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Bildung

Schlechte Noten für Schulessen

Das Essen an deutschen Schulen ist zu ungesund. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie, die über 12000 Schüler an Ganztagsschulen befragt hat. Das Problem ist nicht neu und muss dringend gelöst werden.

Am liebsten isst Nina in der Schule, wenn es Spagetti oder Fritten gibt. Gesund ist das nicht gerade. Den Salat lässt sie meistens stehen. "Der ist viel zu matschig", findet die Schülerin eines Kölner Gymnasiums, das schon seit einigen Jahren verschiedene Cateringunternehmen ausprobiert hat.

Schlechte Noten für das Schulessen hat jetzt auch das Bundesernährungsministerium verteilt. In einer Studie der Hamburger Hochschule für Angewandte Wissenschaften heißt es, dass rund die Hälfte der untersuchten Speisepläne zu wenig Gemüse enthalte. Fleisch komme dagegen noch zu häufig vor. Bereits Anfang des Jahres hatte die EU ihr kostenloses Obstprogramm erweitert, weil man festgestellt hatte, dass in Deutschland immer noch zu wenig Essen frisch zubereitet wird und dadurch viele Kinder unter Vitaminmangel und Fettleibigkeit leiden. Kinder sollen in der Frühstückspause Obst angeboten bekommen, um zu lernen, dass Äpfel allemal besser sind als Chips und Süßes.

Zu wenig frisches Obst und Gemüse

Quark Dip Rohkost auf einem Teller angerichtet

So kann gesundes Essen an einer Ganztagsschule aussehen

Frisches Obst und Gemüse bei der Schulkost, das ist oft teurer als sättigende Fleischportionen, die von Großschlachtereien kostengünstig auf den Markt kommen. Dagegen müssten aber die Kosten gerechnet werden, die durch Fettleibigkeit im Gesundheitswesen entstehen, sagen Gesundheitsexperten. Dieses Problem haben sowohl die EU als auch das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft erkannt und die finanziellen Zuschüsse für den Frühstücksimbiss in diesem Schuljahr erhöht. Bisher mussten die Bundesländer die Kosten für Obst und Gemüse zur Hälfte selbst tragen. Jetzt übernimmt die EU drei Viertel der Kosten und hat die Zuwendungen von 12,3 auf 19,7 Millionen erhöht.

Auch beim Mittagessen, so fordert Bundesernährungsminister Christian Schmidt, müsse es gelingen, stärker auf frisches Obst und Gemüse von lokalen Anbietern zurückzugreifen und die Schulverpflegung nicht den großen Catering-Firmen zu überlassen. Die setzen meist auf Massenware und auf Speisen, die bei Schülern gut ankommen. Hamburger, Spaghetti Bolognese und Fritten mit Schnitzel stehen da in der Beliebtheitsskala ganz oben. So sehen die befragten Schülerinnen und Schüler ihre Verpflegung in der Schule auch weniger kritisch. 53,5 Prozent der Grundschüler finden das Schulessen im Allgemeinen gut.

Schulkantine in Freiburg, Schüler sitzen an einem Tisch

Schulkantinen sind oft voll

Auf den weiterführenden Schulen sieht es da schon anders aus. Nur rund 46 Prozent der Schüler sind mit dem Essen zufrieden. Nina ist Vegetariern und beklagt, dass es an ihrer Schule so wenig leckere vegetarische Sachen gibt. Meist bleiben für sie nur die Beilagen. "Wir gehen dann oft in der Pause rüber zum Supermarkt und holen und Chips und manchmal auch einen fertigen Salat", bekennt sie. Auch bei der Vielfalt bemängelt die Studie, dass nur rund ein Fünftel aller Schulen mit Mittagsversorgung mehr als zwei Menüs anbietet.

Zeit fürs Essen muss sein

Es geht natürlich auch schneller, mal eben zum Supermarkt zu laufen als in der Schulkantine anzustehen und dann im überfüllten Raum einen Platz zu finden. Die Studie belegt, dass die Pausenzeiten in den meisten Schulen zu kurz sind. Nur in 39 Prozent der Schulen haben die Schüler eine dreiviertel Stunde Zeit, ihr Essen zu sich zu nehmen. Eine Mindestzeit, die die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt. "Bei der Zeit, die für die Mittagspause zur Verfügung steht, setzt sich leider der Trend fort, dass wir unseren Kindern einen zu schnell getakteten Alltag zumuten", beklagt Holger Hoffman, Bundesgeschäftsführer des Deutschen Kinderhilfswerks. Er fordert dringend mehr Zeit für das Mittagessen.

Außerdem müsse es generell ein Umdenken bei der Schulverpflegung geben. Immerhin fänden es rund 70 Prozent der Kinder und Jugendlichen gut, in einer Schulküche kochen zu lernen. Hoffman hält ein Schulfach "Gesundheits- und Ernährungsbildung" deshalb für eine gute Lösung, um das Problem von einer anderen Seite anzugehen.

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