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Deutschland

Schröder mit Tränen in den Augen

Die SPD hat den scheidenden Bundeskanzler Gerhard Schröder mit einer Würdigung seiner Arbeit zu Tränen gerührt. Die Parteitagsdelegierten verabschiedeten ihn mit stehendem Applaus.

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Bundeskanzler Schröder nimmt Abschied

Gegen Ende seiner Rede brach dem Vortragenden hier und da die Stimme. Fast schien es, als wollte er jetzt nicht zum Ende kommen. Noch ein Dank hier, ein wehmütiger Blick in die Reihen der Delegierten vor ihm dort: Gerhard Schröder, noch wenige Tage Bundeskanzler Deutschlands, verabschiedete sich von seiner Partei - und ein bisschen auch aus dem Amt. Seine Rede war am Montag (14.11.2005) der vorläufige Höhepunkt des Parteitages der SPD in Karlsruhe, der das Bündnis mit der Union - dem Gegner Nummer Eins noch vor wenigen Wochen - besiegelte.

Die große Koalition sei keine Herzensangelegenheit, rief noch vor Schröder Parteichef Franz Müntefering den rund 500 Delegierten zu. Aber wollen müsse man die ungeliebte Koalition, zumal sie viele sozialdemokratische Momente enthalte. "Beweisen muss sich die Koalition im Handeln", meinte Müntefering. "Wir müssen den Mut haben, in diese Koalition zu gehen und zu überzeugen. Und wenn wir überzeugen, da bin ich sicher, werden die Menschen auch die Große Koalition annehmen."

Einmalige Troika

SPD Koalitionsvereinbarung

SPD-Parteitag in Karlsruhe: Bundeskanzler Gerhard Schröder (r.), Platzeck, Benneter (l.)

Nach Münteferings Rede trat dann eine SPD-Troika vor die applaudierenden SPD-Mitglieder, die es so wohl nur in Karlsruhe geben wird: in der Mitte Müntefering, der sein Amt nach heftigen innerparteilichen Kämpfen abgibt, links Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck, der ihm als SPD-Chef nachfolgen soll, rechts Schröder.

Der Kanzler unterstützt die neue große Koalition, aber er zog auch ein Fazit, das zeigte, wie aufreibend die letzten Jahre waren. Dem scheidenden Finanzminister Hans Eichel flossen die Tränen über das Gesicht, als Schröder seine Verdienste würdigte, und Schröder selbst wandte sich nochmals aggressiv an die, denen er eine Mitschuld gibt am Scheitern seiner, der rot-grünen Koalition: den Medien nämlich.

"Die Menschen, das ist klar - sind die ritualisierten Auseinandersetzungen leid. Ich sage hinzu: Sie werden sich auch künftig von Politiker-Beschimpfungen, wo immer sie herkommen und wer immer sich daran gefällt, nicht beeindrucken lassen. Und ich warne davor, durch eine bestimmte Art und Weise des sich Verbreitens den gewiss gelegentlich komplizierten demokratischen politischen Prozess zu diskreditieren. Am Ende steht nicht mehr Demokratie, sondern, wie wir es in der Geschichte erlebt haben, sehr viel weniger. Deswegen an die, die es angeht: Lasst davon ab, es führt zu nichts Gutem", sagte Schröder.

Und nun: Platzeck

Die SPD bricht in Karlsruhe auf in eine neue Zeit, die alte aber ist noch frisch in Erinnerung und nicht verarbeitet. Den Koalitionsvertrag billigten die Delegierten trotz großer Zumutungen wie der Mehrwertsteuererhöhung ab 2007 und dem gelockerten Kündigungsschutz.

Begeistert sind die Sozialdemokraten nicht, aber es bleibt ihnen nichts anderes übrig. Und der starke Applaus immer dann, wenn der Name Matthias Platzeck fiel, zeigte deutlich, auf wen die Partei jetzt ihre Hoffung setzt. Platzeck soll am Dienstag (15.11.) zum SPD-Parteivorsitzenden gewählt werden.

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