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Kunst

Schmuck für Belgrads Riesen-Kathedrale

Sie ist eines der größten orthodoxen Gotteshäuser weltweit. Der Rohbau der Kathedrale des Heiligen Sava ist seit Jahren fertig. Jetzt wird das Innere mit Goldmosaiken geschmückt - ein Vorhaben der Superlative.

Der Dom, der dem ersten serbischen Erzbischof und Nationalheiligen Serbiens gewidmet ist, gehört zu den größten orthodoxen Kathedralen der Welt. Längst wurde der Rohbau fertiggestellt – für den Innenausbau fehlte aber das Geld. Zwölf Jahre hat es gedauert, um die dafür notwendigen 30 Millionen Euro aufzutreiben. Im Oktober gab die russische Regierung ihre Zusage. Jetzt zeichnen russische Künstler die ersten Skizzen.

Orthodoxer Glanz

Die Kuppeln, Säulen und Wände würden mit Goldmosaiken verziert werden, sagt der oberste Baumeister, Vojislav Milovanovic, zu dem einzigartigen Vorhaben. Es geht um 15.000 Quadratmeter. In Belgrad sollen 60 russische und weißrussische Sakralkünstler gemeinsam mit wenigen ausgesuchten serbischen Partnern in nur acht Jahren ein Meisterwerk vollbringen. Ihnen stehen 40 Arbeiter "fürs Grobe" zur Seite.

Am Ende sollen nicht weniger als 1500 Heilige und historische Personen zu erkennen sein. Für moderne künstlerische Interpretationen bleibe allerdings kein Raum, so Dragomir Acovic, seit Jahren für den Innenausbau zuständig. "Wir richten uns nach der serbisch-byzantinischen Kunst zwischen dem 13. und 15. Jahrhundert." Schließlich seien die Gläubigen seit langem an dieses Aussehen ihrer Heiligen gewöhnt, erklärt er zur Begründung und fügt hinzu: "Sie müssen sofort zu erkennen sein."

Menschen vor der Kathedrale (Foto: dpa)

Andacht: Menschen vor der Kathedrale

Wichtig für die serbische Seele

Die Riesenkirche ist mehr als ein religiöser Mittelpunkt. Sie ist von zentraler Bedeutung für das serbische Nationalbewusstsein, ein hohes symbolisches nationales Projekt. Denn sie steht auf einem besonderen Platz: Hier soll der osmanische Großwesir Sinan Pascha 1595 nach einem Aufstand der Serben die Gebeine des Nationalheiligen Sava verbrannt haben, um die Untertanen zu bestrafen und zu demütigen.

Riesige Dimensionen

Die Kathedrale der Superlative in Form eines Kreuzes ist 91 Meter lang, 81 Meter breit und 68 Meter hoch. Ein zwölf Meter hohes vergoldetes Kreuz krönt ihre Kuppel. Im Innenraum haben leicht 10.000 Gläubige Platz. Vor welchen Herausforderungen die Künstler durch die schiere Größe der Flächen stehen, macht dieses Beispiel deutlich: Allein die Iris im Auge des "Weltenherrschers" Christus in der Hauptkuppel misst einen Meter, sein Gesicht hat zehn Meter Durchmesser. Und die vier Evangelisten unterhalb der Kuppel nehmen jeweils 90 Quadratmeter ein.

Widrigkeiten beim Bau

Der Baubeschluss wurde bereits vor 120 Jahren gefasst. Nach mehreren Jahrzehnten Planung und etlichen Architekten-Wettbewerben wurde der Bau jedoch erst 1935 begonnen. Der Zweite Weltkrieg erzwang einen Baustopp und die Kommunisten verboten den Bau. Erst 1985 ging es weiter. 1989 wurde die Kuppel fertiggestellt. Die offizielle Einweihung des Bauwerks erfolgte 2004, obwohl der Innenraum noch im Rohbauzustand war. Und genau das soll sich jetzt ändern.

kk/az (dpa)