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Kultur

Schmuselied und Propagandawaffe

"Wenn sich die späten Nebel drehn, werd ich bei der Laterne stehn wie einst Lili Marleen", sang Lale Andersen im Jahr 1939, und über alle Fronten hinweg stimmten Soldaten begeistert ein.

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Lili Marleen-Ausstellung im Bonner Haus der Geschichte

Die meisten Menschen kennen kaum mehr, als die ersten Zeilen des Liedes: Nostalgische Gefühle wecken allein der Name und die Melodie. "Lili Marleen" ist der wohl populärste Schlager des Zweiten Weltkriegs. Gedichtet 1915 von Hans Leip und vertont 1938 von Komponist Norbert Schultze, entwickelte sich "Lili Marleen" zum Kriegs-Schlager Nummer Eins und wurde in mehr als 40 Sprachen übersetzt.

Das Lied des Soldaten, der am Treffpunkt unter der Laterne vor der Kaserne von seiner Lili Abschied nimmt, sprach nicht nur Soldaten aus dem Herzen. Trennung und ungewisse Zukunft bewegten eine ganze Generation.

Lale Andersen, die erste Interpretin des Laternenliedes, verkörperte die frenetisch gefeierte deutsche Lili Marleen. Keine andere Sängerin wird so sehr mit der Kunstfigur identifiziert, wie die Andersen Lehe bei Bremerhaven. Als die Künstlerin 1942 beim Briefwechsel mit jüdischen Emigranten ertappt wurde, erhielt sie Auftrittsverbot.

Die 2. Und 3. "Lili Marleen"

Amerikaner denken bei "Lili Marleen" an Marlene Dietrich.

Kostümuniform von Marlene Dietrich

Originalkostüm der Marlene Dietrich

Sie verleiht 1944 ihrer Version der "Lili Marleen" eine pikante Note: Als entschiedene Nazigegnerin singt sie vor amerikanischen Soldaten in Frankreich und Deutschland. Für ihren Einsatz zur Stärkung der Kampfesmoral erhält der Weltstar sogar einen amerikanischen Armee-Orden.

Auch die Briten haben ihre eigene "Lili Marleen". Dem britischen Geheimdienst war die Begeisterung der eignen Soldaten Grund genug zu der Befürchtung, der Sirenengesang von Lale Andersen könne zur Schwächung der alliierten Kampfmoral beitragen. In der Tat baute das deutsche Afrikakorps mehrfach Lautsprecherwagen an der Front auf, um den Engländern das Rührstück von der Soldatenbraut vorzuspielen. Seit 1942 verbreitete der Reichsrundfunk das Lied sogar in seinen englischsprachigen Propagandasendungen. Die Briten schlugen auf dem gleichen Propagandaweg zurück: Sie produzierten eine englischsprachige Version des Liedes, das von Anne Shelton gesungen wurde.