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Politik

Schmollendes Volk

Die neusten Umfragen zeigen, die Streitereien in der Union haben CDU-Chefin Angela Merkel enorm geschadet. Derjenige, der davon am stärksten profitiert, ist der Kanzler, meint Judith Hartl.

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Judith Hartl

Man freut sich über die raren Momente, den Kanzler noch lachen zu sehen. Man dürstet fast danach. Unvergessen, wie sich Gerhard Schröder freute, als er sich beim Sängerfest in Finsterwalde in den Finger schnitt, als er das Bierfass anstach. Aber wie gesagt, solche Momente sind rar geworden.

Für uns Journalisten in Berlin viel vertrauter – die Leichen-Bitter-Mine, die Schröder während der Pressekonferenz mit José Manuel Barroso, dem baldigen EU-Kommissionschef vor sich her trug. Warum, wusste niemand so genau, denn mit der Presse verträgt er sich wieder und - er hätte zurzeit wahrlich allen Grund zu lachen. Sein Herz müsste hüpfen, die Glückshormone aus den Ohren quellen. Denn die Stimmung im Lande kippt. Und wie sie kippt. Blies der Wind vor kurzem noch kalt aus dem Osten – wabert jetzt wieder eine sanfte Brise.

Curry-Wurst und Bier

Der Kanzler steigt wieder in der Gunst der Wähler – sagen die Umfragen. Was man auch so interpretieren könnte – lieber dieser Kanzler als.....bääääh..... eine Frau aus dem Osten – protestantisch noch dazu, oder ein stammelnder Bayer, auch wenn er katholisch ist. Nein, nein, nein, dann wirklich lieber den Schröder, der 'ne Curry-Wurst und Bier mag, und dem bei "Das Wunder von Bern" die Tränen kommen.

Und nachdem sich der Bayernkönig und Angie, die als harte Maggie keinen Arbeitnehmer ungeschoren lassen will, auch noch verstritten haben, geht's sogar mit der SPD wieder aufwärts. Tempura mutantur: Die Zeiten ändern sich. Et nos in illis: Und wir mit ihnen. Aber halt - das wollten wir ja gar nicht. Alles sollte doch so bleiben wie es ist. Keine Reformen, weg mit Hartz IV und so - wir sind das Volk.

Auf dem Hintern der Realität

Na ja, zugegeben, die Schlachtrufe sind so gut wie verstummt. Denn spätestens nach Angies Kampfgeschrei - weg mit dem Kündigungsschutz und jeder ist für sich selbst verantwortlich – wurde auch dem stursten Rote-Fahnen-Schwinger klar: Gerd amputiert wenigstens nicht beide Beine. Aus dem Gebrüll "Weg mit dem Kanzler" wurde ein Schmollen. So schnell kann's gehen, Angie. Gestern noch fest im Sattel, heute mit schmerzendem Hintern auf dem Boden der deutschen Realität. Aber die - sei getröstet, du hast es selbst bewiesen - kann schon morgen wieder eine ganz andere sein.