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Afrika

Schocktherapie für Nigerias Banken

Einer der korruptesten Staaten der Welt arbeitet an einem neuen Image. Nigeria geht nach der Finanzkrise gegen zweifelhafte Bankenchefs vor. Auch einflussreiche Magnate sollen nicht verschont werden.

Skyline von Lagos , Nigeria (Bild: Wikipedia)

Blick auf das Banken- und Geschäftsviertel von Lagos

Bis vor kurzem war der Finanzplatz Nigeria noch so etwas wie das Las Vegas von Afrika. Es wurde gezockt, was die Aktien hergaben. "Margin Loans" waren der Renner bei den Banken – Kredite, mit denen die Kreditnehmer bankeigene Aktien kaufen sollten. Die Kurse der Bankaktien wurden künstlich in die Höhe getrieben. Doch dann klopfte die weltweite Finanzkrise auch in Nigeria an die Tür: Die Börsenblase platze, die Banken standen vor dem Ruin.

Faule Geschäfte mit der Oligarchie

Die Bankenkrise traf Nigeria besonders deshalb, weil die Wirtschaft so stark vom Erdöl abhängt. Denn in den fetten Jahren mit hohem Ölpreis bekam jeder, der irgendwie mit Öl zu tun hatte, einen Kredit förmlich aufgedrängt. Das rächte sich, denn heute bleiben die Banken auf den faulen Krediten sitzen. Noch schlimmer: In ihren Chefetagen schlossen Banker faule Exklusivgeschäfte mit Nigerias Oligarchen ab – im Wert von über fünf Milliarden Euro. Das Motto: "Du gibst mir ein sattes Honorar, ich gebe Dir einen fetten Kredit. Ob der faul ist oder nicht, spielt keine Rolle. Ist ja nicht unser Geld, das wir verspielen."

Kampf gegen den Abenteuerspielplatz Finanzmarkt

Gebäude der Zentralbank in Lagos (Foto: Wikipedia)

Nigerias Zentralbank rettete die Banken mit rund zwei Milliarden Euro

Lamido Sanusi, der neue Mann an der Spitze der Zentralbank, räumt nun kräftig auf im maroden und korrupten Bankensumpf. Seine Amtszeit hat er mit einem Paukenschlag begonnen. Die Vorstände von fünf Banken mussten gehen, ein paar von ihnen sitzen bereits in U-Haft. Um den Weiterbetrieb der Banken zu garantieren, schoss die Zentralbank rund zwei Milliarden Euro zu. Offenbar will Nigerias Regierung nicht länger zuschauen, wie der Finanzmarkt zum Abenteuerspielplatz verkommt. Präsident Umaru Yar’Adua setzt auf eine Schocktherapie, wie es sie in Afrika noch nicht gegeben hat. Und schaltet auch noch die EFCC ein, die Kommission für Finanz- und Wirtschaftskriminalität. Die Behörde der eifrigen Kommissarin Farida Waziri treibt Schulden ein. Dabei gibt es auch kein Pardon für die einflussreichsten Magnate des Landes. Sie stehen zwar auf der Forbes Liste der Reichsten der Reichen, mit ihren Kreditzahlungen sindsie aber im Verzug.

Optimistisch in die Zukunft

Nigerias Präsident Umaru Musa Yar'Adua (Foto: AP)

Präsident Umaru Yar'Adua setzt auf eine Schocktherapie für die Banken

Schon macht sich Aufbruchstimmung breit in Nigerias Bankensektor. "Jetzt werden wir nachhaltiges, echtes Wachstum sehen. Wohl etwas langsamer, aber dafür stetig und solide", sagt der Finanzberater Joel Iyamu. Die Aktionen sollen nicht nur für Nigerianer ein besseres Geschäftsklima schaffen, sagt EFCC-Sprecher Femi Babafemi: "Nigerias Regierung will alles tun damit das Ausland wieder Vertrauen fassen kann, damit jeder weiß, dass es sicher ist, hier zu investieren." Die deutschen Investoren glauben deshalb auch weiter an Nigeria. Nico Marfels, Delgierter des Deutschen Industrie- und Handelskammertages in Lagos, sagt, Nigeria bleibe für deutsche Unternehmen weiter ein großer Markt. "Sie schauen nach wie vor auf neue Absatzmärkte, und Nigeria ist definitiv einer davon."

Autor: Alexander Göbel

Redaktion: Katrin Ogunsade