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Kultur

Schmuggel an polnischer Grenze floriert

Der Schmuggel an der polnisch-ukrainischen Grenze ist ein großes Problem - auch für die Zollbeamten am Grenzübergang Dorohusk. Mit dem EU-Beitritt Polens entstand dort eine EU-Außengrenze.

Zollbeamte aus Polen verteilen geschmuggelte Zigaretten auf einem Tisch

Polnische Zollbeamte überrascht inzwischen kein Versteck mehr - das Zollamt von Biala Podlaska an der Grenze zu Weißrussland

Grenzschutzpolizisten und Zollbeamte kontrollieren die Autos. Modern und groß wie ein Fußballstadion ist der Grenzübergang in Dorohusk zwischen Polen und der Ukraine. In beiden Richtungen gibt es drei Abfertigungsterminals. Vor jedem Terminal warten etwa hundert Autos. Ungefähr zehntausend Personen passieren jeden Tag diese Grenze. Der junge Pole im roten Opel wartet seit über einer Stunde in der Schlange auf die Einfahrt nach Polen. Er sei nur für ein paar Stunden drüben in der Ukraine gewesen: "Ich fahre in die Ukraine, um dort Zigaretten zu kaufen." Die seien doch dort viel billiger. "Bei uns in Polen kostet eine Schachtel 1,30 Euro und in der Ukraine gerade mal 20 Cent ", sagt er. Das sei schon ein riesiger Unterschied.

Mit dem EU-Beitritt wurde Polens Ostgrenze zur EU-Außengrenze. Neue Grenzanlagen, moderne Technik und Visapflicht sollen diese Außengrenze sichern und den weit verbreiteten Schmuggel an der östlichen Grenze Polens eindämmen. Trotz aller Maßnahmen bleibt der Schmuggel nach wie vor ein großes Problem. Geschmuggelt werden unter anderem gefälschte Markenkleidung, Medikamente, Kosmetika, Bernsteine und Treibstoff. Am häufigsten wird jedoch versucht, Zigaretten am Zoll vorbeizuschleusen. Die polnischen Zollbeamten sind machtlos.

23 Millionen Zigaretten-Schachteln beschlagnahmt

Eine Reistasche voll mit geschmuggelten Zigaretten

Immer mehr Schmuggelzigaretten überschwemmen den europäischen Markt

Immerhin bekommt man für den Preis einer Schachtel Zigaretten in Polen in der Ukraine sieben. Kein Wunder, dass dieser Preisunterschied den illegalen Handel ankurbelt. Das Ausmaß des Schmuggels ist enorm, sagt der Zollbeamte Wieslaw Tarasiuk am Grenzübergang Dorohusk: "Täglich beschlagnahmen wir allein an dieser Grenze ein paar tausend Zigarettenschachteln." Die meisten Schmuggler seien Polen, gefolgt von Ukrainern. Im Jahre 2006 beschlagnahmte der polnische Zoll rund 23 Millionen Zigarettenschachteln, die von der Ukraine aus eingeschleust werden sollten. Das waren elf Prozent mehr als im Vorjahr. Raffinierte Schmuggel-Verstecke entdecken polnische Zöllner wie hier in Dorohusk also täglich. "Einige Autos werden komplett umgebaut - zum Beispiel werden sie mit Doppelwänden, Doppeldächern oder Doppelböden ausgestattet", erklärt der Zollbeamte Tarasiuk. Auch Tanks würden umgebaut - an der Grenze überrasche eigentlich kein Versteck mehr.

Durch den EU-Beitritt Polens hat sich die Art und Weise des Schmuggelns geändert. Früher wurden die Waren einfach in großen Mengen per LKW eingeschleust. Mit dem Beitritt wurde der Grenzübergang mit modernen Kontrollgeräten wie Röntgenmaschinen ausgerüstet. Diese entdecken im LKW versteckte, illegale Ware problemlos, deshalb musste der Schmuggel andere Wege finden, erklärt die Zollbeamtin Marzena Siemieniuk. "Jetzt haben wir es mit dem so genannten Ameisenschmuggel zu tun." Die Zigaretten würden jetzt meistens in kleineren Mengen per PKW eingeschmuggelt oder in der zugelassenen Menge über die Grenze gebracht - 20 Schachteln Zigaretten darf jeder legal über die Grenze transportieren. Dann würden sie im Land an einer anderen Stelle gesammelt und von dort erst weiter verkauft, erklärt Siemieniuk. Dagegen ist der polnische Zoll machtlos.

Preisunterschiede kurbeln Schmuggel an

Dicht an dicht stehen Autos am Grenzübergang von Polen zur Ukraine

Dicht an dicht stehen Autos am Grenzübergang von Polen zur Ukraine

In Westeuropa kosten die Zigaretten nochmal mindestens das Dreifache des polnischen Preises, deshalb ist Polen für die eingeschleuste Ware häufig nur ein Sprungbrett, weiß auch Siemieniuk: "Ein Teil der Zigaretten soll weiter nach Westeuropa, in die EU-Länder geschleust werden."

Natürlich wird hinter dem Grenzübergang in der Ukraine auch das Auto voll getankt. Ein polnischer Grenzgänger erzählt, dass er fast täglich über die Grenze fahre, um Benzin zu kaufen. "Wenn in Polen ein Liter Benzin einen Euro kostet und in der Ukraine 65 Cent, dann lohnt sich das schon." Die Grenzgänger schmuggeln häufig auch bei ihren kleinen Ausflügen Benzin. Der Tanktourismus floriere, sagt auch der Zollbeamte Tarasiuk: “Das fällt uns doch auf, wenn ein Auto jeden Tag die Grenze passiert und jedes Mal mit vollem Tank - das kann doch nicht für den Eigenbedarf sein." Die Grenzbeamten seien dagegen aber machtlos, denn die Polen dürften so oft sie wollen die Grenze passieren - auch mit einem vollen Tank, so Tarasiuk.

Wie die Zigaretten wird auch der Treibstoff oft für einen deutlich höheren Preis weiter verkauft. Und je größer der Preisunterschied ist, desto größer ist auch der Anreiz, das zu tun. Solange die Preisunterscheide bestehen, wird der Schmuggel nur schwer zu stoppen sein.

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