Schmähpreis für Produktfälschungen | Wirtschaft | DW | 09.02.2018
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Wirtschaft

Schmähpreis für Produktfälschungen

Der Schmähpreis "Plagiarius" geht jährlich an Unternehmen, die Produkte kopieren und so die Konkurrenz schädigen. Auch in diesem Jahr kommen die ausgezeichneten Firmen nicht nur, aber vor allem aus China.

Aktion Plagiarius - Preisträger 2018 Auszeichnung - Schweizer Taschenmesser „SwissChamp“ (Aktion Plagiarius)

Unscharfe Messer, nicht funktionierende Lupe: die Kopie (rechts) des Schweizer Messers von Victorinox

Es waren wieder chinesische Unternehmen, die bei der 42. Verleihung des Schmähpreises "Plagiarius" an der Spitze der Nachahmer lagen. Unter den imitierten Produkten waren bekannte wie das Kinder-Rutscherauto der deutschen Firma Puky und das Schweizer Taschenmesser von Victorinox.

Mit dem 1. Preis ausgezeichnet wurde die chinesische Firma Pingyang County Leyi Gift Co. für die täuschend echt aussehende Kopie eines Küchen-Schneidegeräts einer Limburger Firma.

Selbst deren Marke Genius und die Produktbezeichnung "Nicer Dicer Plus" wurde bei der Fälschung beibehalten. Doch "die Schneidklingen der Fälschung sind stumpf und brechen leicht", befand die Jury, "der verwendete Kunststoff enthält gesundheitsschädliche Substanzen."

Aktion Plagiarius - Preisträger 2018 - 3. Preis - Rutscher „PUKY Racer“ (Aktion Plagiarius)

Lauflernauto für Kinder: Links das Original, rechts das Plagiat

Auch das Puky-Kinderfahrzeug wurde von einem chinesischen Unternehmen in Design und Technik exakt kopiert; doch immerhin wurde der Name in "Qidong" geändert. Der Preis von zehn Euro statt der 66 Euro für das Original komme daher, dass die Materialien von geringer Qualität und schlecht verarbeitet seien, sagte ein Vertreter des Originalherstellers aus Wülfrath.

Plagiatoren schmückten sich mit fremden Federn, sparten sich jahrelange und teure Entwicklungsschritte und produzierten überwiegend unter menschenverachtenden Arbeitsbedingungen, sagte die Rechtsanwältin Aliki Busse von der Aktion Plagiarius bei der Preisverleihung in Frankfurt am Main. Die EU-Zollbehörden hätten 2016 Nachahmerprodukte im Wert von 670 Millionen Euro an den Grenzen beschlagnahmt, und das sei nur die Spitze des Eisbergs.

Verantwortung des Verbrauchers

Dabei schadeten die Plagiatoren nicht nur den Finanzen und dem Ruf des Originalherstellers, sondern täuschten mit minderwertiger Qualität den Verbraucher oder gefährdeten gar dessen Gesundheit, sagte Busse. Insbesondere die Onlinehandel-Plattformen machten es Nachahmern leicht, unter Scheinidentitäten gefälschte Produkte anzubieten.

Der Gesetzgeber sollte Plattformbetreiber wie Amazon in Haftung für die vertriebenen Erzeugnisse nehmen, forderte Busse. Aber auch die Verbraucher trügen eine Verantwortung, nicht einfach auf den Kauf des billigsten Produkts zu klicken, sondern auf ihren gesunden Menschenverstand zu hören und die Seriosität des Anbieters zu prüfen.

Das Problem seien nicht nur die Nachahmer, sondern auch deutsche Einkäufer, die in China billig einkauften oder Produkte dort billig in Auftrag gäben, sagte Busse. Die Weiterentwicklung von Scannern und 3-D-Druckern würden Plagiatoren in Zukunft weitere Tätigkeitsfelder erschließen, äußerte die Juristin besorgt.

Aktion Plagiarius - Preisträger 2018 - 1. Preis - Küchen-Schneidgerät „Nicer Dicer Plus“ (Aktion Plagiarius)

Küchen-Schneidegerät: links das Original, rechts die Fälschung, die mit dem 1. Preis ausgezeichnet wurde

Manche Plagiatoren kopieren nicht nur das Produkt, sondern wie im Fall eines Schaltschrank-Heizgeräts auch gleich die Zertifikate und die Bedienungsanleitung mit. Eine Verwechslung sei dadurch unausweichlich, sagte der Vertreter des Originalherstellers aus Schwäbisch Hall. Dabei verletze die billige chinesische Kopie grundlegende Sicherheitsstandards. Die Firma führe eine Liste mit inzwischen 58 Plagiatoren, die ihre Produkte nachahmten, darunter auch deutsche. Der Kampf gegen die Nachahmer sei wie ein Kampf gegen Windmühlen.

Der von dem Verein "Aktion Plagiarius" verliehene Negativpreis wurde vom Designer Rido Busse ins Leben gerufen. Er wird seit 1977 verliehen, in diesem Jahr fand die Verleihung im Rahmen der Frankfurter Konsumgütermesse Ambiente statt. Der Schmähpreis soll die skrupellosen Geschäftspraktiken von Produktpiraten und Markenfälschern anprangern und die Öffentlichkeit dafür sensibilisieren. Die Trophäe ist ein schwarzer Zwerg mit goldener Nase als Symbol für die enormen Gewinne, die Nachahmer auf Kosten der Erfinder und Hersteller machen.

Allerdings habe noch kein Preisträger die Trophäe entgegengenommen, sagte Aliki Busse. Doch allein die Ankündigung der Verleihung zeige bei manchen Plagiatoren Wirkung: Zehn bis 15 Prozent der angeschriebenen Unternehmen gingen daraufhin eine Einigung mit den geschädigten Originalherstellern ein.

bea/rb (epd, Plagiarius.com)