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Politik

Schlimmere Lage als nach dem Tsunami?

Nach dem verheerenden Wirbelsturm in Birma droht die Lage in dem verarmten Land völlig zu eskalieren. Bis zu 1,9 Millionen Menschen kämpfen der UN zufolge ums Überleben.

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Versuche des Wiederaufbaus in einem Dorf

Auf der verzweifelten Suche nach Essen, Wasser und Medizin strömten Überlebende unterdessen in Scharen aus dem am schwersten verwüsteten Irrawaddy-Delta. Die Vereinten Nationen (UN) warnten am Sonntag (11.5.2008) angesichts des dramatischen Mangels auch vor gewaltsamen Übergriffen unter den Opfern. Fast zwei Millionen Menschen seien bedroht.

100.000 Tote?

Nach Angaben der Militärjunta in Birma ist die Zahl der Toten durch den Zyklon auf über 28.450 gestiegen. Gerüchten in der alten Hauptstadt Rangun zufolge ist die wirklich Zahl aber erheblich höher. Es werde inzwischen von bis zu mehr als 100.000 Toten und 220.000 Vermissten ausgegangen, teilten die UN mit.

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Zerstörter VW Käfer im Irrawaddy-Delta,

"Wenn nicht sofort und massiv Experten sowie Versorgungsgüter in die am schwersten betroffenen Gebiete gelangen, wird es eine Tragödie unvorstellbaren Ausmaßes geben", sagte Greg Beck vom International Rescue Committee. Die Hilfsorganisation Oxfam forderte am Sonntag ein internationales Engagement wie nach dem Tsunami an Weihnachten 2004, um in Birma den Ausbruch von Epidemien doch noch zu verhindern. Es ist die die schwerste Zyklon-Katastrophe ihrer Art in Asien seit 1991, als im benachbarten Bangladesch 143.000 Menschen starben.

Das Technische Hilfswerk (THW) hält das Ausmaß der Zerstörung für weitaus schlimmer als nach dem Tsunami 2004. Deutschland und Thailand forderten die Militärregierung auf, schnell ausländische Helfer einreisen zu lassen.

Aus der Hilfe Kapital schlagen

Birmas Militärjunta nimmt zwar Hilfslieferungen an, lehnt aber deren Logistik ab. Es gab Berichte, dass auf die Kisten die Namen führender Generäle geschrieben wurden - ein offenkundiger Versuch, aus der internationalen Unterstützung propagandistisches Kapital zu schlagen. In der Stadt Labutta, die zu 80 Prozent durch den Zyklon zerstört wurde, geben die Behörden derzeit eine Tasse Reis am Tag pro Familie aus, wie ein EU-Vertreter berichtete.

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Verwüsteter Tempel nach dem Zyklon Nargis in Rangun

Das erste Rote-Kreuz-Schiff mit Gütern für mehr als 1000 Menschen sank am Sonntag kurz vor Erreichen seines Ziels im Irrawaddy-Delta. Das doppelstöckige Frachtboot habe offenbar einen unter Wasser liegenden Baumstamm gerammt, sagte ein Sprecher der Internationalen Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften (IFRC) in Bangkok. Die Mannschaft und die vier birmanischen Rotkreuz-Mitarbeiter konnten sich in Sicherheit bringen, doch das Schiff sei untergegangen.

Opposition: Massiver Wahlbetrug

Birmas Opposition hat unterdessen der Regierung bei dem umstrittenen Verfassungsreferendum am Samstag massiven Wahlbetrug vorgeworfen. Bei der Stimmabgabe - eine Woche nach dem verheerenden Zyklon - seien Wähler bedroht und eingeschüchtert und zu Ja-Stimmen gezwungen worden, berichtete die "US-Kampagne für Birma" nach Kontakten mit Wahlbeobachtern der Oppositionspartei Nationalliga für Demokratie (NLD).

Fast 100 Prozent

Die Junta stellte einen überwältigenden Sieg in Aussicht. Fast 100 Prozent der Wähler in Kokogyun bei Rangun hätten mit Ja gestimmt, 90 Prozent in der Region Mandalay und 95 Prozent in der Shan-Region, sagte ein Beamter in Rangun "vertraulich" der Deutschen Presse-Agentur dpa. In 47 Bezirken, die von dem Zyklon verwüstet worden sind, soll in zwei Wochen nachgewählt werden. Erst danach wird das Ergebnis veröffentlicht. Die Junta hatte alle Appelle aus dem Ausland ignoriert, das Referendum zu verschieben und sich zuerst um die 1,5 Millionen Zyklon-Überlebenden zu kümmern. (sams)

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