicht sowie Rippenbrüchen ins Krankenhaus gebracht worden. Rund sechs Stunden lang zogen Jugendliche durch Villiers-le-Bel und benachbarte Viertel, bis kurz nach Mitternacht "gespannte Ruhe" einkehrte, wie die Behörden erklärten. Die Krawallmacher zündeten demnach 28 Fahrzeuge, eine Tankstelle, eine Polizeiwache und mehrere Privathäuser an.

Feldlazarett in der Pariser Vorstadt

Insgesamt wurden bei den Krawallen in Villiers-le-Bel und fünf anderen Pariser Vorstädten nach neuen Angaben 64 Polizisten verletzt, die meisten durch Wurfgeschosse. Die Polizei richtete ein Feldlazarett ein. Die Jugendlichen zündeten mehrere Gebäude an, darunter eine Bibliothek, einen Kindergarten, eine Schule und Geschäfte. Auch Dutzende Autos gingen in Flammen auf. Die Polizei setzte Tränengas und Gummigeschosse ein. Journalisten, die die Krawalle filmen wollten, wurden von Jugendlichen tätlich angegriffen. Zwei Kameraleuten wurde die Ausrüstung gestohlen. Auch Feuerwehrwagen wurden attackiert.

Auslöser war der Unfalltod zweier Jugendlicher am Sonntag, die mit ihrem nicht zugelassenen Kleinkraftrad mit hoher Geschwindigkeit gegen einen Streifenwagen gefahren waren. Präsident Nicolas Sarkozy rief von China aus zur Ruhe auf. Man solle "die Justiz die Verantwortung der einen oder der anderen feststellen lassen", sagte er. Die ermittelnde Staatsanwaltschaft bescheinigt den Polizisten, sich am Steuer und nach dem Unfall korrekt verhalten zu haben.

Polizei trage keine Schuld

Zeugen hätten bestätigt, dass die beiden Jugendlichen, die bei dem Unfall in Villiers-le-Bel ums Leben kamen, "vergleichsweise schnell" mit ihrem Minibike gefahren seien, sagte Staatsanwältin Marie-Thérèse de Givry. Die Polizeistreife sei "normal" gefahren und habe niemanden verfolgt, sagte Staatsanwältin de Givry bei einer Pressekonferenz. Ermittler hätten die drei Polizisten, die in dem Wagen saßen, noch am Abend des Unfalls verhört. Sie dulde es im Übrigen nicht, dass den Polizisten unterstellt werde, sie hätten den beiden Jugendlichen nicht geholfen, betonte de Givry. "Die Feuerwehr war sofort da. Es ist alles getan worden, um sie zu retten." Die Staatsanwaltschaft hatte wegen fahrlässiger Tötung und unterlassener Hilfeleistung Ermittlungen eingeleitet.

Die Opposition bezichtigte die Regierung, seit den wochenlangen Jugendkrawallen vor zwei Jahren nichts zur Verbesserung der Lage in den Vorstädten getan zu haben. Der öffentliche Dienst habe sich aus den Vorstädten zurückgezogen, sagte der sozialistische Abgeordnete Arnaud Montebourg. Die "Nachbarschaftspolizei" sei abgeschafft worden. In den heißen Vierteln stehe man "einer Bevölkerung gegenüber, die kein Vertrauen mehr in die Institutionen" habe.

Angst vor andauernden Krawallen

Innenministerin Michèle Alliot-Marie rief alle Seiten dazu auf, "Verantwortungsbewusstsein zu zeigen". Der spontane Gewaltausbruch nach dem Unfall in Villiers-le-Bel löste Befürchtungen aus, es könnten sich erneut Vorstadt-Krawalle wie vor zwei Jahren entwickeln. Damals gab es landesweit wochenlange Unruhen, nachdem zwei Jugendliche auf der Flucht vor der Polizei in einem Transformatorenhäuschen gestorben waren. (mg)

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