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Wirtschaft

Schrempp setzt auf Südafrika

Der ehemalige Daimler-Boss sieht großes Potenzial für die deutsche Wirtschaft. Experten ermuntern auch den Mittelstand, Wachstumsmärkte zu erschließen. Es gibt aber einige Probleme, die Investoren abschrecken könnten.

Die deutsch-südafrikanischen Wirtschaftsbeziehungen verdienen aus Sicht Jürgen Schrempps "besondere Aufmerksamkeit, gerade in einer sich ändernden Welt". Das sagte der langjährige frühere Chef des Automobilkonzerns Daimler-Benz am Dienstag (23.10.2012) zum Abschluss des Deutsch-Südafrikanischen Wirtschaftsforums in Berlin. Der Industriemanager ist inzwischen Vorsitzender der Südliches Afrika Initiative der Deutschen Wirtschaft (SAFRI), die 1996 auf Anregung des damaligen Bundeskanzlers Helmut Kohl gegründet wurde.

Beeindruckende Zahlen

Gemessen an der Statistik ist Schrempps Appell nachvollziehbar. Südafrika war auch 2011 der wichtigste bilaterale Handelspartner Deutschlands auf dem 54 Länder umfassenden afrikanischen Kontinent. Die Exporte stiegen um knapp 13 Prozent auf 8,6 Milliarden Euro. Ein Drittel davon entfiel auf die nach wie vor führende Automobilbranche, gefolgt vom Maschinenbau. Stärker noch als die Ausfuhren wuchsen die Importe um knapp 16 Prozent auf ein Volumen von 6,2 Milliarden Euro. Metalle bildeten dabei mit fast einem Viertel der Einfuhren die größte Warengruppe.

Tödliche Unruhen im Bergbau

Der in Hamburg ansässige Afrika-Verein der Deutschen Wirtschaft rechnet angesichts des weltweiten Rohstoffhungers mit weiterhin steigenden Investitionen und Einnahmen in ganz Afrika. In seinem aktuellen Jahresbericht schlägt er aber auch skeptische Töne an: "Allerdings bleibt die Gefahr von politischen Rückschlägen und damit auch negativen Folgen für die Wirtschaft bestehen", heißt es mit Blick auf Länder wie Sudan und Mali. Von Zuständen wie dort ist Südafrika zwar weit entfernt, aber insbesondere die seit diesem Sommer immer wieder aufflammenden Unruhen im Bergbausektor lassen niemanden in der Branche kalt. Bei Protesten in Gold- und Platinminen kamen zahlreiche Menschen ums Leben.

Der frühere Vorstandsvorsitzende des Daimler-Benz-Konzerns, Jürgen Schrempp (Foto: AP)

Südafrika im Blick: Schrempp

Unter dem Eindruck der jüngsten Entwicklung appelliert Südafrika-Kenner Schrempp an die deutsche Wirtschaft, "größten Wert" auf die Beziehungen zu diesem Land zu legen. Schrempp und Mercedes-Benz haben schon mit dem Apartheid-Regime umstrittene Geschäfte gemacht. "Glaubt an die Zukunft unserer Zusammenarbeit und gebt Euer Bestes, um neue Dynamik in unsere Beziehungen zu bringen!", forderte er jetzt die Unternehmen beider Länder trotz allem zu Optimismus auf. Den scheinen viele von denen zu teilen, die sich zum Deutsch-Südafrikanischen Wirtschaftsforum zwei Tage in Berlin trafen.

Erfolg mit Betten und Daunen?

Der in Kapstadt tätige Unternehmensberater Andreas Krensel ist vom Potenzial seiner Wahlheimat überzeugt. Dabei denkt er nicht nur an erneuerbare Energien, sondern auch an Öl und Gas. Vor allem aber ist Krensel von den Chancen für Mittelständler überzeugt, die seine Firma IBN Consultant & Immigration hauptsächlich berät. "Selbst ein Betten- oder Daunenhersteller kann mit einem guten Produkt sehr schnell Fuß fassen, wenn es nicht deutlich teurer ist", meint der Deutsche. Wer mit einer guten Technologie und einem fairen Preis an den Markt gehe, habe sehr gute Wachstumschancen .

Krensel lebt und arbeitet seit zehn Jahren in Südafrika. Als Boomphase hat er den Zeitraum von 2004 bis 2007 in Erinnerung. Seitdem spiele die Bürokratie eine immer größere Rolle. Das sei grundsätzlich in Ordnung, meint er, aber die Politik tue sich schwer damit, Gesetze umzusetzen. "Und dadurch entsteht ein unglaublicher Verwaltungsaufwand für Unternehmer, die sich mit den Behörden auseinandersetzen", bedauert der Unternehmensberater. Krensel spricht in diesem Zusammenhang von "versteckten Kosten, über die keiner redet, die sich auch schlecht beziffern lassen".

KfW-Experte empfiehlt langfristige Strategie

Zuversichtlich beurteilt Andreas Ufer die deutsch-südafrikanischen Wirtschaftsbeziehungen. Er ist bei der KfW Ipex-Bank, einer Tochter der staatlichen Kreditanstalt für Wiederaufbau, unter anderem für die Bereiche Wasser und erneuerbare Energien zuständig. Ufer empfiehlt Unternehmen jeglicher Größe, sich nicht von kurzfristigen Entwicklungen irritieren zu lassen. Das Potenzial für Infrastrukturprojekte werde "sehr groß bleiben". Das gelte insbesondere für Energieprojekte. "Die deutsche Wirtschaft ist gut beraten, diese Märkte nicht nur im Auge zu behalten, sondern auch zu beackern."

Ein Windrad in der Kleinstadt Darling vor den Toren Kapstadts (Foto: AP)

Mit erneuerbaren Energien lässt sich in Südafrika gut Geld verdienen

Gerade wenn es um umweltschonende Energie geht, traut KfW-Experte Ufer nicht nur Branchenriesen wie Siemens eine Menge zu. Er glaubt, die deutschen Mittelständler würden unterschätzt. Es sei sehr wohl der eine oder andere mittelständische Windanlagenhersteller aus Deutschland in Südafrika aktiv. Wenn es immer heiße, nur die großen Unternehmen gingen ans Kap, müsse man mal hinschauen, wo die einkaufen. "Dann ist man immer überrascht, wie viel Mittelstand in diesen Lieferungen und Zulieferungen drin ist", betont Ufer.

Chef-Ökonom: Millionen bleiben arm

Insgesamt, so scheint es, ist und bleibt Südafrika ein lukrativer Markt für deutsche Unternehmen - unabhängig von ihrer Größe. Aber erfahrene Manager wie der frühere Daimler-Boss Jürgen Schrempp warnen auch vor den zunehmenden Risiken, weil das seit Jahren anhaltende Wirtschaftswachstum an sehr vielen Menschen vorbeigeht. Nur mit "guter und weiser Führung" der politischen Eliten und Bildung für die armen Südafrikaner könne dem entgegengewirkt werden, glaubt Schrempp.

Noch deutlicher wurde der Chef-Ökonom der Standard Bank, Goolam Ballim. Es gebe enorme Defizite bei den Löhnen, beim Reichtum, auch in den unterschiedlichen Regionen. Viele Südafrikaner lebten am Rande der Gesellschaft. "Man muss zur Kenntnis nehmen, dass wahrscheinlich Millionen Südafrikaner für immer von der regulären Wirtschaft ausgeschlossen bleiben", fürchtet Ballim.

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