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Wirtschaft

Schlechteres Rating als Warnung für die USA

Erst Griechenland, Irland und Portugal - und nun die USA? Was steckt hinter der Drohung von Standard & Poor's, die Kreditwürdigkeit der USA herabzustufen?

Durch die Luft segelnde 1-Dollar-Banknoten

Jahrzehntelang galt die us-amerikanische Volkswirtschaft als die stärkste der Welt, der US-Dollar als Leitwährung schlechthin. Doch durch die Schuldenpolitik der amerikanischen Regierungen in den letzten Jahren scheint diese Reputation verspielt. Erstmals wird die uneingeschränkte Kreditwürdigkeit der USA öffentlich angezweifelt. Für Stefan Scharfetter von der Baader Bank in München kommt die Drohung, die amerikanische Kreditwürdigkeit herabzustufen, gar nicht überraschend. DW-WOLD.DE gegenüber sagte er, dieser Schritt sei nicht nur gerechtfertigt, sondern überfällig: "Wir haben eigentlich schon lange darauf gewartet, daß da mal Stellung genommen wird."

US-Finanzminister Timothy Geithner. Quelle: AP

In Zugzwang: US-Finanzminister Timothy Geithner.

Andreas Rees, Chefvolkswirt des Finanzdienstleistungsunternehmens Unicredit, sieht den Grund für das veränderte Rating der USA in der Schieflage des amerikanischen Haushalts. Spätestens seit der Lehman-Pleite im Herbst 2008 sei die Verschuldung der USA stark angestiegen. "Die Amerikaner haben jetzt eine öffentliche Verschuldung von etwa 100 Prozent vom Bruttoinlandsprodukt, das läßt sich in etwa vergleichen mit Irland", sagt er im Gespräch mit DW-WORLD.DE. Scharfetter verweist ebenfalls auf die Pleitekandidaten in der Europäischen Union. Auch Griechenland und Portugal seien ähnlich hoch verschuldet wie die USA. Lange sei das nicht ernst genommen worden, aber: "Wir sehen nun, daß die Überschuldung bei den Amerikanern die kritische Größe deutlich überschritten hat."

Warum erst jetzt?

Die Haushaltsschieflage in Washington ist schon seit Jahren bekannt, die amerikanischen Regierungen häufen Schulden auf Schulden. Da stellt sich die Frage, warum die Kreditwürdigkeit der USA erst jetzt angezweifelt wird. Diese Frage kann auch Andreas Rees nicht beantworten. Es könne zwar "durchaus einigen politischen Druck" auf die Ratingagenturen gegeben haben, das sei aber nur Spekulation und er fügt hinzu: "Die Frage ist natürlich berechtigt: Warum erst jetzt?"

Infografik: Vergleich der Entwicklung der Staatsschulden in Japan und den USA - Japan war das Triple-A bereits entzogen worden.

Japan ist die Top-Note "AAA" bereits einmal entzogen worden - die USA sind auf dem Wege dahin.

Da nun die Warnung in der Welt ist, die Kreditwürdigkeit Washingtons weiter herunterzustufen, ist die US-Regierung zu schnellem Handeln gezwungen. Andreas Rees warnt aber vor allzu großen Erwartungen und weist darauf hin, daß Ende nächsten Jahres in den USA gewählt wird. "Da fallen staatliche Einsparmaßnahmen sehr, sehr schwer." Für einen Präsidenten, der wiedergewählt werden möchte, macht es sich halt besser, Wohltaten und Geschenke zu versprechen, als Sparen und Verzicht zu predigen. Aber dennoch: Am Sparen führt kein Weg vorbei, meint Volkswirt Andreas Rees und verweist auf den kostspieligen amerikanischen Gesundheitssektor. "Hier sind die Ausgaben in den letzten zehn oder fünfzehn Jahren förmlich explodiert und hier muss dringend etwas passieren."

Foto von Andreas Rees, Chefvolkswirt von Unicredit. Copyright: Unicredit

Andreas Rees, Chefvolkswirt von Unicredit

Und was, wenn nicht?

Sollte die Regierung aber nicht oder nur unzureichend reagieren, drohen der US-Wirtschaft ernste Konsequenzen. Eine Herabsetzung der amerikanischen Kreditwürdigkeit würde dazu führen, dass neues Geld für die Amerikaner immer teurer wird. Es würde zu Zinsanhebungen kommen, und teures Geld würde den Aufschwung nach der Finanz- und Wirtschaftskrise der vergangenen Jahre ausbremsen. Das wiederum könnte Washington in Versuchung führen, durch das Drucken neuen Geldes die Schulden quasi zu entwerten und ihre Rückzahlung zu erleichtern. Und eine Inflation in den USA hätte gravierende Folgen für die Weltwirtschaft.

Doch soweit ist es nach Ansicht von Andreas Rees noch nicht. Noch, sagt er, können die Amerikaner ausreichende Sparmaßnahmen ergreifen und ihren Haushalt konsolidieren. Aktuelle Gefahren für die nordamerikanische Ökonomie und die Weltwirtschaft bestünden daher nicht. Er hält den Vorstoß der Ratingagentur "Standard & Poor's" für einen Warnschuß, der hoffentlich nicht zu spät kommt: "Es gibt ja noch andere Ratingagenturen, die bislang nicht reagiert haben, von daher sehe ich jetzt keine unmittelbaren gravierenden Auswirkungen."

Autor: Dirk Kaufmann
Redaktion: Monika Lohmüller

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