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Sprachbar

Schreck(liches)

Normalerweise agiert er im Verborgenen, der Schreck. Manchmal wird er sichtbar, in Schrecksituationen und -sekunden. Auch wenn er in Form von Heuschreckenschwärmen auftritt. Die schrecken vor nichts zurück.

Er ist etwas ganz Alltägliches. Alle kennen ihn. Er ist unsichtbar, niemand kann ihn hören, dafür aber umso deutlicher spüren. Er kann heftige Reaktionen auslösen, aber auch verhältnismäßig harmlos sein. Die Rede ist vom Schrecken. Oder auch vom Schreck. Manchmal erschreckt man sich. Das kann über etwas wirklich Schreckliches sein. Der Schreck kann groß, aber auch freudig sein.

Schreckliche Schrecksekunden

Schalten wir das Radio oder das Fernsehen ein oder schlagen die Zeitung auf, vergeht kein Tag ohne irgendwelche Schreckensmeldungen. Wir erschrecken nicht direkt, wenn während des Frühstücks in den Nachrichten ein neuerlicher Terroranschlag gemeldet wird. Denn die Autobombe ist ja nicht neben uns explodiert. Manche Menschen leiden dennoch schrecklich angesichts des Leids, das Terroranschläge mit sich bringen.

Dennoch gibt es sie, die unmittelbare Reaktion, wenn wir vor Schreck zusammenzucken, wenn das Blut in den Kopf schießt. Manchmal kann dieses Zusammenzucken nur den Bruchteil einer Sekunde dauern. Diese Schrecksekunde kann dennoch lähmend sein. Im Extremfall kann dieser lähmende Schreck zum Herzstillstand führen und tödlich sein. Der Ausdruck zu Tode erschrocken sein kann tatsächlich wörtlich genommen werden. Meistens kommt der- oder diejenige aber mit dem Schrecken davon – das heißt, außer dem Erschrecken und der Erinnerung an den Schreck selbst bleibt nichts zurück.

Donald Ducks Schreckreaktionen

Wie sich der Schreck in körperlicher Reaktion bemerkbar macht, führt uns bildhaft Walt Disneys Donald Duck vor. Als notorischer Pechvogel ist er geradezu prädestiniert, andauernd in – zumindest für ihn – schreckliche Situationen zu geraten.

Sprachlich drückt sich das dann aus in "Kreisch!"; für leichtere Fälle genügt ein "Huch!" oder "Nicht doch!", jeweils mit Ausrufungszeichen versehen. Bildlich sieht man den bedauernswerten Erpel, wie er im Augenblick des Erschreckens Schnabel und Augen aufreißt, hochspringt und seine Mütze so aussieht, als ob sie jeden Moment wegfliegt. Kein Bild des Schreckens, aber ein Bild des Erschrockenseins.

Körperliches Erschrecken

Die Schreckreaktionen Donald Ducks lassen sich durchaus auch auf uns übertragen. Wenn wir erschrecken, weiten sich die Augen, wir sperren ohne es zu bemerken den Mund auf, ja es gibt sogar Situationen, dass wir vor lauter Schreck aufspringen, kreischen oder andere Schreckenslaute von uns geben. Der Zusammenhang zwischen Schreck, schrecken, erschrecken und dem Verb aufspringen, ist auch rein sprachlich überraschend eng.

Der Schreck in Redewendungen

Im Althochdeutschen gab es als Zeitwort scricken. Dieses bedeutete springen – oder auch aufspringen. Bis heute hat sich genau diese Bedeutung in dem Wort Heuschrecke gehalten. Sie ist also kein vor Schreck erstarrtes Insekt, sondern ein springendes. Das Verb schrecken mit entsprechenden Vorsilben, also aufschrecken, hochschrecken, erweckt ja die Vorstellung von Körperbewegung als Reaktion auf Erschrecken.

Meist ist es etwas Negatives, das Angst und Erschrecken auslöst. Übertragen wurde dieses Empfinden auf Personen. So gibt es den Bürgerschreck, den Frauenschreck, den Kinderschreck – also jemand, vor dem Bürger, Frauen oder Kinder Angst haben. Ein Schreckgespenst kann eine Person oder eine Sache sein, die Angst macht – wie zum Beispiel die Vorstellung eines Atomkrieges.

Schreckschrauben

Schreckhafte Menschen schrecken aber vielleicht schon zusammen, werden schreckensblass oder –bleich, wenn zum Beispiel eine Autotür zuschlägt, ein Knallkörper an Silvester plötzlich neben ihnen explodiert. Wenn also etwas Unerwartetes passiert. Bei einem Überfall wäre es gut, eine Schreckschusspistole in der Handtasche zu haben, die keine Kugel geladen hat.

Manche Menschen werden abgeschreckt, wenn sie Schreckschrauben sehen, also Menschen, die unsympathisch wirken. Mit diesen will man keinen Kontakt haben. In diesem Fall kommt häufiger der Ausspruch: "Ach du mein Schreck!" Nachdem man sich dann von dem ersten Schreck erholt hat, fällt nicht selten "Schreck lass nach!".

Unangenehmes Erwachen

Als ganz besonders unangenehm wird der Schreck in der Morgenstunde empfunden. Da klingelt zum Beispiel das Telefon, während man noch tief und fest schlummert. Am anderen Ende ist jemand, mit dem man eigentlich keinen Kontakt mehr wollte.

Das Telefonat könnte man dann nutzen, um die Bekanntschaft zu beenden, ganz getreu dem Ausruf des preußischen Majors Ferdinand von Schill: "Lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende." Diese – heute immer noch häufig zu hörende Redensart – bezog sich allerdings auf die in den Augen des Majors napoleonische Schreckensherrschaft, die er durch einen allgemeinen Aufstand beseitigen wollte.

Die Quelle des Schreckens

Tja, und was die Zeitungen und Nachrichten in Radio und Fernsehen betrifft: morgen wird es weitergehen mit den Schreckensmeldungen. Für die Schrecken selbst ist meistens die Gattung Mensch verantwortlich. In Friedrich Schillers "Lied von der Glocke" finden sich die Zeilen: "Jedoch der schrecklichste der Schrecken, das ist der Mensch in seinem Wahn."

Fragen zum Text

Der Ausdruck mit dem Schrecken davonkommen bedeutet, dass …

1. jemand einen Schreck bekommt und sich zurückzieht.

2. einem schrecklichen Erlebnis ein zweites folgt.

3. außer dem Erschrecken und der Erinnerung an den Schreck nichts zurückbleibt.

Vor Schreck kann man sogar …

1. umdrehen.

2. aufspringen.

3. einschlafen.

Eine unsympathische Person ist …

1. eine Schreckpistole.

2. eine Schreckschraube.

3. ein Schreckstab.

Arbeitsauftrag

Schrecksekunden gibt es immer. An welche Schrecksekunde können Sie sich noch besonders gut erinnern? Schreiben Sie einen kurzen Text über eine Situation, die Ihnen einen Schrecken eingejagt hat.

Autor: Michael Utz

Redaktion: Beatrice Warken

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