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Sprachbar

Schnitte und Einschnitte

Große Ereignisse bilden oft einen Einschnitt in den Alltag. Bei der Ernte nahm der Bauer früher einen Schnitt vor. Wo sich Schnitte und Einschnitte im Sprachgebrauch noch verbergen, soll dieses Stichwort verraten.

Wie oft hören wir im Jahr von weiteren Einschnitten? Meist nehmen Politiker das Wort in den Mund, wenn es darum geht, weiter zu sparen. Einschnitte können aber auch bestimmte Ereignisse sein, die sich für immer im Gedächtnis festsetzen. Wie die Landung auf dem Mond oder wie die Terroranschläge vom 11. September 2001 in den USA. Sie bedeuteten tiefe Einschnitte im Weltgeschehen. Schnitte und Einschnitte bedeuten immer Veränderungen. Sie können unbedeutend und harmlos, aber auch schwerwiegend, ja katastrophal sein.

Sensenschnitt

Vor dem Schnitt war das Schneiden. Vor dem Ergebnis die Tat. Oder anders formuliert: Das Substantiv Schnitt stammt vom Verb schneiden, das Hauptwort Einschnitt vom Tätigkeitswort einschneiden ab. Schneiden kann bedeuten, dass ein Teil eines Ganzen von diesem völlig abgetrennt wird. Das ist abschneiden. Nehmen wir ein Bündel Schnittlauch. Die Halme werden von der Wurzel abgetrennt, abgeschnitten. Für einen Salat sind sie zu lang; deshalb empfiehlt es sich, sie kleinzuschneiden.

Während der Erntezeit in der Landwirtschaft wird viel geschnitten. Lange Zeit galt Schnitt deshalb als gleichbedeutend mit Ernte: der Schnitt des Getreides, des Grases. Was heute von Maschinen erledigt wird, besorgte früher der Bauer oder sein Knecht. Der Schnitter ging mit der Sense übers Feld, über die Wiese.

Der Sensenmann

Der Schnitt mit der Sense ist einmaliges, endgültiges Schneiden, das durch eine Bewegung ausgeführt wird. Dieses Bild wurde auf den Tod übertragen. Auf einer Unzahl von Darstellungen ist er zu sehen: der Sensenmann, der das Leben wegnimmt, das Leben abschneidet und – im übertragenen Sinn – seine Ernte einfährt.

Essen mit Sicherheit

Mit Ernte hat, wenn auch nicht in so gruseligem Sinn, der Ausdruck einen guten Schnitt bei etwas machen zu tun. Er bedeutet, dass jemand ordentlich Gewinn bei einem Geschäft erzielt, sich ein gutes, wenn nicht das beste Stück vom Braten herausgeschnitten hat. Letzteres, das beste Bratenstück, heißt ganz wörtlich genommen in ländlichen Gegenden heute noch Pfaffenschnitt.

Der kalte Braten kann, wenn er serviert werden soll, aufgeschnitten werden. Ein Aufschnitt besteht allerdings aus mehreren unterschiedlichen Wurstsorten. Diese werden mit einer Aufschnittmaschine in feine, dünne Scheiben geschnitten. Diese sorgt für gleichmäßigen Schnitt und schützt vor Verletzungen. Wer nicht aufpasst und abrutscht, kann sich dennoch ins eigene Fleisch schneiden. Wer sich im übertragenen Sinn ins eigene Fleisch schneidet, der fügt sich selber Schaden zu, weil er unvorsichtig war, etwas nicht bedacht hat und die Konsequenzen dann tragen muss.

Schmerzlicher Einschnitt

Schnitte und Einschnitte können weh tun. Oft gehören Schmerz und das Schneiden unmittelbar zusammen. Die Sprache fügt sie ohnehin eng aneinander. Wir kennen nicht nur den bohrenden, stechenden, dumpfen Schmerz – es gibt auch den schneidenden Schmerz, der sich tief in die Seele gräbt. So ist der Tod eines geliebten Menschen ein tiefer Einschnitt im Leben der Hinterbliebenen, eine Wunde, die nur schwer verheilen will, wenn überhaupt.

Nah beisammen, weit entfernt

Dagegen ist das, was im wirtschaftlich-sozialen Bereich an Einschnitten, sprich Kürzungen ins Haus steht, eine Bagatelle. Zugegeben: beides lässt sich nur schwer miteinander vergleichen. Aber so ist das mit den Bedeutungen der Wörter. Sie liegen nah beieinander und sind doch auch weit voneinander entfernt.

Fragen zum Text

Ein Einschnitt bedeutet …

1. einen Stillstand.

2. eine Wiederholung.

3. eine Veränderung.

Bauern, die früher Getreide mit der Hand geschnitten haben, hießen …

1. Schneider.

2. Schnitter.

3. Gärtner.

Wenn sich jemand ins eigene Fleisch schneidet, dann…

1. isst jemand oft Fleisch.

2. fügt jemand sich selbst Schaden zu.

3. macht jemand immer alles ganz genau.

Arbeitsauftrag

Einschnitte in den gewohnten Alltag oder der Beginn eines neuen Lebensabschnittes – jeder Mensch hat Ereignisse erlebt, die für ihn einen Einschnitt im Leben darstellen. An welches Erlebnis erinnern Sie sich, das für sie einen Einschnitt darstellte. Schreiben Sie es als Text auf.

Autor: Michael Utz

Redaktion: Beatrice Warken

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