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Wirtschaft

Schröder erhält Posten in neuer Pipeline-Gesellschaft

So könnte Dankbarkeit von Wirtschaftsbossen gegenüber verdienten Politikern aussehen: Ex-Kanzler Schröder - ein großer Fürsprecher der neuen Gaspipeline in der Ostsee - wird Aufsichtsratschef der Pipeline-Gesellschaft.

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Für eine bessere Versorgung

Die Abhängigkeit steigt: Mit dem Bau der mehr als vier Milliarden Euro teuren Ostsee-Gaspipeline soll die Hälfte deutscher Gasimporte künftig vom weltgrößten russischen Gaslieferanten Gasprom kommen. Beim Baustart der Pipeline am Freitag (9.12.2005) in der Nähe der nordrussischen Stadt Tscherepowez betonten Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) und die beteiligten Energiekonzerne E.ON und BASF jedoch vor allem die Versorgungssicherheit, die die Leitung Deutschland und Europa angesichts eines weltweit steigenden Energiebedarfs bieten soll. Da Gasprom über das Projekt stärker an der Gasvermarktung in Europa teilhaben kann, wäre ein mögliches Zudrehen des Gashahns gegen Interessen des Konzerns.

Gschmäckle?

Wladimir Putin besucht Gerhard Schröder

Schröder (r.) begrüßt Putin am 8. September 2005 im Bundeskanzleramt. Im Mittelpunkt des Treffens stand die Unterzeichnung einer Vereinbarung über den Bau der Erdgas-Pipeline durch die Ostsee.

Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) soll Aufsichtsratschef der deutsch-russischen Gesellschaft für Entwicklung und Bau der Ostsee-Pipeline werden. Das kündigte der Gasprom-Chef in Babajewo an. An der North European Gas Pipeline (NEGP) ist Gasprom mit 51 Prozent beteiligt, E.ON und BASF mit jeweils 24,5 Prozent. Die 1200 Kilometer lange Pipeline durch die Ostsee soll erstmals 2010 russisches Gas nach Deutschland pumpen. In russischen Energiewirtschaftskreisen hieß es, Russlands Präsident Wladimir Putin habe sich für die Berufung Schröders eingesetzt. Er wolle damit dessen Leistung für die deutsch-russische Energiepartnerschaft würdigen. Ohne den früheren Bundeskanzler, der nun von seinem einstigen politischen Einfluss zu profitieren scheint, würde es das Pipeline-Projekt heute vermutlich nicht geben.

Polen verärgert

Technisch und finanziell schien das Vorhaben lange schwierig und in Polen und der Ukraine bleibt es höchst umstritten: Über 1200 Kilometer soll die Röhrenleitung auf dem Grund der Ostsee von der russischen Hafenstadt Wyborg bei St. Petersburg Richtung Greifswald führen. Die Leitung ist nach Expertenschätzung etwa 2,4 Milliarden Euro teurer als eine Überlandverbindung. Dafür umgeht sie aber die Transitländer Polen, Weißrussland und die Ukraine, die über Gebühren von den beiden bestehenden Überlandleitungen profitieren. Und die Ukraine hat über eine mögliche Blockade der Durchleitung nach Europa auch ein Druckmittel gegen Russland im weiter andauernden Streit um den Preis eigener Gasbezüge in der Hand.

Partnerschaft mit Tradition

In der Vergangenheit erwies sich Russland bei den milliardenschweren Engagements von E.ON-Ruhrgas sowie der BASF-Tochter Wintershall als verlässlicher Partner. Vor 35 Jahren besiegelte die damalige Ruhrgas das so genannte Erdgas-Röhren-Geschäft, das die Weichen für den Gas-Export nach Deutschland stellte. Die Kasseler Wintershall arbeitet seit 15 Jahren mit Gasprom zusammen und ist seit 2004 als erstes deutsches Unternehmen bei der Förderung von Erdgas in Russland aktiv. Von einer einseitigen Abhängigkeit wollen die Unternehmen nicht sprechen. Den neuen Großinvestitionen stünden langfristige Lieferverträge gegenüber. Deutschland brauche das Gas ebenso wie Russland die Deviseneinnahmen.

Immense Bedeutung

Für die beiden deutschen Energiekonzerne sind die wirtschaftliche Bedeutung der Ostsee-Pipeline und ihr Einfluss auf künftige Marktanteile im Gasgeschäft immens. Die alleinige Lösung im Wettlauf um Energie wird sie Europa aber wohl nicht bieten. E.ON-Chef Wulf Bernotat warnte unlängst vor einer weltweit drohenden Energieknappheit, auf die Deutschland nur unzureichend vorbereitet sei. Bernotat kündigte Investitionen in den Import von Flüssiggas aus Iran und Katar an. Deutschland mache sich somit sowohl vom guten Willen Moskaus als auch Teherans abhängig, kritisierten die Grünen. Eine wachsende Energieabhängigkeit von der islamischen Welt sagt die Internationale Energieagentur (IEA) voraus. (mas)

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