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Kultur

Schluss mit lustig!

Vor Berlusconi ist nichts und niemand sicher. Das gilt für das Weltkulturerbe, das die Regierung am liebsten verkaufen würde, und auch für den Literatur-Nobelpreisträger Dario Fo, dessen Satire Berlusconi nicht passt.

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Angeklagt - Schriftsteller Dario Fo

Die Schreckensmeldungen aus Italien reißen nicht ab. Dass es um die Pressefreiheit schlecht bestellt ist, ist bekannt. Was nur wenige wissen: Auch der Belletristik und dem Theater - genauer gesagt: der Satire - geht es an den Kragen.

Schon im Oktober 2002 nahm der italienische öffentlich-rechtliche Fernsehsender RAI eine Satire über Berlusconi und seine Medienmacht aus dem Programm. Ein Jahr später, im November 2003, setzte der Sender die Satire-Show "Raiot" ab, nachdem Berlusconis TV-Konzern Mediaset den staatlichen Sender RAI auf 20 Millionen Euro Schadenersatz verklagt hatte.

Angst vor Satire

Nun ist Dario Fo an der Reihe. Seit Dezember 2003 tourt der Dramatiker mit seiner Frau Franca Rame und ihrem gemeinsamen satirischen Theaterstück "L'anomalo beicefalo" ("Der unnormale Doppelkopf") durch die italienischen Lande. In dem Stück wird Berlusconi eine Gehirnhälfte des russischen Präsidenten Putin implantiert. Sarkasmus ist da vorprogrammiert.

Jetzt hat der Senator und langjährige Berlusconi-Vertraute Marcello Dell'Utri den Autoren wegen einiger Passagen des Stückes auf eine Million Euro Schmerzensgeld verklagt. Fos Vermutung: Die hohe Forderung ziele darauf ab, eine Ausstrahlung des Stückes im Privatsender Atlantide zu unterbinden, der von Fos Sohn Jacopo betrieben wird. Fo spricht von einem abermaligen Versuch, Angst und Panik zu verbreiten und andere zum Schweigen zu bringen.

Das Erbe verscherbeln

Um Italiens Kultur ist es schlecht bestellt. Ein anderes heikles Kapitel, das gerade wieder in die Schlagzeilen gerät, ist der Ausverkauf italienischer Kulturgüter.

Nacht in der Ewigen Stadt

Düstere Aussichten für Italiens Weltkulturerbe

Schon seit über einem Jahr stopft Wirtschafts- und Finanzminister Giulio Tremonti Haushaltslöcher mit dem Verkauf staatlicher Immobilien. 2004 soll auch der Verkauf des bisher streng geschützten Kulturerbes kein Tabu mehr sein. Ende Januar 2004 soll auf der Website des Kultusministeriums die erste Verkaufsliste veröffentlicht werden.

Zur Vorgeschichte: Ende 2002 hat Berlusconi das gesamte Staatseigentum einer neu gegründeten "Staatsvermögens AG" ("Patrimonio dello Stato s.p.a.") übertragen lassen. Internationale Investoren können sich damit an bisher staatlichen Objekten beteiligen oder sie auch kaufen. Kritiker wurden bald mundtot gemacht: Der einst mit Berlusconi befreundete Kulturstaatssekretär Vittorio Sgarbi protestierte gegen die Pläne der Regierung und wurde prompt entlassen.

Ein Finanzierungsproblem?

Kulturminister Giuliano Urbani stimmte dem Dekret des Schatzmeisters Tremonti zu, wonach Staatsgüter privatisiert werden sollen, wenn sie nicht ergiebig sind. Für ihn gaben finanzielle Gründe den Ausschlag. Der italienische Staat habe einfach nicht die Mittel, sein Erbe zu managen, sagte er damals. In Italien stehen 40 Prozent des Weltkulturerbes. Ein Drittel davon ist vom Verfall bedroht.

Berlusconi hatte 2002 versichert, dass die Highlights unter den Kulturgütern durch das neue Gesetz nicht betroffen seien - sie sind durch die Verfassung geschützt. Verkäuflich sein sollten Immobilien, die nicht zum ausdrücklichen historischen und künstlerischen Volkseigentum gehören und bereits für geschäftliche Aktivitäten oder als Wohnraum genutzt werden.

Doch mit dem neuen Gesetz gilt: Für jedes der auf den Markt gesetzten Objekte muss innerhalb von 120 Tagen ein kulturelles Interesse angemeldet werden, sonst werden die Bauwerke automatisch veräußerbar. Experten befürchten, dass die unterbesetzten Denkmalbehörden kaum in der Lage sein werden, alle Objekte fristgerecht zu prüfen.

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