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Kultur

Schnurlos in Afrika

Afrika entdeckt das Internet und den Mobilfunk. Inzwischen sind alle großen Städte online, immer mehr Handys ersetzen das veraltete Festnetz. Doch noch gibt es viel aufzuholen – vor allem in ländlichen Regionen.

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Auch Internetcafés wachsen aus dem Boden

In den letzten fünf Jahren hat Afrika eine regelrechte Explosion der Mobilfunknutzung erlebt. In diesem Zeitraum haben mehr Afrikaner Handys aktiviert als jemals über das Festnetz telefoniert haben. Nach einer Studie der Vereinten Nationen ist in Afrika in den letzten anderthalb Jahren auch die Zahl der privaten Internetnutzer um 20 Prozent gestiegen. "Für uns sind die neuen Kommunikationstechnologien sehr, sehr wichtig. Sie haben nicht nur für die Demokratisierung eine große Bedeutung, sondern für den Entwicklungsprozess ganz allgemein", erklärt Larry Attipoe, IT-Experte aus Ghana und Organisator des African Telecommuniton Summit 2002.

Das Netz reicht selten bis aufs Land

Doch ganz so rosig sieht die Realität auch noch nicht aus. Afrika hat nämlich insgesamt gerade mal so viele Internetanschlüsse wie der baltische Mini-Staat Lettland. Während sich jeder dritte Einwohner Nordamerikas oder Europas täglich durch die Webseiten klickt, surft von 1500 Afrikanern nur einer im Internet. Einer von 35 Afrikanern besitzt nach Schätzungen der UNO ein Handy, nur einer von 130 einen Computer.

Immerhin gebe es Fortschritte, betont Larry Attipoe - zumindest beim Telefonieren. "Vor zehn Jahren konnte es noch eine ganze Woche dauern, um von Ghana aus nach Deutschland zu telefonieren", berichtet er. "Jetzt kann ich in Accra einfach eine Telefonkarte kaufen und zum nächsten Kartentelefon gehen."

Monopol ade

Computer und Modem dagegen sind nicht nur wegen der hohen Einfuhrzölle für die meisten Afrikaner Luxus. Von den geschätzten 7,5 Millionen Computern in Afrika stehen zudem über drei Millionen allein in Südafrika. Gerade die ländlichen Regionen des Kontinents sind von der modernen Telekommunikation abgeschnitten - zu hohe Preise, zu wenige Netze. Und die schwache Infrastruktur hält auch die potenziellen privaten Anbieter fern.

Um das zu ändern, gründete Ende der 1990er Jahre die afrikanische International Telecommunications Union (ATU) zusammen mit der amerikanischen AT&T die halbprivate "Africa One". 32.000 Kilometer Unterseekabel sollte Africa One rund um den Kontinent vor den Küsten verlegen. Auch wenn AT&T mittlerweile ausgestiegen ist, soll bald eine möglichst große Netzabdeckung auch abseits der Hauptstädte gesichert sein. Dann sollen Anteile an dem Netz an afrikanische Betreiber verkauft werden.

Wissen bringt Wandel

Larry Attipoe findet es wichtig, dass Afrika sich von den staatlichen Monopolbetrieben in der Telekom-Branche verabschiedet. So hat die ATU mittlerweile neue Projekte - meist Public-Private Partnerships - in Nigeria, Südafrika, Lesotho, Kamerun, Mosambik, Sierra Leone und Benin ins Leben gerufen. Beim Ausbau afrikanischer Märkte spielt auch der deutsche Siemens-Konzern eine Rolle – er liefert liefert z.B. Telefonvermittlungstechnik nach Mosambik. Dort werden Standorte so ausgerüstet, dass sich die Kapazität des Telefonnetzes um rund 50 Prozent erhöht.

Möglichst viele Kinder und Jugendliche in Afrika sollen das Internet nutzen – und dann ihre Zukunft selber in die Hand nehmen, wünscht sich Attipoe. "Mit ihrem Wissen und ihrer Entscheidungskraft werden sie ihre politischen Führer so unter Druck setzen können, dass die Machtverhältnisse sich zum Besseren verändern werden."

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