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Deutschland

Schmeichelhaftes Unentschieden

Das TV-Duell hatte schon im Vorfeld hohe Erwartungen geweckt. Wurden sie erfüllt? Überzeugte Bundeskanzler Gerhard Schröder oder machte sein Konkurrent Edmund Stoiber Punkte? Norbert Ahrens kommentiert.

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Wer allzu hohe Erwartungen an dieses erste Duell der Kanzlerkandidaten in der Geschichte des deutschen Fernsehens gehabt hatte, der ist am Sonntagabend sicher enttäuscht worden. Weder der Informations- noch der Unterhaltungswert des Schröder-Stoiber-Disputs war besonders hoch.

Das mag vor allem daran gelegen haben, dass die Spielregeln des Duells vorher bis ins letzte Detail festgelegt worden waren. Allzu starr war das Schema der zeitlich genau begrenzten Antwortmöglichkeiten, nahezu ausgeschlossen ein direktes Rededuell zwischen den Kandidaten selbst.

Davon abgesehen erlebte das Fernsehpublikum einen anfangs sichtlich nervösen Kandidaten Stoiber, der sich aber von Runde zu Runde steigerte und einen Kandidaten Schröder, der zunächst souverän wirkte, dann aber innerlich das Interesse an der ganzen Angelegenheit zu verlieren schien. In der Sprache des Boxsports könnte man sagen: ein schmeichelhaftes Unentschieden für den Titelverteidiger.

Da mittlerweile hinlänglich bekannt ist, dass Politiker weniger durch das überzeugen, was sie inhaltlich sagen als vielmehr durch die Art und Weise ihres gesamten Auftretens, standen die Wetten vor dem Duell deutlich für den Medienprofi Schröder. Doch auch hier hat der bayerische Ministerpräsident aufgeholt. Zumindest war der Abstand zwischen beiden in diesem Punkte weniger deutlich als erwartet.

Wo es um Fakten und Zahlen ging, konnte wohl nur ein sehr geringer Teil des Publikums sofort sagen, wer von beiden dichter an den Tatsachen - um das Wort "Wahrheit" nicht allzu sehr zu strapazieren - war als sein Gegenüber. Jedoch gab es ganze Themenbereiche, die mehr oder weniger klar an den einen oder an den anderen gingen. So lag Schröder bei den Themen Umwelt, Ökosteuer und Außenpolitik ebenso deutlich vorn wie Stoiber beim Thema Arbeitslosigkeit, das er schon zu einem Zeitpunkt ins Spiel brachte, als es von den Moderatoren noch gar nicht aufgerufen war. Die Frage nach einer möglichen Großen Koalition beantwortete Stoiber mit einem ziemlich klaren Nein, während Schröder außer der PDS grundsätzlich jede andere Partei als möglichen Koalitionspartner der SPD ansieht.

So wird wohl am Ende bei der Wirkung auf das breite Publikum und damit auf das mögliche Wahlverhalten am 22. September eine unscheinbare Frage den Ausschlag gegeben haben, die mit großer Politik scheinbar relativ wenig zu tun hat. Gegen Ende wurden beide Kandidaten nach der Rolle ihrer Ehefrauen befragt. Dabei äußerte der bayerische Ministerpräsident das eindeutig konservativere Frauenbild, während Schröder die politische Eigenständigkeit nicht nur seiner eigenen Frau verteidigte. Ob das allerdings für einen knappen Vorsprung bei den Wahlen am 22. September reicht, bleibt abzuwarten. Zunächst einmal gibt es ja ein zweites Fernseh-Duell am 8. September bei ARD und ZDF.