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Amerika

Schnell rein und wieder raus

Barack Obamas neue Afghanistan-Strategie: Ein Mittelweg, der nicht überzeugt, meint DW-Korrespondentin Christina Bergmann in ihrem Kommentar.

Themenbild Kommentar (Quelle: DW)

Barack Obama ist ein Mann der Kompromisse. Das ist oft eine gute Sache. Manchmal aber ist der Mittelweg die schlechteste Alternative. Wie in Afghanistan. 30.000 zusätzliche Soldaten will der Präsident dort möglichst schnell stationieren und nach nur einem Jahr bereits wieder zurückholen. So will er allen Seiten ein Stück entgegen kommen. Den absoluten Kriegsgegnern, den Kriegsbefürwortern und jenen, die den Kampf gegen El Kaida und die Taliban am liebsten aus der Ferne führen wollen. Dabei wird er es im Zweifelsfall keinem Recht machen.

Den Pazifisten wird die Verlängerung des Krieges um mindestens zwei Jahre bereits zu viel sein. Die Kritiker eines vorher festgelegten Abzugsdatums werden sich nicht dadurch besänftigen lassen, dass noch nicht feststeht, wie schnell der Rückzug vonstatten gehen soll. Und der enge Zeitrahmen, den der Präsident für die Stationierung der 30.000 Soldaten fordert, wird für das ohnehin schon strapazierte Militär eine große logistische Herausforderung.

Offenes Hintertürchen

Christina Bergmann (Foto: DW)

Christina Bergmann

Das eine Jahr, das den Soldaten dann für ihren Einsatz bleibt, ist ein zu knapper Zeitraum, um gleichzeitig El Kaida weiter zu zerschlagen, die afghanische Armee auszubilden und Zivilisten zu schützen. Das ist offensichtlich auch dem Präsidenten klar. Und so hat er sich ein Hintertürchen offen gelassen: Der Abzug, so erklärte er, hänge von den Umständen vor Ort ab. Also ist das Abzugsdatum doch nicht so ernst gemeint?

Außerdem blieb der Präsident in vielen Punkten seiner Rede enttäuschend vage: Eine Million Dollar kostet die Stationierung jedes Soldaten pro Jahr. Kein Wort darüber, wie die Kosten der Truppenverstärkung bezahlt werden sollen. Das Wort von einer Kriegssteuer, wie sie von vielen gefordert wird, nahm der Präsident nicht in den Mund. Das notwendige Machtwort gegenüber der korrupten und ineffektiven afghanischen Regierung blieb ebenfalls aus. Einen Blankoscheck solle es nicht mehr geben, erklärte Obama. Aber das hat er auch schon in seiner Rede im März gesagt, als er die erste Truppenverstärkung anordnete. Dass sich nichts geändert hat, wurde zuletzt durch die manipulierte afghanische Präsidentschaftswahl überdeutlich.

Höflichkeit statt Überzeugung

Bei seiner Rede vor den Kadetten der Militärakademie in West Point wurde klar, wie schwer sich der Friedensnobelpreisträger damit tut, in den Krieg zu ziehen. Zwar hatte Barack Obama bereits während des Präsidentschaftswahlkampfs erklärt, der Kampf gegen El Kaida in Afghanistan seit notwendig, um das amerikanische Volk zu schützen. Jetzt ging er sogar noch weiter und sagte, die Sicherheit der ganzen Welt stehe auf dem Spiel. Aber ein Kriegspräsident, der es ernst meint, tritt anders auf und doziert nicht gleichzeitig ausführlich über amerikanische Werte von Frieden und Freiheit, die man anderen Nationen nicht mit Gewalt aufzwängen wolle.

Die angehenden Offiziere hörten die Vorlesung und klatschten höflich. Überzeugt wirkten sie nicht. Eines immerhin muss man Präsident Obama lassen: Sein Zeitplan bedeutet, dass er noch während seiner ersten Amtszeit über Erfolg und Misserfolg seiner Strategie Rechenschaft ablegen muss. Ein entscheidender Unterschied zu seinem Vorgänger, der ihm die Schwierigkeiten eingebrockt hat, die Barack Obama jetzt zu lösen versucht.

Autorin: Christina Bergmann
Redaktion: Annamaria Sigrist