Schriftsteller Gregor Dorfmeister ist tot | Bücher | DW | 06.02.2018
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Bücher

Schriftsteller Gregor Dorfmeister ist tot

Im Alter von 88 Jahren ist der Autor des Antikriegs-Romans "Die Brücke" gestorben. Obwohl sein Drama vielfach übersetzt wurde und eine Millionenauflage erreichte, blieb ihm der große Durchbruch verwehrt.

Als 16-jähriger gehörte Dorfmeister zu den Jugendlichen, die noch im letzten Kriegsmonat des Zweiten Weltkriegs in Uniformen gesteckt wurden, um in den Reihen des sogenannten "Volkssturms" die Lücken in der "Heimatfront" zu schließen. Die Erlebnisse dieser Zeit verarbeitete er später in seinem stark autobiografisch geprägten Drama "Die Brücke", das vor allem durch die mehrfach ausgezeichnete Verfilmung von Bernhard Wicki im Jahr 1959 weltberühmt wurde. Gregor Dorfmeister starb bereits am Sonntag im Krankenhaus seiner oberbayerischen Heimatstadt Bad Tölz, wie seine Familie am Dienstag bestätigte. Zuerst hatte der "Münchner Merkur" darüber berichtet. 

Seinen Roman "Die Brücke" schrieb er unter seinem Pseudonym Manfred Gregor. Er erschien 1958 und wurde anschließend in mehr als 20 Sprachen übersetzt. Er erzielte eine Millionenauflage - nicht zuletzt durch die Verfilmung. Für die Filmrechte ließ sich Dorfmeister damals mit einigen tausend Mark abspeisen. Zwar wirkte er am Drehbuch mit, doch war das Verhältnis zum Regisseur nicht ungetrübt, wie Dorfmeister selbst einräumte. "Das Kapitel ist für mich abgeschlossen", sagte er später ohne Verbitterung darüber, dass ihm der große Erfolg als Autor verwehrt blieb. "Bernhard Wicki hat einen ausgezeichneten Film aus meinem Roman gemacht", meinte er im Rückblick.

Kino Favoriten Kino #25 best German Dramas Die Brücke (Imago/United Archives)

Erst durch die gleichnamige Verfilmung wurde auch Dorfmeisters Roman "Die Brücke" zum Welterfolg

Auch Dorfmeisters zweiter Roman "Das Urteil" (1960) wurde vielfach übersetzt und 1961 unter dem Titel "Town without Pity" ("Stadt ohne Mitleid") in einer deutsch-amerikanischen Co-Produktion mit Kirk Douglas in der Hauptrolle verfilmt. Er schildert das Verhältnis der Bevölkerung zur Besatzungsmacht am Beispiel eines jungen Mädchens, das von Soldaten vergewaltigt wird und an der Mühle des Strafprozesses sowie der Hartherzigkeit des Vaters zerbricht.

In seinem dritten Roman "Die Straße" (1961) thematisierte Dorfmeister die Nöte und Schwierigkeiten junger Menschen, die an ihrer inneren Leere und Langeweile zu scheitern drohen. Der studierte Theaterwissenschaftler und Journalist leitete fast 30 Jahre lang die Tölzer Heimatausgabe des "Münchner Merkur". In seiner Freizeit engagierte sich Dorfmeister bis zuletzt für Behinderte. 1981 wurde er mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Nach dem Tod seiner Ehefrau lebte er weitgehend zurückgezogen im Kreise seiner Familie. Dorfmeister wird an diesem Donnerstag in seiner Heimatstadt beerdigt.

sf/nf (mit dpa/munzinger.de)

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