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Bildung

Schlechte Noten, keine Chancen?

In Deutschland stehen die Ferien vor der Tür. Kurz vorher sind gerade Schüler mit schlechten Noten nervös, denn vor den Ferien werden die Zeugnisse verteilt. Auch in anderen Ländern steigt in dieser Zeit die Nervosität.

Wenn in Deutschland die Sommerferien nahen, dann ist die Stimmung bei den Schülern geteilt. Während sich die einen auf den Urlaub freuen, bangen andere um ihr Zeugnis. Zwei Fünfen oder eine Sechs als Note reichen aus, und man muss die Klasse wiederholen.

Für Zhao Xi aus China war das Jahreszeugnis immer eher so etwas wie ein Zwischenzeugnis. Wie fast alle chinesischen Schüler hatte die 24-Jährige als Kind vor allem ein Ziel vor Augen: Ein gutes Ergebnis beim Gao Kao. Gao Kao, das ist die Schulabschlussprüfung in China. Bei dieser Prüfung geht es um alles: Wer beim Gao Kao ein sehr gutes Ergebnis erzielt, kann auf die besten Universitäten in China gehen. Wer nicht besteht, dem bleibt der Weg zur akademischen Karriere und zu gutbezahlten Jobs verwehrt. "Der Gao Kao ist eine sehr wichtige Sache für das ganze Leben. Das ist keine Übertreibung", sagt Zhao Xi. Die Prüfung habe einen großen Einfluss auf den Rest des Lebens. "Besonders die Schüler, die auf dem Land wohnen, hoffen, auf diese Weise eine Chance zu bekommen, ein gutes Leben in der Stadt zu führen", sagt Zhao Xi. "Der Gao Kao ist die einzige Möglichkeit für sie."

Freiwillig "sitzen bleiben"

Zhao Xi, Praktikantin in der chinesischen Redaktion der Deutschen Welle. (Foto: DW / Shitao Li)

Zhao Xi studiert in Deutschland

Um den Gao Kao zu bestehen, können schlechte Schüler in China freiwillig eine Klasse wiederholen. Einen Zwang seitens der Schule gibt es aber nicht. Der Druck ist jedoch von anderer Seite riesig. In China herrscht die "Ein-Kind-Politik" und die ganze Familie hofft, dass der einzige Sprössling den Weg zur Uni schafft. Für Kinder aus reichen Familien ist der Gao Kao nicht ganz so wichtig. Auch wenn das Ergebnis am Ende schlecht ausfällt, können sie mit dem Geld ihrer Eltern einfach auf eine Uni im Ausland gehen. Zhao Xi hat immer viel gelernt, auch in den Sommerferien. Schon zehn Jahre vor der Abschlussprüfung begann sie, sich darauf vorzubereiten. Mit Erfolg: Zhao Xi konnte die beste Uni ihrer Heimatprovinz besuchen. Inzwischen studiert die 24-Jährige in Deutschland.

Wer in Deutschland aufwächst und die Universität besuchen will, braucht das Abitur. Der einfachste Weg die Hochschulzugangsberechtigung zu bekommen ist der Besuch des Gymnasiums. Doch schon in den ersten Jahren wird auf der höheren Schule kräftig gesiebt. Ob man bei schlechten Noten die Klasse überhaupt wiederholen darf oder gleich die Schulform wechseln muss, entscheiden in vielen Fällen die Lehrer. Die Kinder haben dann nicht nur Angst davor, sitzen zu bleiben, sondern fürchten auch, ihre gewohnte Schule verlassen zu müssen. Das ist immer wieder ein Kritikpunkt am deutschen Schulsystem.

Uganda: Durchschnittsnote entscheidet

In Uganda ist das etwas lockerer, sagt Iddi Ismail Ssessanga. Nicht jeder Familie seien die Noten der Kinder so wichtig. "Meistens sind es die Ärmeren, die sich um die Leistung ihrer Kinder sorgen." Vielen reichen Eltern seien die Zeugnisnoten relativ egal. "Sie haben ja schon ein gutes Leben", sagt Iddi Ismail Ssessanga, der in Deutschland gerade ein journalistisches Praktikum macht.

Iddi Ismail Ssessanga, Praktikant in der Afrika-Abteilung der Deutschen Welle (Foto: DW / Gaby Reucher)

Iddi Ismail Ssessanga hatte als Schüler immer gute Noten

Vor den großen Ferien sind aber auch in Uganda gerade die weniger erfolgreichen Schüler nervös. Denn wer ein schlechtes Zeugnis hat, bleibt sitzen. Dabei ist die Durchschnittsnote entscheidend: Ist sie zu schlecht, muss eine Klasse wiederholt werden. Wer zweimal sitzen bleibt, muss die Schule verlassen – ein ähnliches Prinzip also wie in Deutschland. Iddi Ismail Ssessanga, der heute Anfang dreißig ist, hatte als Schüler immer gute Noten. Er musste nie eine Klasse wiederholen oder gar die Schule verlassen.

Marokko: Entscheidung der Lehrer

Anders als in Uganda entscheiden in Marokko in erster Linie die Lehrer und nicht so sehr die Noten darüber, wer sitzen bleibt und wer nicht. Das marokkanische Schulsystem ist durch Frankreich geprägt. "Manchmal kann ein Schüler eine schlechte Note haben, nur weil er am Tag der Prüfung schlecht gelaunt und nicht genug konzentriert war", sagt Abderrahmane Ammar, der Ende zwanzig ist. "Dann gibt es Schüler, die haben zwar nicht so brillante Noten, aber sie sind trotzdem intelligent."

Wenn das der Lehrer genauso sieht, klappt es am Ende auch mit der Versetzung. Für Schüler mit schlechten Noten gibt es aber trotzdem negative Konsequenzen. Sie müssen in den Ferien nacharbeiten. Dafür sorgten die Eltern, sagt Abderrahmane Ammar. Das sei besonders bitter, denn Marokko hat rund 1500 Kilometer Strand. In den großen Ferien verbringen zumindest viele Schüler aus wohlhabenden Familien die Zeit dort. Wer schlechte Noten hatte, muss aber oft zu Hause bleiben und lernen.

Russland: Druck von den Eltern

Eine Lehrerin schreibt an die Tafel während der zentralen Abiturprüfung in Russland (Foto: Vladimir Zinin/ITAR-TASS)

In Russland achten die Eltern sehr auf die Leistungen ihrer Kinder

Auch wer in Russland schlechte Noten hat, kann sitzen bleiben. Die beste Note ist hier eine fünf, die schlechteste eine zwei. Wer eine zwei hat, muss eine Klasse wiederholen. Vor den großen Ferien, die in Russland drei Monate dauern, sind auch die schlechten Schüler meistens noch relativ locker, sagt die 22-jährige Benazir Abrarova. "Die sind einfach nicht so gut in der Schule, deshalb ist es denen auch relativ egal wie es weitergeht." Druck gäbe es allerdings oft von den Eltern. "Bei uns ist es eine große Schande, wenn man nicht weiterkommt. Deshalb achten die Eltern viel mehr auf die Leistungen der Schüler als die Schüler selbst."

Bei schlechten Schülern griffen die Eltern in Russland auch einmal etwas tiefer in die Tasche, sagt Benazir Abrarova. Da würden den Lehrern Geschenke gemacht – in der Hoffnung, dass am Ende doch noch eine Drei auf dem Zeugnis steht. In Deutschland hätte diese Methode nicht viel Erfolg, denn Lehrer dürften solche Geschenke gar nicht erst annehmen.

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