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Schlichter

"Wenn zwei sich streiten, freut sich der Dritte", lautet ein Sprichwort. Ob dem wirklich so ist, kommt natürlich immer darauf an, worüber gestritten wird, wer die zwei sind – und wer der Dritte ist.

Zwei Freundinnen drehen sich beleidigt voneinander weg

Manchmal hilft ein Schlichter, wenn zwei sich nicht verstehen

Immer wenn zwischen Arbeitgebern und Gewerkschaften keine Einigung über höhere Löhne und andere Forderungen erzielt werden kann, treten die Schlichter auf den Plan. Sie haben naturgemäß keine leichte Aufgabe, denn schließlich geht es darum, einen Streit zu schlichten. 'Schlichter' beziehungsweise 'schlichten', heißt diese Woche unser Stichwort, wobei wir gleich hinzufügen, dass es selbstverständlich auch die 'Schlichterin' gibt. Ebenso gehört das Adjektiv 'schlicht' zum Stichwort 'Schlichter'.

Schlichten in der Handwerkersprache

Beginnen wir aber mit dem Verbum; mit 'schlichten'. Es ist ein altes Wort mit der Grundbedeutung von 'etwas ebnen'; etwas 'gerade machen'. Von da ergibt sich in der Handwerkersprache die Bedeutung 'glätten' oder 'glatt machen', die sich bis heute gehalten hat und sich sogar in den Bezeichnungen für Werkzeuge wiederfindet. Mit der Schlichtaxt oder dem Schlichtbeil bringen die Zimmerleute grobe Holzbalken in Form. Schlichthobel und Schlichtfeile dienen dazu, die Oberfläche des Holzes zu glätten.

Vor allem im Fränkischen sagt man immer noch 'aufgschlichtets Holz' für einen Holzstapel; auch Briketts sind 'aufgeschlichtet'. Das sieht ordentlich aus; der Haufen Holzscheite, die aus dem Sack geschütteten Briketts sind in gewisser Weise in eine Form gebracht worden, die – und das ist das Entscheidende – eine Funktion, einen Nutzen hat. Die Weber, heute geht das natürlich alles maschinell, bestrichen die Kettfäden mit einer leimartigen Flüssigkeit, um sie glatter und beständiger zu machen. 'Schlichten' heißt dieser Vorgang noch heute.

Die Aufgabe von Schlichtern

'Glätten', 'ordnen', 'in Ordnung bringen'; das sind also die Bedeutungen von 'schlichten' im wörtlichen Sinne. Man kann sie ohne weiteres ins Bildhafte übertragen, und schon ergibt sich zum Beispiel der Sinn des Ausdrucks 'einen Streit schlichten'. Ist der Schlichter oder die Schlichterin erfolgreich gewesen, gilt der Streit als geschlichtet und beigelegt.

Wie wir wissen, sind Schlichtungsverfahren alles andere als einfach. Bis es – wenn überhaupt – zu einer Schlichtung kommt, müssen Schlichtungsausschüsse beziehungsweise Schlichtungskommissionen oft mehrere Schlichtungsversuche machen, bis eine Einigung erzielt wird. Danach erfolgt der Schlichtungs- oder Schlichterspruch. In ihm ist formuliert, woran sich die gerade noch zerstrittenen Parteien zukünftig zu halten haben.

Die schlichten Dinge des Alltags

Nach Schlichter, schlichten und Schlichtung fehlt uns noch das Adjektiv 'schlicht'. Es ist eng verwandt mit 'schlicht en' und bedeutet 'eben', 'gerade', 'glatt', 'einfach'. Ein schlichtes Mahl ist kein mehrgängiges Menü, muss aber deshalb – und das ist ganz wichtig – keineswegs schlecht sein.

Wer von schlichtem Gemüt ist, wird keine intellektuellen Höchstleistungen vollbringen und hat auch kein Interesse daran. Muss ja auch nicht sein. Oft sind es ja auch schlicht und ergreifend – man kann auch sagen ' ganz einfach' andere Dinge im Leben, die wirklich wichtig sind.

Ein schlichter Eintrag

'Schlicht' bedeutet– so steht’s im Lexikon – "auf das Nötigste, das Wesentliche beschränkt. Einfach und bescheiden". Dagegen ist schlichtweg erst mal nichts einzuwenden.

Fragen zum Text

Was ist die Grundbedeutung von schlichten?

1. etwas ebnen

2. etwas verbiegen

3. etwas zerkratzen

Was steht in einem Schlichterspruch?

1. Wie sich beide Parteien des Streits in Zukunft verhalten sollen.

2. Wie man Menschen erfolgreich dazu bringt, sich zu streiten.

3. Wie man mit einem Schlichthobel Holz am besten glättet.

Was ist ein schlichtes Essen?

1. ein schlechtes

2. ein exklusives

3. ein einfaches

Arbeitsauftrag

Im Text steht, dass die schlichten und einfachen Dinge im Leben oft die wichtigsten sind. Stimmen Sie dieser Aussage zu? Was ist Ihnen im Leben wichtig? Sprechen Sie in Kleingruppen über die Dinge, die Ihnen wichtig sind.

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