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Kultur

Schröder, Merkel und die Oper, die sich Regierung nennt

Politik ist mehr als Gesetze und Kampagnen. Sie lebt auch von Theater, Glamour und Selbstdarstellung. Ist nicht jede Legislaturperiode wie eine Oper – diesmal womöglich mit tragischem Ende für Kanzler Gerhard Schröder?

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Der Kanzler und die Kandidatin - wie Wagners 'Wotan' und 'Fricka'?

"Gedanken ans Ende darf man nicht an sich heran lassen", hat Bundeskanzler Gerhard Schröder einmal gesagt. Aber meint er das ernst? "Es macht ihm Spaß, Abschied zu nehmen", sagt Norbert Seitz. Der Publizist hat gerade ein Buch über die deutschen Kanzler und die Künste veröffentlicht. Er nennt zwei wesentliche Dinge, durch die sich der Medienkanzler am Ende seiner Regierungszeit auszeichne: die Kunst und der weltpolitische Auftritt, das Schöne und die Macht. Das sind die Zutaten großen Theaters, großer Oper. "Er zelebriert es, dass gerade die Kunst eine größere Rolle spielt, als sich mit irgendeiner Handelskammer zusammenzusetzen und darüber zu beraten, wie man zusätzlich Lehrstellen für Jugendliche schafft", sagt Seitz und folgert: "Das zeigt, dass hier eine theatralische Inszenierung vor sich geht."

Erster Akt: Der glamouröse Held

Bundeskanzler Gerhard Schröder (l) winkt am Freitag (01.07.2005) in Berlin beim Verlassen des Plenarsaals Bundesfinanzminister Hans Eichel (r) und Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement zu.

Gerhard Schröder, der Entdecker des Polit-Glamour - und listig wie Wotan, wenn man an die Vertrauensfrage denkt, sagen Experten

Diese Bildkraft greift auf einen deutschen Archetypus zurück: auf Wotan aus Richard Wagners Oper "Ring des Niebelungen" - den machtlosen Gottvater, der sich fremder Hilfe und List bedient, um sein Werk zu vollenden. Doch es gelingt ihm nicht. In Richard Wagners Oper singt er: "Zusammen breche, was ich gebaut! Auf geb' ich mein Werk; eines nur will ich noch: das Ende - das Ende!" Das klingt ein bisschen wie Schröder und die Vertrauensfrage.

Auch der Berliner Kommunikationsforscher und Trendanalytiker Norbert Bolz stellt fest, die ästhetische Seite der Politik habe sich vor das politische Geschäft geschoben: "Selbstdarstellung der Politik, Einzug des Glamour, selbstbewusstes Auftreten, all das ist neu. Die gesamte ästhetische Dimension ist durch die rot-grüne Regierung erst entdeckt worden."

CDU-Anhaenger und -Delegierte halten Schilder waehrend der Eroeffnung des CDU-Wahlparteitags in der Westfalenhalle in Dortmund, Sonntag, 28. August 2005, hoch

'Angie' in Orange: Wahlkampf ist fast nicht mehr Oper, sondern Pop

Es geht aber um mehr als nur Inszenierung, handgenähte Anzüge und Show. Das Politische hat Züge des Opernhaften, des Dramatischen, des Theatralischen angenommen, die über orangene Wahlkampfarenen hinausgehen. Dabei drängt sich der Eindruck auf, es sei eher ein Pop-Ereignis, mit Stadion und Luftballons. Roland Kaiser singt für Schröder und Rolling-Stones-Musik erklingt für Kanzlerkandidaten Angela "Angie" Merkel.

Was passiert im zweiten und dritten Akt der politischen Oper? Lesen Sie mehr auf der nächsten Seite.

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