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Aktuell Deutschland

Schnelle Entschädigung für NS-Opfer angemahnt

Die Novemberpogrome von 1938 jähren sich in diesem Jahr zum 75. Mal. Doch noch immer sind nicht alle Opfer der NS-Gewaltherrschaft entschädigt, beklagen jüdische Organisationen.

Zum 75. Jahrestag der sogenannten Reichspogromnacht haben jüdische Gruppen und der Zentralrat der Sinti und Roma gefordert, die noch lebenden Opfer des Nationalsozialismus schnell zu entschädigen. "Die Bundesrepublik Deutschland hat lange genug auf Zeit gespielt", heißt es in einem Appell, der zugleich in der "Frankfurter Rundschau" und der "Berliner Zeitung" veröffentlicht wurde.

NSU-Morde mahnen

"Die NSU-Mordserie und tagtägliche Gewalt in Wort und Tat gegen Juden, Muslime, Homosexuelle, Migranten und Flüchtlinge mahnen: Dieser Staat muss mehr tun, um seiner Verantwortung gerecht zu werden", heißt es in dem Appell weiter. So seien viele Opfer des Nationalsozialismus noch nicht einmal als solche anerkannt, etwa ehemalige sowjetische Kriegsgefangene oder Überlebende der "Euthanasie"-Programme, mit denen Behinderte getötet wurden. Es gelte nun, die "letzte Chance" zu nutzen und die noch lebenden Opfer zu entschädigen.

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Zerstörte Vielfalt: Berlin gedenkt Judenpogrom

Regierungssprecher Steffen Seibert sagte dazu, die Hilfen für Opfer seien über die Jahre hinweg immer wieder aufgestockt worden. Dazu gebe es auch "turnusmäßig Gespräche". Die Bundesregierung sei sich der "enormen Verantwortung" bewusst, die aus den Verbrechen von Nazi-Deutschland resultiere.

Gedenken an Pogrom

Die Reichspogromnacht jährt sich diesen Samstag zum 75. Mal. Am 9. November 1938 hatten die Nazis tausende Synagogen und anderes jüdisches Eigentum zerstört. Tausende Juden wurden gedemütigt, verhaftet und sogar ermordet. Die NS-Machthaber verharmlosten die Gewalttaten als "Reichskristallnacht". Zum 75. Jahrestag wird in Deutschland mit zahlreichen Veranstaltungen an das Pogrom erinnert, die die systematische Vernichtung der europäischen Juden einleitete.

Der Zentralrat der Juden warnte allerdings davor, dass das Gedenken an die Novemberpogrome zu einem leeren Ritual verkommen könne. Er wünsche sich von den Deutschen "ehrliche, emotionale Anteilnahme", sagte der Vorsitzende Dieter Graumann der "Neuen Osnabrücker Zeitung".

Auch US-Präsident Barack Obama erinnerte an die Ereignisse. Die Kristallnacht habe das systematische Massaker an sechs Millionen Juden und Millionen anderer unschuldiger Opfer vorausahnen lassen, sagte Obama in Washington. Er rief dazu auf, den Jahrestag als Anlass zu nehmen, um gegen Antisemitismus und Intoleranz die Stimme zu erheben: "Damit ehren wir das Andenken an die Getöteten und bekräftigen den zeitlosen Ruf: 'Niemals wieder'".

Antisemitismus in Europa

Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) rief dazu auf, aktuellen antisemitischen Tendenzen entgegenzutreten. Vor "antisemitischen, rassistischen und rechtsradikalen Parolen" dürfe nicht zurückgewichen werden, betonte der Ratsvorsitzende Nikolaus Schneider am Rande der Jahrestagung evangelischer Kirchenparlamente in Düsseldorf.

Zwei Drittel der in Europa lebenden Juden sehen einer neuen Umfrage zufolge Antisemitismus als großes Problem an. Die EU-Agentur für Grundrechte (FRA) hat in einer nicht-repräsentativen Online-Umfrage ermittelt, dass sogar 76 Prozent der Befragten finden, dass sich die Situation in den vergangenen fünf Jahren verschlechtert hat.

Jeder fünfte Jude, der in einem EU-Land lebt, hat demnach im vergangenen Jahr einen antijüdischen Vorfall oder gar einen Angriff erlebt. Besonders groß ist das Problem demnach zurzeit in Ungarn und Frankreich, wo 90 beziehungsweise 85 Prozent der dort lebenden Juden angeben antijüdische Tendenzen beklagen. In Deutschland sind es 61 Prozent.

gmf/det/wl (afp, dpa, epd, kna)

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