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Politik

Schockwellen in Pakistan

Afghanischer Konsul entführt, British Airways-Flüge eingestellt, US-Hubschrauber angegriffen: Pakistan kommt nach dem Anschlag nicht zur Ruhe - bei dem um ein Haar auch die pakistanische Staatsspitze getötet worden wäre.

Sarg mit Fahrer des entführten Konsuls (Quelle: AP)

Bei der Entführung des Konsuls wurde sein Fahrer getötet

Zerstörte Hausfront (Quelle: AP)

Das zerstörte Hotel unmittelbar nach dem Anschlag

Die gesamte pakistanische Staatsspitze um den neuen Präsidenten Asif Ali Zardari ist dem Anschlag auf das Marriott-Hotel in Islamabad nur durch eine kurzfristige Terminänderung entgangen. Ursprünglich sollten der Staatschef, die Regierung und Armeevertreter am Samstag im Marriott zu Abend essen, wie Innenminister Rehman Malik am Montag (22.09.2008) mitteilte. Erst in letzter Minute sei das Essen in die Residenz von Regierungschef Yousaf Raza Gillani verlegt worden.

Durch die kurzfristige Planungsänderung sei "die gesamte Führung gerettet worden", sagte Malik. Er erläuterte nicht, ob die Hintermänner des Anschlags von den Planungen für das Essen im Marriott wissen konnten und warum die Änderung erfolgte. Die Sicherheitskräfte versuchten zu ergründen, wie der schwere Sprengsatz zu dem Hotel gelangen konnte, obwohl es in Islamabad zahlreiche Kontrollpunkte an den Straßen gibt.

60 Tote und eine Bekenner-SMS

Porträtfoto Ivo Zdarek (Quelle: AP)

Der tschechische Botschafter Ivo Zdarek starb ebenfalls bei dem Bombenanschlag

Bei dem Anschlag kam unter tragischen Umständen auch der tschechische Botschafter Ivo Zdarek ums Leben, der nach einem Prager Pressebericht zusammen mit seiner vietnamesischen Freundin versucht hatte, Verletzte aus den Trümmern zu retten. Durch die Explosion der 600-Kilogramm-Bombe wurden 60 Menschen getötet und mehr als 260 verletzt.

Eine bislang nicht in Erscheinung getretene radikal-islamische Gruppe bekannte sich am Montag zu dem Autobombenanschlag. In einer an Journalisten versandten SMS übernahmen die "Fedajin-e-Islam" die Verantwortung für das Attentat. Man habe ausländische Soldaten sowie Vertreter der US-Regierung und der NATO angegriffen, die in dem Hotel untergebracht gewesen seien, heißt es in der Kurznachricht. Laut Medienberichten soll die Gruppe Verbindungen zur Bewegung Tehrik-e-Taliban haben, die als Dachorganisation der militanten Islamisten in Pakistan gilt.

Afghanischer Konsul entführt

Der afghanische Generalkonsul in Pakistans unruhiger Nordwest-Grenzprovinz, Abdul Khaleq Farahi, ist am Montag von Unbekannten in der Stadt Peshawar entführt worden. Wie die Polizei mitteilte, wurde das Fahrzeug Farahis in der Hauptstadt der Provinz von Bewaffneten angegriffen.

Das afghanische Konsulat in Peshawar bestätigte die Entführung Farahis. Der Fahrer des Generalkonsuls sei bei der Schießerei getötet worden. Bislang bekannte sich niemand zu der Tat. In den nächsten Tagen sollte Farahi nach Medienberichten das derzeit nicht besetzte Amt des afghanischen Botschafters in Islamabad übernehmen. Erst im Februar dieses Jahres hatten Kämpfer der Taliban im pakistanisch-afghanischen Grenzgebiet den pakistanischen Botschafter in Afghanistan, Tariq Azizuddin, sowie zwei Begleiter entführt. Die Männer waren nach mehr als drei Monaten wieder freigekommen.

Angriff auf US-Hubschrauber

Pakistanische Sicherheitskräfte griffen am Sonntag im pakistanischen Grenzgebiet zu Afghanistan zwei US-Hubschrauber an. Wie ein örtlicher Behördenvertreter am Montag mitteilte, wurde der Angriff ausgeführt, weil die US-Helikopter den pakistanischen Luftraum verletzt hätten.

Pakistanische Streitkräfte hätten daher auf die Hubschrauber geschossen und sie damit gezwungen, Richtung Afghanistan abzudrehen. Der Vorfall ereignete sich den Angaben zufolge in der Nähe des Dorfes Lwara Mundi im Bezirk Nord-Waziristan, wo pakistanische Streitkräfte gegen aufständische Taliban- und El-Kaida-Anhänger vorgehen.

British Airways streicht alle Pakistan-Flüge

"Wir haben wegen des Selbstmordanschlags vom Samstag alle Flüge nach Pakistan ausgesetzt", sagte ein BA-Sprecher in Islamabad. Der vorerst letzte British-Airways-Flug von London nach Islamabad sei am Sonntag gestartet. Die Hauptstadt ist das einzige Ziel, das die Airline in Pakistan anfliegt. Wann die Flüge wieder aufgenommen werden, könne er nicht sagen, fügte der Sprecher hinzu. Das werde am Hauptsitz der Fluglinie in London entschieden. (kas)

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