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Wirtschaft

Schock gut weggesteckt – Die wirtschaftlichen Folgen von 9/11

Die wirtschaftlichen Schäden, die der Terroranschlag vom 11. September 2001 angerichtet hat, werden sich wohl nie genau quantifizieren lassen. Insgesamt ist der Schaden aber geringer als anfänglich befürchtet wurde.

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Börseneinbruch - in Frankfurt fiel der DAX am 11. September 2001 um über 300 Punkte

Viele Menschen können sich auch nach fünf Jahren noch genau erinnern, was sie gerade gemacht haben, als sie das erste Mal die Nachricht vom Angriff auf das World Trade Center in New York hörten: "Ich war hier im Büro, genau in diesem Raum, kam aus einer Sitzung wieder und dann hatten wir im Sekretariat die Bilder vom brennenden World Trade Center in New York und waren fassungslos", sagt Rolf Kroker vom arbeitgebernahen Institut der deutschen Wirtschaft in Köln (IW). "Eine Viertelstunde später kamen dann auch schon die ersten Anrufe von Journalisten, die eine Einschätzung haben wollten, was das nun bedeutet. Das haben wir zu dem Zeitpunkt allerdings noch nicht beantworten können."

Beantworten kann die Frage nach den wirtschaftlichen Folgen des 11. September auch heute keiner. Gab es überhaupt Versuche, die Schäden zu quantifizieren? "Wir haben das nicht gemacht. Ich denke es ist auch ausgesprochen schwierig, das zu tun, weil sehr sehr viele Aspekte zu berücksichtigen sind", sagt Rolf Kroker.

Die Börsen reagierten am schnellsten

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Wohl aber kann man versuchen, die Ereignisse nach jenem schwarzen Dienstag nachzuzeichnen. Am schnellsten reagierten natürlich die Börsen. An der New Yorker Wall Street wurde der Handel sofort ausgesetzt, die Börse blieb fünf Tage geschlossen, es war die längste Handelsunterbrechung seit dem 1. Weltkrieg. Die Deutschen Aktien waren am Dienstagabend rund zehn Prozent weniger wert als am Morgen, in Tokio sank der Nikkei-Index auf den tiefsten Stand seit 1984.

Doch die Märkte erholten sich schon bald von ihren größten Verlusten. Denn die globalen Finanzinstitutionen hatten schnell reagiert. In einer abgestimmten Aktion führten die Europäische Zentralbank, die amerikanische Notenbank Fed, die Bank of Japan und die Schweizer Nationalbank den Geldmärkten zusätzliche Liquidität zu, um Engpässe erst gar nicht entstehen zu lassen und den US-Dollar zu stützen.

Einbruch in der Luftfahrt- und Touristikbranche

Gestützt wurde auch die amerikanische Luftfahrtindustrie - mit 15 Milliarden Dollar aus Washington. Die europäischen Finanzminister beschlossen, Europas Fluggesellschaften mit indirekten Beihilfen zu unterstützen. Dennoch kam es diesseits und jenseits des Atlantiks in der Luftfahrtbranche zu Insolvenzen und massivem Stellenabbau.

Auch die Touristikbranche und die Versicherungswirtschaft klagten in der Folge des 11. September über Buchungsrückgänge und Löcher in den Bilanzen. So schätzten die Versicherer die Schäden der Terroranschläge von New York auf elf bis 42 Milliarden Euro.

Der 11. September als willkommene Ausrede

Im Folgejahr gab es weltweit praktisch keine Unternehmensbilanz, in der das Datum "11. September" nicht vorkam. Doch oft war das nur eine Ausrede, denn viele Volkswirtschaften befanden sich schon vor dem 11. September im Sinkflug. "Wenn wir das mal auf die Bundesrepublik Deutschland beziehen, waren wir da sozusagen schon in der Stagnationsphase. Das hatte denke ich herzlich wenig mit dem 11. September zu tun", sagt Rolf Kroker vom IW. "Seit vielen Jahren ist Deutschland Schlusslicht im Konjunkturzug und Wachstumszug Europas, aber das hat eher damit zu tun, dass wir unsere wirtschaftspolitischen Hausaufgaben nicht gemacht haben."

Andere Staaten haben diesen externen Schock sehr viel schneller weggesteckt, namentlich das Terroropfer selbst: die USA. Unter anderem dank massiver Staatsausgaben und Steuersenkungen, die den zuvor ausgeglichenen Staatshaushalt zu neuen Schuldenrekorden führten, gewann die Konjunkturlokomotive USA bald wieder an Fahrt, und das Schreckgespenst einer weltweiten Rezession verflog zusehends.

Kurze Zeit der Friedensdividende

Dennoch ist auch die Welt der Wirtschaft nach dem 11. September nicht mehr die gleiche wie vorher. "Ich kann mich noch gut erinnern, dass wir seit 1989, als die Sowjetunion auseinander brach und der Kalte Krieg zu Ende war, alle von einer Friedensdividende gesprochen haben. Wir dachten, dass wir jetzt weniger für die äußere Sicherheit investieren müssten, dass Gelder frei werden für andere Verwendungen", sagt Rolf Kroker vom Institut der deutschen Wirtschaft. "Das war auch so, doch nach dem 11. September flossen diese Gelder wieder in andere Verwendungen, nicht unbedingt in die militärische Aufrüstung, aber doch in eine verstärkte Sicherheitsarchitektur. Diese Friedensdividende ist so gesehen wieder weg und landet in anderen Töpfen."

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