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Filme

Schreiben fürs Kino: Wolfgang Kohlhaase

Meist stehen Autoren im Schatten der Darsteller und Regisseure. Wolfgang Kohlhaase ist eine Ausnahme. Seine Name steht seit langem für Qualität im deutschen Kino. Bei der Berlinale bekommt er heute einen Ehrenbären.

Porträt von Wolfgang Kohlhaase (Foto: Thomas Schulze dpa)

Wolfgang Kohlhaase gehört zu den renommiertesten Drehbuchautoren in Deutschland. Der 1931 in Berlin geborene Sohn eines Maschinenschlossers begann seine Karriere bei der ostdeutschen DEFA bereits Mitte der 50er Jahre. Er arbeitete vor allem mit den Regisseuren Gerhard Klein, Konrad Wolf und Frank Beyer zusammen. Nach 1989 schrieb er unter anderem Drehbücher für Volker Schlöndorff und zuletzt für Andreas Dresen.

Mann vor Sarg-Kutsche - Szene mit Hans-Christian Blech aus Begräbnis einer Gräfin (picture-alliance ZB)

Kohlhaase-Arbeit "Begräbnis einer Gräfin" (1991)

Erfolg mit "Berlin Ecke Schönhauser"

Wolfgang Kohlhaase hat schon immer das Spiel mit Worten und Sprache geliebt. So wollte der junge Mann zunächst auch Journalist werden. Zufällig hatte er aber Bekannte beim Film und wurde so neugierig. Schnell begeisterte Kohlhaase sich für die Filme des italienischen Neorealismus. Nach einigen Büchern für Kinderfilme schrieb er dann 1957 die Vorlage für "Berlin - Ecke Schönhauser" - ein Film über die aufmüpfige DDR-Jugend.

Frau schaut in Spiegel - Renate Krößner in Solo Sunny (PROGRESS Film-Verleih/Dieter Lück)

"Solo Sunny" (1979)

Bei der DEFA konzentrierte sich Wolfgang Kohlhaase anschließend auf die Zusammenarbeit mit Regisseur Gerhard Klein, später arbeitete er am liebsten für den großen Konrad Wolf. Die Stärken des Autors lagen immer im Beschreiben des Alltags: "Ich hatte nie das Gefühl, ich denke mir einen Film aus, sondern ich denke mir die Voraussetzungen für einen Film aus. Dann muss es noch mal die sinnliche Neuerfindung geben. Figuren kommen nur an das Publikum, wenn es Rollen für Schauspieler sind."

Im Gespräch ist Kohlhaase ein aufmerksamer Zuhörer, zeigt sich fasziniert vom Umgang mit Sprache und Wahrheit: "Ich lebe mit offenen Ohren und ich höre gerne, was Leute sagen oder wie sie es sagen. Oder wie sie mit der Wahrheit lügen, oder die Lüge so klingen lassen, als wäre es war."

Mann und Frau am Schwimmbecken - Szene aus Die Stille nach dem Schuß (Arthaus Verleih)

"Die Stille nach dem Schuss" (1999)

Ein Satz für eine Geschichte

Der großgewachsene, schlaksig wirkende Kohlhaase sieht sich nicht als Unterhalter und wirkt etwas nüchtern und abgeklärt. Ihm ist es wichtig, nie nur für einen einzigen Auftraggeber oder nur für eine bestimmte Produktionsfirma zu arbeiten. Seine Geschichten leben von der Reduktion. Auch wenn Kohlhaase selbst im Interview gerne ein wenig ausholt, bei seinen Dialogen, die er für die Filme schreibt, versucht er immer zu verknappen. Eine gute Geschichte lässt sich in einem Satz erzählen, lautet sein Credo.

Kohlhaases bis heute bekanntester Film ist "Solo Sunny" aus dem Jahr 1980, der bei der Berlinale mehrfach ausgezeichnet wurde. Konrad Wolf inszenierte seinen letzten Film gemeinsam mit Kohlhaase. Nach dem Ende der DEFA und der DDR hatte es der Autor im wiedervereinten Deutschland zunächst nicht leicht. Sein Umgang mit Sprache, der deutliche Berliner Einschlag, der Hang zum Gegenwartskino waren nicht gefragt. Als einziger namhafter Regisseur aus dem Westen arbeitete zunächst Volker Schlöndorff mit Kohlhaase zusammen - es entstand das Terroristenpsychogram "Die Stille nach dem Schuss".

Schreiben für Andreas Dresen

Mann und Frau lachen sich an, sich umarmend - Szene aus SOMMER VORM BALKON (picture alliance kpa)

"Sommer vorm Balkon" (2005)

Doch inzwischen hat Kohlhaase mit Andreas Dresen einen Regisseur getroffen, mit dem er nun schon zweimal erfolgreich zusammengearbeitet hat. Auf den an den Kinokassen sehr erfolgreichen "Sommer vorm Balkon" folgte im Vorjahr "Whisky mit Wodka". Beide Filme überzeugen durch pointierte Dialoge. Die Schauspielerin Nadja Uhl, die im ersten Dresen-Kohlhaase-Film mitwirkte, war vom Sprachrhythmus und dem Stil des Autors sehr angetan. Sie drückte die Kunst Kohlhaases einmal so aus: "Es ist Berliner Hinterhofmilieu in eine Kunstform gebracht. Zille-Sprache kultiviert."

Autor: Jörg Taszman
Redaktion: Jochen Kürten

Symbolbild Film Festival roter Teppich

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