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Wirtschaft

Schneechaos bremst die Wirtschaft

Der harte Winter stellt deutsche Unternehmen vor Probleme. Blockierte Autobahnen unterbrechen den Lieferstrom - für Autohersteller, Tankstellen und Weihnachtspakete. Nur Produzenten von Streusalz können sich freuen.

Winterlicher Stau auf einer deutschen Autobahn (Foto: dapd)

Stillstand auf der Autobahn bringt manche Probleme

Ohne gestreute Straßen geht gar nichts mehr: Deshalb profitiert der Streusalzproduzent K + S vom Schneechaos. Die Aktien des im DAX notierten Unternehmens stiegen in den vergangenen Tagen deutlich an. Doch für andere Bereiche der Wirtschaft ist der harte Winter ein ernsthaftes Problem. "Die Produktion im deutschen Baugewerbe liegt still. Besonders betroffen sind der Tiefbau, natürlich der Straßenumbau, aber auch der Rohbau", erklärt Heiko Stiepelmann vom Hauptverband der Deutschen Bauindustrie.

Bauindustrie: Kein positiver Umsatz wegen Winterchaos

Tanklaster vor einer Raffinierie (Foto: dpa)

Tanklaster vor einer Raffinerie

Dieser Bereich sei 2010 schon zum zweiten Mal vom Winterchaos betroffen – auch in den ersten drei Monaten des Jahres musste die Bauindustrie gegen den Schnee kämpfen. "Wenn sich das am Jahresende wiederholt, werden wir kaum einen positiven Umsatz schreiben können", sagt Stiepelmann. Aber nicht nur Bauprojekte liegen im Moment lahm. Auch Geschäftsreisen würden wegen der heftigen Schneefälle verschoben. Restaurants und Läden seien für Kunden schwer erreichbar, erklärt Volker Treier, Chefvolkswirt des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK): "Der strenge und frühzeitige Winter dämpft das wirtschaftliche Wachstum zum Jahresende." Schon der vergangene Winter habe einen halben Prozentpunkt Wachstum gekostet.

Ford-Werke in Köln aus der Vogelperspektive (Foto: Ford)

Kurzer Stillstand: Ford-Werke in Köln

DIHK: Wirtschaftsaufschwung nicht gedämpft

Das, was wir jetzt erleben, geht in eine ähnliche Richtung", sagt Volker Treier. "Doch der Wirtschaftsaufschwung ist zu stark, um sich vom harten Winter aufhalten zu lassen." Auch das Ford-Werk in Köln konnte einen wetterbedingten Produktionsausfall schnell überwinden. Die Produktion läuft jetzt wieder normal, doch in der Nacht vom 16. auf den 17. Dezember standen die Bänder still. Man hatte Probleme mit Lieferungen von Heizungen für das Werk in Köln. "Die Heizungen kommen aus einem Werk in Nordfrankreich, aber Frankreich und Belgien hatten die Autobahnen für LKW mit einem Gewicht von über siebeneinhalb Tonnen komplett gesperrt", erläutert Bernd Meier, Pressesprecher des Ford-Werks in Köln.

Probleme bei Sprit-Lieferung

Verkehrsschild im Schnellfall (Foto: AP)

Winterliche Schleudergefahr auch für die Wirtschaft?

Deshalb kamen die LKW mit den nötigen Ladungen erst später an. Auch im Werk von Opel in Bochum sind Autoteile an manchen Stellen knapp geworden, aber die Fahrzeuge konnten planmäßig gebaut werden. Blockierte oder gesperrte Autobahnen sorgten auch dafür, dass viele Tankwagen nicht mehr durchkamen. Deshalb blieben in einigen Regionen Deutschlands Sprit-Lieferungen aus: Der Ölkonzern Esso berichtete von 20 Stationen, die kein Benzin mehr hätten. Auch Konkurrent Shell hat Probleme - aus seinen Raffinerien konnten wegen der glatten Strassen keine Tankwagen losfahren.

Schnee und Eis behindern auch die Paketauslieferungen zum Weihnachtsfest. Die Zustellung von Paketen des Online-Versandhauses Amazon könnte sich um ein bis zwei Tage verzögern, erklärte Amazon-Sprecherin Christine Höger gegenüber DW-WORLD.DE.

Was wird aus den Weihnachtsgeschenken?

Der Logistik-Konzern DHL gibt sich optimistischer: "Wir gehen davon aus, dass wir die Pakete, die wir bis zum 22. Dezember mittags eingeliefert bekommen, noch pünktlich zum Weihnachtsfest ausliefern können", sagt Claus Korfmacher, Pressesprecher von DHL in Bonn. Dennoch: Ob die erhofften Geschenke an Heiligabend unter dem Weihnachtsbaum liegen werden, bleibt in diesem Jahr besonders spannend.

Autorin: Alexandra Scherle
Redaktion: Henrik Böhme

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