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Deutschland

Schnelles Urteil gegen Klatten-Erpresser

Der Erpresser von Susanne Klatten ist bereits am ersten Verhandlungstag zu sechs Jahren Haft verurteilt worden. Er gestand, Susanne Klatten und weitere wohlhabende Frauen verführt und dann Millionen erpresst zu haben.

Altana-Mehrheitsaktionärin und Quandt-Erbin Susanne Klatten sitzt in Frankfurt bei der Jahreshauptversammlung des Unternehmens auf dem Podium (Archivfoto vom 03.05.2007). (dpa)

Erpresst: Altana-Mehrheitsaktionärin und Quandt-Erbin Susanne Klatten (2007)

Überraschend Urteil kurz nach Prozessauftakt: Das Landgericht München I sprach Helg S. am Montag (09.03.2009) des gewerbsmäßigen Betrugs, des versuchten gewerbsmäßigen Betrugs und der versuchten gewerbsmäßigen Erpressung schuldig. Die Anklage hatte eine neunjährige Haftstrafe gefordert, die Verteidigung hatte fünf Jahre Haft für angemessen gehalten.

Helg S. hatte gleich zum Prozessauftakt ein Geständnis abgelegt. Die Anklage treffe "im Kern" zu, ließ der 44-Jährige durch seinen Verteidiger erklären. Das Gericht verzichtete deshalb weitgehend auf die Befragung von Zeugen.

Besonders schwerer Betrug

Journalisten warten dicht gedrängt vor dem Verhandlungssaal des Landgerichts (Foto: dpa)

Medienandrang beim Prozess-Auftakt

Insgesamt hat der Angeklagte mit Erpressung und Betrug wohlhabender Frauen 9,4 Millionen Euro ergaunert. Der Schweizer hatte die Frauen jeweils in edlen Wellness-Hotels kennengelernt und Beziehungen begonnen. Im Sommer 2007 soll der 44-jährige Schweizer so auch Susanne Klatten, die reichste Frau Deutschlands, verführt haben. Kurz darauf tischte er ihr laut Anklage die frei erfundene Geschichte auf, er habe ein Kind angefahren und müsse sich mit sieben Millionen Euro freikaufen. Nach dem Ende der Liason mit der BMW-Großaktionärin im Oktober 2007 versuchte der Beschuldigte dann, mit einem heimlich gedrehten Sexvideo 49 Millionen Euro von Klatten zu erpressen. Die Milliardärin zeigte ihn jedoch an. Im Januar 2008 wurde S. in Österreich verhaftet.

Entschuldigung "bei den Damen"

Drei weitere Fälle wurden gemeinsam mit dem der Milliardärin verhandelt. Auch hier hat S. die Geschichte vom verletzten Kind zu Geld gemacht. In zwei Fällen versuchte auch, die Frauen mit intimen Bildern zu erpressen. S. sagte, er bedaure seine Taten "zutiefst". Er entschuldige sich "hier in aller Öffentlichkeit gegenüber den geschädigten Damen".

Staatsanwalt Thomas Steinkraus-Koch hatte trotz des umfassenden Geständnisses neun Jahre Haft für S. gefordert – ein Jahr unter der Höchststrafe. Verteidiger Egon Geis warf der Anklage eine überzogene Strafmaßforderung vor. Er forderte für seinen Mandanten eine Strafe "um die fünf Jahre". Er argumentierte, dass Klattens Erpressung sei nicht so hoch zu bewerten. Es gehe nur um die Veröffentlichung von Sex-Geschichten, sagte Geis. Die entscheidende Frage sei, ob die Dinge, mit denen gedroht werde, dem Opfer nur peinlich seien oder es ruinierten.

Geständnis von "erheblicher Bedeutung"

Der Vorsitzende Richter Gilbert Wolf wertete das Geständnis als von "ganz erheblicher Bedeutung", weil so den geschädigten Frauen die Aussagen erspart blieben. Er schloss allerdings aus, dass der Angeklagte nach zwei Dritteln seiner Strafe frei kommen könnte. Es sei zu vermuten, dass er dann weiterhin Zugriff auf die verschwundene Beute habe.

Das "Forbes Magazin" schätzte Klattens Vermögen Mitte 2008 auf 13,2 Milliarden US-Dollar (etwa 10,4 Milliarden Euro). Nach dem Tod ihres Vaters Herbert Quandt erbte sie im Jahr 1982 zusammen mit ihrer Mutter und ihrem Bruder Stefan sein Vermögen und Anteile an BMW. Sie ist Teilhaberin und Aufsichtsrätin der BMW AG (12,5 Prozent), des Chemiekonzerns Altana (88,3 Prozent) und des Windturbinenherstellers Nordex AG (20 Prozent). (sam)

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