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Deutschland

Schröder trifft Singh

Mit einem zweitägigen Besuch in Indien beginnt Bundeskanzler Gerhard Schröder seine einwöchige Asien-Reise. Weitere Stationen sind Vietnam, Pakistan und Afghanistan.

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Indiens Ministerpräsident Manmohan Singh

Zum ersten Mal nach dem Machtwechsel in Indien reist ein europäischer Regierungschef nach Delhi. Bundeskanzler Schröder wird seine Gespräche (6./7.10.) vornehmlich dem Ausbau der wirtschaftlichen Beziehungen widmen. Der Kanzler hatte Indien zuletzt im Jahr 2001 besucht. Damals waren jährliche Konsultationen zwischen beiden Ländern auf Spitzenebene vereinbart worden.

Inder an der TU Chemnitz

Indisches Knowhow in der Hightech-Industrie

Deutschland ist noch immer Indiens fünftstärkster Wirtschaftspartner. Die kulturellen Beziehungen florieren. Besonders auf wissenschaftlichem und technologischem Gebiet ist ein erhöhter Austausch zu bemerken.

Beide Länder haben auch in den vergangenen Monaten eng miteinander kooperiert, als es darum ging, sich für einen ständigen Sitz im UN-Sicherheitsrat zu bewerben. Indien ist wie das Nachbarland Pakistan Atommacht. Nach Angaben aus Regierungskreisen will Deutschland dafür werben, dass sich beide miteinander rivalisierende Staaten der Nicht-Verbreitung von Atomwaffen stärker verpflichten.

Angst vor den Kommunisten

Der plötzliche Wandel in Indiens politischer Führungsriege im Mai 2004 erzeugte unverzüglich Sorge bei den Deutschen, was den zukünftigen ökonomischen Kurs Indiens angeht. Die nationalistische Bharatiya Janata Partei (BJP) wurde nach sechsjähriger Herrschaft von der Kongress-Partei abgelöst.

Die von der Kongress-Partei angeführte Koalition, geführt von Ministerpräsident Manmohan Singh, ist abhängig von der Unterstützung einer außerparlamentarischen Linken. Diese 'Linke Front' wird dominiert von der marxistischen Kommunistischen Partei Indiens. Ausländische Investoren fürchten nun, die neue Regierung könne einem ökonomisch liberalisierten Prozess feindlich oder immerhin zögerlich gegenüber stehen.

"Natürlich waren wir anfangs sehr nervös, als der Kongress an die Macht gelangte", erklärt Eckart von Unger, Indienexperte vom Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) im Gespräch mit DW-WORLD. "Die deutsche Industrie ist abhängig von Exporten und so ist der Liberalisierungsprozess in Indien auch für uns von enormer Bedeutung."

Unerwartete Möglichkeiten

Doch diese Ängste sind seitdem weitgehend ausgeräumt. Nach Anuradha Chenoy, Wissenschaftlerin für internationale Beziehungen an der Jawaharlal Nehru Universität, Delhi, "wird die neue Regierung mit ihrer Wirtschaftspolitik vornehmlich dem Kurs der vorherigen folgen. Dieser hatte 1990 begonnen. So wird es auch keine maßgeblichen Veränderungen geben, was das Klima für Investitionen angeht. Die Kommunisten wissen um den Bedarf an ausländischen Investitionen, besonders was die Infrastruktur betrifft. Sie zeigten sich nur besorgt darum, wie weit sich Schlüsselsektoren, wie die Öl- und Telekommunikationsindustrie, öffnen dürfen".

Raum für Mehr

Betrachtet man die Zahlen - Indien, das zweitbevölkerungsreichste Land der Welt, ein Land mit dem schnellsten Wirtschaftswachstum (sechs bis acht Prozent pro Jahr) - dann fallen die Wirtschaftsbeziehungen zwischen Indien und Deutschland mit fünf Milliarden Euro (2003) bescheiden aus.

Indische Pest Indien Indische Frauen verbrennen Müll einem pestverseuchtem Slum in Surat, West-Indien

und indische Nöte mit Slums und Müll

Deutsche Investitionen sind seit 1997 konstant gesunken und erreichten zuletzt ein Rekordtief von 37 Millionen Euro. "Die Infrastruktur ist erschreckend und übermäßige Bürokratie eine große Bremse", meint von Unger. "Die Vergabe von Lizenzen dauert manchmal so lange, das kleinere Unternehmen sich diesen behördlichen Aufwand einfach nicht leisten können. Man braucht Geduld."

Made in Germany funktioniert

Trotz schleppender deutscher Investitionen sehen sich beide Länder als strategische Partner. 22 Top-Manager von Lufthansa, Allianz, MAN und der Frankfurt Airport AG begleiten Bundeskanzler Schröder bei seinem Besuch.

Aus deutschen Regierungskreisen wurde jedoch bekannt, dass keine Unterzeichnung bedeutender Verträge geplant sei. Die Reise diene mehr dem Ziel, die neue Regierung in Delhi kennen zu lernen.

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