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Wirtschaft

Schmiergeld-Affäre im VW-Konzern

Bei Volkswagen bahnt sich ein Schmiergeldskandal an. Der Personalchef der VW-Tochter Skoda musste bereits wegen Untreue gehen - jetzt trat auch noch der VW-Betriebsratsboss zurück. Es könnte prominente Mitwisser geben.

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Mitarbeiter im Sog der Bestechungs-Vorwürfe bei Skoda

Der VW-Betriebsratsvorsitzende Klaus Volkert

Soll für eine Firma lukrative Aufträge abgestaubt haben: der VW-Betriebsratsvorsitzende Klaus Volkert

Am Donnerstagvormittag (30.6.2005) nahm völlig überraschend der mächtige Chef des Volkswagen-Betriebsrats, Klaus Volkert, seinen Hut. Volkert war 15 Jahre im Amt und gilt als einer der einflussreichsten Betriebsräte Deutschlands. Offiziell hieß es, der 62-jährige Betriebsratschef trete aus Altersgründen zurück - doch Spekulationen zufolge soll er in eine Schmiergeld-Affäre verwickelt sein, die bei der tschechischen Tochterfirma Skoda ihren Anfang nahm.

Bestechungsvorwurf im Hause Skoda

Wegen der Affäre musste Skoda-Personalchef Helmuth Schuster bereits vor zwei Wochen seinen Posten räumen. Gegen ihn ermittelt die Staatsanwaltschaft nun wegen des Verdachts auf Untreue und Betrug. Der Vorwurf: Schuster soll Schmiergelder von Zulieferern verlangt haben. Mit Hilfe von Strohmännern soll Schuster Firmen im Ausland kontrolliert haben, die mit Volkswagen lukrative Verträge abschlossen. Wie das Nachrichtenmagazin "Focus" berichtet, soll Schuster sich so an seinem eigenen Arbeitgeber bereichert haben.

VW geht nun der Frage nach, ob auch Volkert zusammen mit Schuster an einer Firma beteiligt ist, die sich um einen Auftrag bei Skoda beworben hatte. Die Staatsanwaltschaft erklärte, sie habe für Volkerts Beteiligung bisher keine Anhaltspunkte. Die Ermittler haben aber noch einen weiteren, früheren Mitarbeiter von Schuster im Visier. Auf jeden Fall gebe es Hinweise, dass Geld, das eigentlich Skoda zugestanden hätte, auf Privatkonten geflossen sei.

"Lückenlose Aufklärung"

Bernd Pischetsrieder zu Nebeneinkünfte

Volkswagen-Konzernchef Bernd Pischetsrieder will die angeblichen Machenschaften lückenlos aufklären lassen

Volkswagen-Konzernchef Bernd Pischetsrieder will durchgreifen und kündigte eine "lückenlose Aufklärung" und eine enge Zusammenarbeit mit den Staatsanwälten an. "Wir haben die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG kontaktiert
und beabsichtigen, sie damit zu beauftragen, alle Vorgänge unabhängig zu überprüfen", sagte er. VW hatte bereits am Dienstag (28.6.2005) bei der Staatsanwaltschaft in Braunschweig Anzeige erstattet und erklärt, dass es im Volkswagen-Konzern eine Schmiergeldaffäre gebe. Laut Staatsanwaltschaft will VW am Montag (3.7.2005) Unterlagen zu der Anzeige überreichen.

Wer wusste noch davon?

Die Vorgänge um Schuster und der Volkert-Rücktritt sind möglicherweise erst der Anfang einer Affäre, die den Ruf von VW schwer schädigen könnte. Und: Laut Medienberichten soll es Mitwisser ganz oben geben. Dazu gehöre zum Beispiel Personalvorstand Peter Hartz (der Vater der nach ihm benannten Reformen). Ein VW-Sprecher dementierte aber Gerüchte, Hartz werde zurücktreten: "Hartz ist und bleibt Personalvorstand bei Volkswagen."

Volkswagen Bilanz

Bei VW hängt der Haussegen schief

Die "Wirtschaftswoche" schreibt, "ein mit dem Vorgang Befasster" habe weitere prominente Mitwisser genannt: VW-Aufsichtsratsmitglied und IG-Metall-Chef Jürgen Peters, den SPD-Politiker Sigmar Gabriel sowie Bundeskanzler Gerhard Schröder, der früher auch dem Aufsichtsrat angehörte.

Prominente Dementis

Regierungssprecher Bela Anda erklärte jedoch am Donnerstagabend: "Dies ist eine falsche, verleumderischeBehauptung, gegen deren Verbreitung der Bundeskanzler sich auch rechtlich zur Wehr setzen wird." Auch Sigmar Gabriel ließ erklären, der Bericht über seine angebliche Mitwisserschaft sei eine "ungeheuerliche Verleumdung". Peters wolle den Bericht nicht kommentieren, sagte seine Sprecherin der "Wirtschaftswoche". Angeblich sind nach Darstellung der Zeitschrift 70 Personen in die Affäre verstrickt. (reh)

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