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Sprachbar

Schnupfen

Das kennen wir doch alle: Schnupfen. Und gerade rollt sie wieder, die Erkältungs- und Grippewelle, die unsere Nase, scherzhaft auch Riechwurzel genannt, arg strapaziert. Anlass genug für unser heutiges Stichwort.

Wenn wir das Stichwort der Woche mit einer im Wörterbuch als lautmalende indogermanische Wurzel bezeichneten Silbe beginnen, so hat das seinen guten Grund. Sie lautet ‚sneu’. Sprechen Sie, liebe Hörerinnen und Hörer, ruhig einmal mit, wenn wir sie jetzt wiederholen: ‚Sneu.’ Jetzt müssen wir nur noch ein ‚zen’ anfügen und schon haben wir das Wort ‚sneuzen’.

Schniefen und schneuzen

Wer sich mit der deutschen Sprache auskennt, wird nun anmerken, dass es eigentlich ‚schneuzen’ heißt. Das stimmt. Heute. Schneuzen bedeutet, sich die Nase putzen. Müssen wir uns verdächtig oft die Nase putzen und dazu noch niesen, so liegt der Verdacht nahe, dass wir das haben, was gemeinhin Schnupfen heißt. Auch der geht rein sprachlich gesehen auf die Silbe ‚sneu’ zurück.

All dies ist einem natürlich ziemlich egal, wenn die Nase läuft, der Blick sich in die Ferne richtet und es einen wieder überkommt; das Kribbeln und Kitzeln vor dem Niesen. Zwar lautet das Stichwort dieser Woche ‚Schnupfen’, aber es könnte auch ‚Niesen’ heißen, denn beides gehört zusammen wie die beiden Ruhrgebietsstädte Castrop und Rauxel. Beim Niesen sind wir unserem Körper völlig ausgeliefert. Machtlos erleben wir, wie es sich andeutet und zielstrebig jenem explosionsartigen Höhepunkt zutreibt, der in einem Sekundenbruchteil Millionen von Tröpfchen ins Freie befördert, die den Schnupfen verbreiten helfen.

Kribbeln und Kitzeln

Auch wenn es noch gelingen sollte, ein Taschentuch vor unser Riechorgan zu halten – es nützt nichts. Oder nur ganz wenig. Schnupfen ist leider eine sehr unangenehme Angelegenheit. Wer ihn hat, leidet. Schnupfen ist eine Entzündung der Nasenschleimhaut, das Atmen durch die Nase ist erschwert, man/frau klingt verschnupft im wahrsten Sinne des Wortes - wobei ‚Verschnupft sein’ auch bedeutet, ‚Eingeschnappt sein’ oder dass man auf jemanden nicht gut zu sprechen ist, weil da irgend etwas Unerfreuliches war. Was da war kommt meistens nicht so recht zur Sprache. Schließlich ist man verschnupft.

Nun ist es leider so, dass der Schnupfen für unablässige Flüssigkeitsproduktion und vor allem Absonderung derselben sorgt. Da schnupfengeplagte Menschen nicht wegen jeden Tropfens Nasenwasser ein Tempo aus der Tasche ziehen wollen, Tempo ist das Wort schlechthin für Papiertaschentuch, ziehen sie die Nase einfach hoch. Sie ‚schnupfen’. Auch dies geschieht durchaus lautmalerisch und ist, wenn es andauernd stattfindet, für die Mitmenschen ziemlich nervtötend.

Durch die Nase

Dass auch Schnupftabak, deshalb heißt er ja auch so, geschnupft, und Drogen wie Kokain ebenfalls durch die Nase aufgenommen werden können, sei nur am Rande erwähnt. Mit unserem Schnupfen, der Rhinitis, wie er in der medizinischen Fachsprache heißt, hat dieses Schnupfen nichts zu tun.

Niesen wir noch einmal. Wir kommen vom Lautmalen nicht weg. Selten hat ein Wort, im Sinne eines ‚Bezeichnenden’ so eindeutige Zuordnung zu seinem ‚Bezeichneten’ gefunden, wie ‚Hatschi’ zu ‚Niesen’. Früher durfte man aufmunternd ‚Gesundheit’ wünschen, wenn jemand geniest hat, heute gilt dies als politisch unkorrekt, weil das Niesen eine intime Angelegenheit ist, die niemanden etwas angeht. Da kann man nichts machen. Allerdings müssen wir in Kauf nehmen, dass wir Intimität hin oder her, angesteckt werden. Durch Tröpfcheninfektion nämlich. Diese findet vorzugsweise in überfüllten Nahverkehrsmitteln statt, wenn so richtig schönes Schmuddelwetter herrscht.

Schrimm hat Grimm

Aber der Schnupfen kann uns an jedem Ort auflauern, niemand ist vor ihm sicher. Ein Opfer war zum Beispiel im Jahre 1908 Paul Schrimm. Der Dichter Christian Morgenstern hat, schlau wie er war, diesen Namen aus mindestens zwei Gründen gewählt. Erstens ist Paul Schrimm ein Allerweltsname, womit feinsinnig darauf hingewiesen wird, dass der Schnupfen jeden treffen kann und zweitens reimt sich Schrimm auf ‚Grimm’. Und damit lassen wir das Schlusswort dem Dichter:

"Ein Schnupfen hockt auf der Terrasse,
auf dass er sich ein Opfer fasse
- und stürzt alsbald mit großem Grimm
auf einen Menschen namens Schrimm.
Paul Schrimm erwidert prompt: ‚Pitschü!’
und hat ihn drauf bis Montag früh."


Fragen zum Text

Wenn man sich schneuzt, dann...
1. zieht man die Nase hoch.
2. putz man sich die Nase.
3. benutzt man Nasentropfen.

Jemand der Schnupfen hat,...
1. lacht sehr viel.
2. niest häufig.
3. hustet ständig.

Was ist ein Tempo?
1. ein Verkehrsschild
2. eine Nasenkrankheit
3. ein Papiertaschentuch


Arbeitsauftrag
Ein Besuch beim Arzt – Stellen Sie sich vor, Sie haben Schnupfen und müssen in Deutschland einen Arzt aufsuchen. Spielen Sie zu zweit eine Szene in einer Arztpraxis nach. Überlegen Sie sich vorher was der Arzt und was der Patient sagen sollte.

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