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Kultur

Schriftsteller Stéphane Hessel gestorben

Der französische Schriftsteller und ehemalige Widerstandskämpfer Stéphane Hessel ist tot. Der Autor des Bestsellers "Empört Euch!" ist in der Nacht zum Mittwoch im Alter von 95 Jahren verstorben.

Der 95-jährige Stéphane Hessel starb in der Nacht zum Mittwoch, wie seine Ehefrau Christiane Hessel-Chabry der Nachrichtenagentur AFP sagte. Der Diplomat und KZ-Überlebende wurde 2010 mit dem Essay "Empört euch!" ("Indignez-vous!") weltweit bekannt. Der 1917 in Berlin geborene Diplomat kritisierte darin die kapitalistische Finanzwirtschaft kritisiert und rief zum Protest auf. Das schmale Protestbuch erreichte eine Millionenauflage und wurde weltweit zu einer Art Bibel von Globalisierungsgegnern und Anhängern der Occupy-Bewegung.

Stéphane Hessel (eigentlich: Stefan) wurde am 20. Okt. 1917 in Berlin geboren. Seine Eltern waren der deutsche Schriftsteller und Proust-Übersetzer Franz Hessel, der dem in Preußen assimilierten polnisch-jüdischen Bürgertum entstammte, und die Modejournalistin und Übersetzerin Helen Grund, Tochter einer protestantischen preußischen Bankiersfamilie.

Hessel lebte die meiste Zeit seines Lebens in Paris. Dorthin war er 1924 mit seinem Bruder und den Eltern gezogen. 1937 wurde er französischer Staatsbürger und schloss sich als Student in London dem Widerstandskomitee von General Charles de Gaulle an. 1944 wurde er als Verbindungsmann zwischen den Résistance-Gruppen und der Londoner Zentrale im besetzten Frankreich abgesetzt. Kurz danach wurde Hessel von den Deutschen festgenommen und in das Konzentrationslager Buchenwald gebracht. Nach mehreren Versuchen gelang ihm schließlich die Flucht. Er schlug sich bis nach Paris durch.

Lange diplomatische Karriere

Von 1945 bis 1993 war Hessel als französischer Diplomat tätig. Er gehörte etwa zu den Diplomaten, die die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen ausarbeiteten. Der französische Präsident François Mitterrand verlieh ihm 1982 den Ehrentitel "Ambassadeur de France". Nach seiner diplomatischen Karriere engagierte er sich für die europäische Einigung, den Umweltschutz und Immigranten, wie 1996 für die Rechte der "Sans Papiers", der "papierlosen" afrikanischen Flüchtlinge in Frankreich.

Erst spät, mit 80 Jahren, wurde H. zum Schriftsteller. Aufsehen erregten seine Lebenserinnerungen "Tanz mit dem Jahrhundert" (1997), in denen er als "ein Zeitzeuge biblischen Alters", wie die "Süddeutsche Zeitung" schrieb, Zeugnis ablegte von einer glanzvollen intellektuellen Epoche, die er hautnah miterlebte, von Momenten des Misserfolgs und auch des Scheiterns.

Überraschungserfolg mit Streitschrift

Einen überraschenden und geradezu sensationellen Erfolg hatte er 2010 mit seiner nur etwa 30 Seiten umfassenden Schrift "Empört euch!". Darin sprach er sich für die Wiederbelebung der Werte der Résistance aus. Er kritisierte den Finanzkapitalismus, den Gegensatz von reich und arm, die Behandlung von Minderheiten wie den Roma oder illegalen Einwanderern, plädierte für Gewaltlosigkeit und sah eine Lösung des Konflikts im Nahen Osten als elementar an für die Befriedung weiterer Konflikte.

kle/wl (dpa, afp, Munzinger)