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Deutschland

Schluss mit Schulterklopfen

Am Dienstag (25.6.2002) wird offiziell die PISA-E-Studie, der bundesweite Ländervergleich, vorgestellt. Schon im Vorfeld sorgte das Papier für Diskussionen. DW-WORLD sprach mit Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn.

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Unter Druck: Bundesbildungsministerin Bulmahn

Frau Bulmahn, Bayern steht an der Spitze des Ländervergleichs der PISA-Erweiterungsstudie. Was macht Bayern besser?

Wenn man genau hinguckt, ist das Ergebnis etwas differenzierter. Von daher müssen wir uns eigentlich in Deutschland fragen: Was machen Länder wie Kanada und Finnland besser, weil dieses die Länder sind, an denen wir uns orientieren müssen. Wir müssen unter die ersten fünf zurückkommen.

Wir müssen es schaffen, mehr jungen Menschen sehr gute Ausbildung zu geben und erheblich mehr junge Leute zu höheren Abschlüssen zu bringen, denn das ist die Herausforderung, vor der wir stehen.

Nun haben die SPD-Länder auf ihrem eigenen, sozialdemokratischen Terrain ebenfalls schlecht abgeschnitten. Warum haben sie da versagt?

Ich sage ja, kein Bundesland kann sich selbstgefällig auf die Schulter klopfen ... Das ist das erschreckende, aber auch wichtige Ergebnis von PISA. Es zeigt sich sehr deutlich, dass gerade die sehr guten Länder wie Kanada und Finnland, beides schaffen: Hohe Qualität und bessere Chancengleichheit. Wir können das in Deutschland natürlich auch schaffen.

...was läuft dort anders?

Die bei PISA führenden Länder haben sich zum Beispiel seit vielen Jahren auf einen Kern von nationalen Bildungsstandards verständigt. Sie führen regelmäßige Vergleichstests durch, nicht nur in der Abschlussklasse, sondern über alle Jahrgangsstufen hinweg. Sie geben auf der anderen Seite ihren Schulen erheblich mehr Verantwortung und verlangen, dass ihre Ergebnisse, Leistungen offengelegt werden. Und sie geben den Schulen auch die notwendige Unterstützung.

Nun hat der Bund vier Milliarden Euro Soforthilfe zur Verfügung gestellt. Er will aber die Vergabe dieser Gelder an Zusagen der Länder knüpfen. Welche Zusagen erwarten Sie?

Ich will, dass wir diese vier Milliarden so einsetzen, dass wir wirklich über eine qualitativ gute Ganztagsschule die Bildungschancen von Kindern und Jugendlichen verbessern. Es geht um eine Ganztagsschule mit einem pädagogischen Profil, die eine Abfolge von Freizeitaktivität, Lernen und unterschiedlichen Lernphasen ermöglicht. Das Angebot des Bundes liegt vor.

In ihrem Strategiepapier fordern Sie eine bessere Zusammenarbeit von Bund und Ländern. Was kann der Bund denn überhaupt konkret tun und greifen Sie mit Ihrem Vorschlag nicht massiv in Länderkompetenzen ein?

Also ich bin davon überzeugt, dass es einer nationalen Anstrengung bedarf und dass man sich jetzt nicht hinter Zuständigkeiten zurückziehen darf. Es interessiert nämlich niemanden, wer zuständig ist, sondern alle Beteiligten müssen hier an einem Strang ziehen, dann können wir aus PISA auch eine Chance machen.

Wie soll der "Rat der Bildungsweisen", den sie einrichten wollen, arbeiten?

Der "Rat der Bildungsweisen" sollte die Aufgabe haben, die nationale Berichterstattung vorzubereiten, aber vor allen Dingen auch, auszuwerten, zu bewerten und daraus dann Empfehlungen zu entwickeln.

Wir müssen ständig überprüfen: Wo stehen wir, wo haben wir Stärken, wo haben wir Schwächen, um die Stärken weiter auszubauen und die Schwächen zu beheben. Ich glaube es ist wichtig, dass das von außen geschieht, dass es nicht allein aus einem Ministerium heraus gemacht wird. Der Blick von außen wäre durch einen Rat der Bildungsweisen dann auch gewährleistet.

Wer soll denn in diesem "Rat der Bildungsweisen" sitzen?

Ich habe kein Tableau, das ich ihnen jetzt vorlegen kann. Natürlich kann ich mir Personen durchaus vorstellen, die in diesem Rat wären, zum Beispiel Wissenschaftler, die auch an der Erarbeitung der PISA-Studie gearbeitet haben. Ich würde mir aber wünschen, dass wir zum Beispiel auch den internationalen Blick mit dabei haben, damit wir den Vergleich zu anderen Ländern haben. Es sollte ein gemeinsamer Vorschlag von Bund und Ländern sein und ich hoffe, dass wir das auch gemeinsam hinkriegen.

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