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Politik

Schmutzige Hände

Transparency International hat es an den Tag gebracht: In Sachen Korruption steht Deutschland verglichen mit Ländern wie Finnland oder Dänemark beschämend da. Ein Kommentar von Thomas Kirschning.

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"Schmiergeld" - schon dieser deutsche Begriff zeigt die Ambivalenz des Themas: Wer Schmiergeld zahlt oder annimmt, macht sich zwar die Hände "schmierig", also schmutzig - soviel zum schlechten Beigeschmack. Dem wird allerdings entgegengehalten, viele Geschäfte und Entwicklungen seien doch nur in Gang zu bringen, wenn der zu Grunde liegende Mechanismus geschmiert werde. Erst recht dort, wo es in Behörden und Konzernen klemmt und quietscht, verleihe die richtige Banknote in der richtigen Schublade dem angestrebten Verlauf den notwendigen Schub, heisst es. Deutschland müsste sich von seinem Titel als Export-Vizeweltmeister verabschieden, wenn kein 'Bakschisch', 'Wsjatka' oder 'Bribe' gezahlt würde, sagen Unternehmer achselzuckend. Sie nennen das Ganze "nützliche Nebenabreden" oder verringern gar mit solchen "Werbungskosten" ihre Steuerlast.

Bestechung: Unternehmerischer Erfolgsfaktor oder allenfalls ein Kavaliersdelikt? Die Erhebungen von Transparency International widerlegen diese oberflächliche Betrachtungsweise nachdrücklich: In skandinavischen Länder verzichtet man demzufolge nahezu völlig auf Korruption, in den ärmsten Entwicklungländern gehört sie zum Alltag. Gesellschaften also, in denen demokratische Grundwerte breit und tief verankert sind, zeigen relative Resistenz gegen den Virus. Menschen, die gemeinsame Ziele haben, wissen um die Bedeutung von Spielregeln, geben sich Ordnungsprinzipien.

Kontrolle der Kontrolleure

Ordnung braucht Kontrolle. Kontrolleure brauchen ihrerseits Aufsicht und transparente Verfahren. Es geht um das Verhältnis von Macht und Verantwortung: Niemand ist letztlich und immer gefeit gegen die Versuchung des eigenen Vorteils. Wie grundlegend die Bedeutung verantwortlichen Verhaltens vor allem der Entscheider und Mächtigen, der Vorbilder einer Gesellschaft ist, kommt endlich auch bei den multinationalen Finanzinstitutionen immer schärfer zum Ausdruck. Geld, Unterstützung bei der Integration in Weltwirtschaft und Staatengemeinschaft soll nur gegeben werden, wenn die Gegenleistung stimmt: "Good Governance". Gleiches soll für Unternehmen gelten.

Bislang aber dokumentiert Transparency International ein Ausbreiten des Virus Korruption, erleben wir einen Zuwachs an Selbstbedienungsmentaliät in Chefetagen und politischen Machtzentren. "Mit Geld lässt sich alles regeln": Ist das die Quintessenz der Globalisierung? Dann sind wir auf dem besten Weg, das Fundament einer nachhaltigen Entwicklung unseres Planeten zu zerstören, bevor es gelegt wurde. Wir brauchen Regeln und sie überwachende Institutionen, die verhindern, daß Einzelne sich aufgrund politischer oder wirtschaftlicher Macht zu Lasten aller bereichern, Ordungsprinzipen mit Schmiergeld ins Rutschen bringen. Eine Mehrzahl der gleichen Art kann nur überleben, wenn sie sich im Kampf um Ressourcen nicht wechselseitig vernicht. Korruption ist der Anfang vom Ende.

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