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Wissen & Umwelt

Schnecke bekämpft multiresistente Keime

Multiresistente Keime sind eine der größten Herausforderungen für die moderne Medizin. Jetzt hoffen Forscher, sie auf natürlichem Weg bekämpfen zu können. Eine indonesische Schnecke soll ihnen dabei helfen.

Die Nachricht versetzte im Januar ganz Deutschland in Aufruhr: Im Universitätsklinikum Kiel starben zwölf Menschen, alle waren mit dem gleichen multiresistenten Keim infiziert. Kein Antibiotikum konnte etwas gegen das Bakterium ausrichten. Zwar wurde bei neun der Verstorbenen ausgeschlossen, dass der Keim die Todesursache war. Sie starben an ihren schweren Vorerkrankungen. Die anderen drei Patienten tötete aber vermutlich der resistente Keim. Der Fall zeigt: Die Bedrohung durch multiresistente Keime ist Realität. In Kiel, in Deutschland, in Europa.

Der neueste Trend im Kampf gegen die multiresistenten Keime geht zurück zur Natur. Herkömmliche Antibiotika versagen in der Bekämpfung der Erreger, die einfach zu anpassungsfähig sind. Forscher hoffen jetzt auf Tiere und Pflanzen aus dem indonesischen Dschungel und dem angrenzenden Küstengebiet. Das ist der deutschen Regierung viel Geld Wert: Rund sieben Millionen Euro pumpt das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) bis 2018 in das Projekt mit dem sperrigen Namen "Identifikation und Nutzung in Indonesien natürlich vorkommender Substanzen für die Arzneimittelentwicklung".

Nach ein wenig Hokuspokus hört es sich durchaus an, wenn Monika Huber, beim Projektträger VDI/VDE-IT zuständig für die Forschungsinitiative, diese vorstellt: "Die Forscherinnen und Forscher untersuchen Pilze, Meeresnacktschnecken, Pflanzen, Insekten und Bakterien darauf, ob sie Substanzen mit potenziell antiinfektiver Wirkung produzieren - insbesondere solche Organismen, die mit anderen Arten enge Lebensgemeinschaften bilden", sagte Huber der Deutschen Welle.

Indonesien, Tauchgang nach Meeresschnecken

Indonesien weist eine hohe Biodiversität auf. An der Küste tauchen Forscher nach Meeresschnecken

Doch mit Zauberei hat das Projekt nichts zu tun. Tatsächlich sind die beteiligten Forschergruppen zuversichtlich, einen grundlegend neuen Wirkstoff zu finden, der an einem anderen Punkt ansetzt als bisher genutzte Antibiotika. Till Schäberle von der Universität Bonn will indonesische Meeresschnecken daraufhin untersuchen. "Wir wissen bereits, dass diese Meeresschnecken natürlicherweise gegen mikrobiellen Befall geschützt sind. Wahrscheinlich produzieren bestimmte Bakterien, die auf ihnen siedeln, einen Stoff mit antibiotischer Wirkung", so Schäbele.

Diese "Originalproduzenten" leben in Symbiose mit den Schnecken und verteidigen sie gegen angreifende Mikroorganismen. Schäberle hofft, sie auf den Schnecken identifizieren und anschließend im Labor züchten zu können.

Im August beginnt der Forschungsaufenthalt in Indonesien. Dann wird Schäberle an der indonesischen Küste nach der Schnecke tauchen - und hoffentlich seine Erwartungen in der anschließenden Forschung bestätigt finden. Doch selbst wenn er und sein Team einen neuartigen Wirkstoff auf den Schnecken finden: Bis tatsächlich ein neues Medikament auf den Markt kommt, wird noch einige Zeit vergehen. Schäberle schätzt die Entwicklungszeit auf etwa zehn Jahre - im Idealfall.

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