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Flüchtlingsdrama

Schlepper treiben erneut Flüchtlinge vor Jemens Küste ins Meer

Es sieht nach einem neuen grausamen "Geschäftsmodell" von Menschenschmugglern aus. Zum zweiten Mal binnen zwei Tagen wurden Flüchtlinge vor der Küste des Jemen ins Meer gestoßen. Wieder gab es Tote.

Jemen Schlepper lassen Migranten ertrinken (picture-alliance/house 6 peter eisenmann)

IOM-Mitarbeiter mit vor dem Jemen aus dem Meer geretteten Flüchtlingen

Die Internationale Organisation für Migration (IOM) berichtet, etwa 180 Migranten seien von den Schleppern gezwungen worden, von ihrem Boot ins stürmische Meer zu springen. Fünf Leichen seien bereits entdeckt worden, rund 50 Menschen würden vermisst.

Bei den Flüchtlingen handelt es sich laut der UN-Unterorganisation IOM vorwiegend um sehr junge Menschen aus Somalia und Äthiopien. Aus den beiden bitterarmen afrikanischen Staaten versuchen viele Menschen gegen Bezahlung mit Hilfe von Schleppern vom Horn von Afrika aus über das Meer erst in den Jemen und von dort aus auf dem Seeweg weiter in die wohlhabenden Staaten am Persischen Golf zu gelangen. Dort wollen sie Arbeit finden.

"Beginn eines neuen Trends"?

Es handelte sich bereits um das zweite Drama dieser Art innerhalb von 24 Stunden. Erst am Mittwoch waren nach Angaben der IOM mindestens 29 Flüchtlinge ertrunken, nachdem die Schlepper sie vor der Küste des Jemen ins Meer gestoßen hatten. Die Menschenschmuggler hatten die Migranten in Somalia aufgenommen. Vor der jemenitischen Küste wurden sie dann brutal ins Wasser gestoßen, als die Schlepper "uniformierte Personen" sichteten, wie Überlebende IOM-Mitarbeitern schilderten. Die Helfer entdeckten die Flüchtlinge an einem Küstenabschnitt des Jemen.

"Das ist vielleicht der Beginn eines neuen Trends", sagte IOM-Sprecherin Olivia Headon der Nachrichtenagentur Reuters. "Die Schmuggler wissen, dass die Situation gefährlich für sie ist und auf sie geschossen werden könnte. Also setzen sie sie in der Nähe der Küste aus." Zugleich "optimieren" die Menschenschmuggler ihren "Gewinn", indem sie sich auf halber Strecke der Migranten entledigen.

Flucht vor Armut und Konflikten in der Heimat

Seit Januar kamen nach IOM-Schätzungen von Afrika aus rund 55.000 Migranten über den Golf von Aden und das Rote Meer. Rund 30.000 von ihnen sind unter 18 Jahren. Im vergangenen Jahr strandeten mehr als 110.000 Flüchtlinge im Jemen. Der gefährliche Weg über das arme Bürgerkriegsland auf der arabischen Halbinsel ist die kürzeste Route in die Golfstaaten.

Somalia ist seit dem Bürgerkrieg 1991 in verschiedene Fraktionen zerfallen und wird von der islamistischen Al-Shabaab-Miliz terrorisiert. Sowohl in diesem Land als auch in Äthiopien drohen wegen anhaltender Dürre außerdem Hungersnöte.

qu/kle (rtr, afp, dpae, epd, IOM)

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